Rheinland-Pfalz
Kolumne: Warum ein kleiner Tresor an Weihnachten große Freude bereiten kann
Unser Adventskranz hat es dieser Tage nicht einfach, seinen Platz auf dem Küchentisch zu behaupten. Viele Zettel liegen da, Notizen für Besorgungen, erste Weihnachtspost und vor allem: die große Geschenkeplanungsüberblickstabelle. Wie jedes Jahr hat meine liebe Frau auf einem Bogen Papier einen ordentlichen Plan mit vielen Kästchen gemacht. Wer soll was bekommen, wo fehlt noch eine Idee? Oma, Kinder, Verwandte, beste Freunde.
Die Geschenktipp-Seite der RHEINPFALZ
Und irgendwo dazwischen steckt auch noch die herausgerissene Zeitungsseite mit den „Geschenk-Tipps aus der RHEINPFALZ-Redaktion“. Am 29. November war sie erschienen. Zehn Kollegen geben da persönliche Tipps für Bücher, CDs oder für „Sinniges und Unsinniges“. Unterm Strich sind es 50 Geschenkideen. Seit über 20 Jahren erscheint eine solche Tipp-Seite jeweils zu Beginn der Adventszeit. Auch ich habe mich mit Vorschlägen immer wieder beteiligt. Eine Rubrik hat es mir dabei besonders angetan: „Was Kinder und junge Menschen freut“.
Sitzsack oder Donneröhre?
Denn diese Überschrift spannt einen weiten Bogen. Altersmäßig von 3 bis 30. Doch was freut Kinder tatsächlich? Das, was Erwachsene denken, dass es den Nachwuchs freut? Oder doch eher das, was sie sich von Herzen wünschen? Über Jahre hinweg habe ich für diese Rubrik meine beiden Kinder als heimliche Tippgeber eingespannt. Was ist denn zur Zeit Kult?, habe ich sie gefragt. Was sind die heimlichen Renner? 2003 sagten sie beispielsweise: „Ein Sitzsack.“ Zum Knuffen, Chillen und Träumen. Aha.
2006 empfahl ich die Donnerröhre (Thunder Tube beziehungsweise Spring Drum). Damit können sich Klein wie Groß jederzeit ihr eigenes Donnerwetter machen. Eigentlich ein Percussion-Instrument, vollbringt die Röhre mit Membran und Stahlfeder wahre Akustikwunder. Es grollt, donnert, stürmt und gewittert. „Ideal für Kinder, die gerne Geisterstunde, Sams („Donner am Donnerstag”) oder kleine Hexe spielen wollen“, meinte ich damals. 2007 war es dann ein „Dakine-Rucksack“ – besonders begehrt war angeblich ein Modell, in dem sich angeblich Spickzettel besonders unauffällig unterbringen ließen.
Handlicher „Hotel- und Möbeltresor“
Was davon geblieben ist? Der Sitzsack war irgendwann einmal aus unserem Haus verschwunden, der Rucksack ist sicher schon lange durch ein Nachfolgemodell ersetzt worden, und die Donnerröhre hatte schnell wieder ausgegrollt. Ein Geschenk – der Tipp aus dem Jahr 2005 – hat indes alle Moden überdauert und steht noch immer im alten Zimmer meines Sohns: ein Tresor. Kein Banksafe natürlich, sondern das, was im Baumarkt als handlicher „Hotel- und Möbeltresor“ angeboten wird.
Ein Weg, Vertrauen zu verschenken
Was Kinder dort einschließen? Keine Ahnung: Vielleicht Liebesbriefe, Taschengeld, schlechte Noten, die ersten Zigaretten. Ich bin sicher: Von alleine kommt kaum ein Erwachsener darauf, seinem Kind solch einen Kleintresor unter den Weihnachtsbaum zu legen. Dabei gibt es kaum etwas Geheimnisvolleres. Und: Wer solch einen Tresor verschenkt, schenkt Vertrauen.
Bei jeder Polizeimeldung, die von einem Tresor handelt, fällt mir prompt unser Geschenktresor ein. Dieser Tage berichtete das Polizeipräsidium Karlsruhe, dass unbekannte Diebe aus einer Seniorenresidenz einen leeren (!) Tresor aus der Wand gerissen und damit das Weite gesucht hatten. Schöne Bescherung! Der alte Tresor meines Sohnes ist bestimmt nicht leer. Fest verschlossen ist er auf jeden Fall. Wenn der Sohn jetzt an Weihnachten wieder einmal nach Hause kommt, werde ich ihn fragen, was da noch drin ist ...
Alles unter Verschluss
Meine Frau schreibt unterdessen einen weiteren Vorschlag in unsere große Geschenkeplanungsüberblickstabelle. „Eine Quitten-Körpermilch und ein Glas Quittenmarmelade, was meinst Du?“, fragt sie. „Das passt bestimmt“, sage ich. Wer so beschenkt werden soll? Das muss an dieser Stelle verständlicherweise unter Verschluss bleiben – wie all die Jahre die Sachen im Tresor meines Sohnes. Ob er aber überhaupt noch die Zahlenkombination weiß?
In der Kolumne „Am Küchentisch“ schreiben Redakteure des Südwest-Ressorts über die Pfalz, ihr Familienleben und den Redaktionsalltag.