Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: „Helau-Spur“ auf Mainzer Rheinbrücke

Andreas Schmitt als „Obermessdiener“ vom Mainzer Dom.
Andreas Schmitt als »Obermessdiener« vom Mainzer Dom. Foto: Lenz

Außerhalb des Protokolls: Was die Narren in der Landeshauptstadt bewegt

Die Landeshauptstadt hat Sorgen, um die sie andere Rheinanlieger von Koblenz bis Ludwigshafen fast beneiden könnten. Während die Innenstadt erfüllt ist vom Duft nach Glühwein und gebrannten Mandeln, Menschen ihre Weihnachtseinkäufe machen und dabei leise das „Jauchzet, frohlocket“ summen, das der Bachchor am dritten Adventssonntag in der Christuskirche gesungen hat, vergeht den Mainzer Narren gerade ihr Humba Täterä.

Das reinste Chaos drohe der Saalfasnacht, schimpft Andreas Schmitt, Fasnachtsfreunden bekannt als „Obermessdiener“ und als Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“. Der Grund ist die angekündigte Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke für den Individualverkehr ab dem 12. Januar für vier Wochen. Die anmutige Stahlkonstruktion verbindet Mainz seit 1885 mit den ehemals rechtsrheinischen Vororten Kastel und Kostheim, die jetzt zu Wiesbaden gehören. Während die Brücke saniert wird, dürfen nur Busse, Taxen, Fußgänger und Radfahrer darüberfahren. „Mainz, du hast es gut“, mögen Pendler in Ludwigshafen rufen. Was sind vier Wochen gegen die Jahre, die sie auf den Neubau der Hochstraße Süd warten müssen?

Die Fasnachter tingeln von Termin zu Termin

Aber in Mainz sind es die entscheidenden Wochen in der Fasnachtskampagne 2020. Viele Sitzungen finden parallel statt. Zum Beispiel sind die „Eiskalten Brüder“, deren Sitzungspräsident Schmitt ebenfalls ist, an einem Abend in der Rheingoldhalle, während der KCK, der Karneval Club Kastel 1947, fast gegenüber im Bürgerhaus Kastel feiert.

Etliche Aktive tingeln von Auftritt zu Auftritt, fünf bis sieben an einem Abend können es werden. Das muss minutengenau geplant sein. Wer statt der Theodor-Heuss-Brücke die Schiersteiner Brücke nehmen muss oder die Weisenauer, schafft es nicht in fünf, sondern allenfalls in 30 Minuten auf die rechte Rheinseite. Das gleiche auf dem Rückweg. Die eine oder andere Sitzung hat dann vielleicht schon das Finale eingeläutet.

Stadt ist der Ausnahmegenehmigung nicht abgeneigt

Eine Ausnahmegenehmigung fordern Schmitt und andere deshalb: eine „Helau-Spur“ über den Rhein für etwa 120 Fahrzeuge. Die Stadt Mainz ist nicht ganz abgeneigt, wie Pressesprecher Ralf Peterhanwar sagt. Doch im Sinne der Gerechtigkeit für Berufspendler, Handwerker oder beispielsweise Pflegedienste, wolle sie nicht jedem Aktiven eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Jeder Verein solle die Chance haben, einen Shuttle-Service einzurichten. Für die Mainzer Hofsänger alleine sind schon mehrere Fahrten notwendig. Vielleicht singt der Rest der Gruppe „Fiesta hier am Rhein“ mal am Originalschauplatz? Die Verkehrsbetriebe wollen den öffentlichen Nahverkehr ausweiten und zusätzliche Leihfahrräder aufstellen, kündigt deren Sprecher Michael Theurer an. Das sind für „Obermessdiener Schmitt“ keine Alternativen, auch das Taxi nicht: „Da ist man gleich mal 40 Euro los. Und so üppig sind die Gagen in Mainz nicht. Wir sind schließlich nicht in Köln.“

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