Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Fiese Liebespfeile

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Wie doof kann man sein und Tausende von Euro in eine Internetbekanntschaft stecken? Die Frage drängt sich im Nachhinein auf, wenn Mann oder Frau Opfer eines Betrügers geworden ist. Dem Opfer allerdings hilft das wenig. Denn Vorwürfe macht sich derjenige schon selbst. Psychologen sprechen gar davon, dass die Frage Anderer nach Naivität oder Dummheit am Ende nur eine selbstgerechte ist. So schreibt die Psychologin Angelika Treibel vom Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg, mit derlei Vorwürfen treibe man das Opfer ins „Dunkelfeld, in völlige Verzweiflung und in die soziale Isolation“.

118.000 Euro geliehen für „Millionen-Erbe“

Hereinfallen kann man offenbar schneller als gedacht. So wie jüngst ein Ehepaar aus Neustadt, das dann selbst wegen Betrugs vor Gericht landete. Im Glauben an ein Millionen-Euro-Erbe in den USA liehen sie sich sage und schreibe 118.000 Euro von Freunden und Kollegen und zahlten die Beträge nie zurück. Den Freunden gegenüber gab der Mann, ein studierter Betriebswirt und ehemaliger Geschäftsmann, zunächst an, in finanzielle Schwierigkeiten geraten zu sein. Das Ehepaar war selbst einer Masche auf den Leim gegangen, befand das Gericht, das die beiden mangels Vorsatz vom Betrugsverdacht freisprach. Die Freunde des Paares können nur versuchen, per Zivilklage an ihr Geld zu kommen.

Ein höherer Bildungsgrad jedenfalls scheint nicht zu schützen – was einer klischeehaften Erwartung widerspricht, wonach nur „dumme Menschen“ auf Betrüger hereinfallen.

Besonders schwierig wird es, wenn die Liebe ins Spiel kommt. Bekanntlich macht die blind. Die 70-Jährige aus der Verbandsgemeinde Winnweiler kann davon sicher genauso erzählen wie die Mittfünfzigerin aus der Region Kaiserslautern. Die Seniorin verlobte sich 2019 „digital“ mit einem Liebhaber und überwies 7000 Euro als „Verdienstausfall“ für den vermeintlichen US-Soldaten, um ihn endlich leibhaftig kennenzulernen.

Schulden machen für virtuelle Flamme

Und die Frau nahe Kaiserslautern gab gar 26.000 Euro für eine neue, ihr nur virtuell bekannte Flamme aus. Am 30. Januar berichtete DIE RHEINPFALZ unter dem Titel „26.000 Euro für Millionen-Dollar-Darling“: Anja (Name geändert) glaubte, mit ihm – er stellte sich ebenfalls als Soldat vor – ein neues Leben starten zu können. Seine 10,5 Millionen Dollar sollten dies ein klein wenig erleichtern – weshalb sie bereit war, Schmuck zu verpfänden, alle Kleinsteinkünfte zusammenzukratzen, einen Kredit aufzunehmen und ihr Auto zu verkaufen.

Am Ende steht nach Ansicht von Psychologen, aber auch des Landeskriminalamts, nicht nur der finanzielle Schaden, sondern, – und der mag manchmal sogar schwerer wiegen – der Verlust eines geliebten Menschen. Dass es den nie real gab, sei für das Empfinden der Opfer irrelevant.

Sind Betrugsopfer risikobereit und geldgierig?

Nach Meinung von Psychologen sind Betrugsopfer gutgläubiger, sorgloser, risikobereiter, geldaffiner und durch Schmeicheleien leichter zu beeinflussen als andere. Mit 35 bis 55 Jahren seien sie eher mittelalt sowie überwiegend weiblich. Wenn auch 40 Prozent der Liebesbetrogenen Männer sein sollen. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus, viele verzichteten aus Scham auf eine Anzeige.

Die Täter wiederum nutzen ganz gezielt die menschliche Eigenschaft aus, anderen zu vertrauen. Sie bandeln an und machen sie oder ihn abhängig von den täglichen Herzensbotschaften per Chat. Auch Anja kommt nicht von ihrem „Jim“ los. Nach einer Pause schreiben sich die beiden wieder. Jetzt aber will sie den Spieß umdrehen und so an ihr Geld kommen. Auch in Hamburg gibt es Frauen, Opfer von modernen Heiratsschwindlern, die es den Tätern heimzahlen wollen. Der „Club der Teufelinnen“ macht Jagd auf Betrüger und verabredet sich mit den von ihnen entlarvten, aber nichtsahnenden Tätern. Kaum dass sie auftauchen, schlagen längst verständigte Polizeibeamte zu.

Wenn Frauen Jagd auf Betrüger machen

Geschnappt werden konnten so ein paar Dutzend Personen – viele andere Täter verschicken weiter heiße und gefährliche Liebesschwüre durchs Netz. Die Polizei rät: Verstand einschalten. Damit nicht das böse Erwachen kommt. „Ich Depp“, hatte Anja über sich gesagt, als die 26.000 Euro weg waren und Darling mit den Dollar-Millionen nie am Frankfurter Flughafen auftauchte.

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