„Ausserhalb des Protokolls“ RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Dreyers „Bad Hair Days“ und ein Geheimtipp

dauscher

Von den Haaren her betrachtet, hatte Kurt Beck einen klaren Vorteil: Seine Frau Roswitha ist vom Fach. Becks Frisur, vorn Mecki, hinten etwas länger, saß während seiner Amtszeit als Ministerpräsident von 1994 bis 2013 immer tadellos. Dank der Ehefrau hätte sie auch eine Corona-Krise überstanden, in der Friseurläden wochenlang schließen mussten.

Politiker und mehr noch Politikerinnen stellte das vor eine besondere Herausforderung. Von ihnen wird unter allen Umständen erwartet, dass sie tipptopp vor der Kamera stehen. Außer Winfried Kretschmann. Der 71-jährige baden-württembergische Ministerpräsident kokettiert damit, dass sein Bürstenschnitt der Schwerkraft zum Opfer fällt.

Die Haarspitzen flirten mit den Ohren

In Rheinland-Pfalz hat CDU-Fraktionschef Christian Baldauf (52) der Natur ebenfalls nicht ins Handwerk gepfuscht. Bei der Plenarsitzung vergangene Woche zeigte sein Haar an den Seiten deutlich mehr Volumen, und die Spitzen flirteten mit den Ohren. Trotz Gel war nicht jede Locke zu bändigen.

Ehrliche Spuren hinterließ die Krise auch beim Südpfälzer AfD-Abgeordneten Matthias Joa (38). Was Friseure einen „sauberen Nacken“ nennen, war allenfalls der Idee nach zu erkennen.

Holzschnittartige Shortcut-Passagen

Gewohnt perfekt dagegen trat FDP-Fraktionschefin Cornelia Willius-Senzer ans Rednerpult. Nach den Worten ihres Pressesprechers schwört die 76-Jährige, das alles alleine hinzukriegen. Ihr Pirmasenser Fraktionskollege Steven Wink (35) legt ebenfalls selbst Hand an. Zwar erinnert seine Frisur noch immer an Justin Timberlake, aber die Shortcut-Passagen haben nun etwas Holzschnittartiges. Zu seiner Ehrenrettung: Um das zu sehen, muss man hart an die Grenze der 1,50-Meter-Abstandsregel gehen. Beim SPD-Abgeordneten Marc Ruland (38) aus Andernach reichen dagegen drei Meter aus, um zu erkennen, dass sich der blond gefärbte Teil seiner Haare schon deutlich vom Ansatz entfernt hat. Strähnen lügen nicht.

Apropos Ansatz: Das Thema Farbe ist bei Frauen ab einem gewissen Alter sensibel. Jutta Blatzheim-Roegler (63), Grünen-Abgeordnete aus Bernkastel-Kues, ist ihrer Friseurin dankbar, dass sie ihr vor der Schließung eine Farbmischung verkauft hat, die sie jetzt selbst aufträgt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

„Grauer Ansatz“ von Natur aus ein kleines Problem

Und wie ging es Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit dem Friseur-Lockdown? In normalen Zeiten – und sicher wieder ab der Wiedereröffnung am Montag – unterstützt die 59-Jährige das Handwerk gerne und häufig. Sichtbare Veränderungen sind deshalb in den vergangenen Wochen nicht ausgeblieben.

Eine Anfrage in der Staatskanzlei verschafft Klarheit: „Auch die Ministerpräsidentin vermisst – wie wohl die meisten Menschen – den Friseurbesuch. Notgedrungen lässt sie ihre Haare wachsen und hat aber auch hin und wieder einen ,Bad Hair Day’. Der ,graue Ansatz’ ist dabei für sie – von Natur aus – nur ein kleines Problem. Ein Geheimtipp: Ansatzspray.“

Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer freut sich wieder auf den Friseurbesuch.
Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer freut sich wieder auf den Friseurbesuch.
Das Mobiltelefon kann auch als Spiegel dienen. Wie hier bei der Grünen-Abgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler.
Das Mobiltelefon kann auch als Spiegel dienen. Wie hier bei der Grünen-Abgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler.
Oppositionschef Christian Baldauf ließ ebenfalls die Haare wachsen und versuchte sie mit Gel zu bändigen.
Oppositionschef Christian Baldauf ließ ebenfalls die Haare wachsen und versuchte sie mit Gel zu bändigen.
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