Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Achtung Überraschung – Öliges aus Pfälzer Landen

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Karikatur: Herrmann

Warum Billigprodukte mit den regionalen Qualitäts-Erzeugnissen nicht mithalten können.

Julia Klöckner hat diese Woche den Deutschen vorgeworfen, dass sie zu wenig Geld für Lebensmittel ausgeben. Für ein Motoröl zahlten Autofahrer klaglos 40 Euro, während beim Salatöl zwei Euro schon zu viel seien, sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin aus Rheinland-Pfalz. Im Nachhinein betrachtet, sind die harschen Worte der 47-jährigen CDU-Politikerin durchaus berechtigt. Nicht einmal zehn Prozent unseres Einkommens geben wir für Essen aus, was auch daran liegt, dass viele Lebensmittel zu billig verkauft werden.

Noch Luft nach oben

Anders als die Bauern können die Hersteller von Motoröl tatsächlich nicht klagen. Ein Blick in die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes vom Januar 2019 verrät, dass vor einem Jahr allein in der Pfalz stolze 588.416 Autos zugelassen waren, die Benzin tankten und Öl verbrauchten. Hinzu kamen 265.814 Dieselfahrzeuge. Mit Erdgas fuhren immerhin 6791 Fahrzeuge, Hybrid-Autos gab es 5903. Bei den Wagen mit Elektromotor ist eindeutig noch Luft nach oben: 1306 in der Pfalz angemeldete Fahrzeuge – dieser Wert ist nicht gerade umwerfend.

Ölmühlen auch ohne Olivenbäume

Doch zurück zum Essen. Ob die Pfälzer eher auf das geliebte Auto oder auf ihre deftige Hausmannskost verzichten würden, muss noch untersucht werden. Kostverächter waren sie noch nie. Doch wie halten sie es mit dem Salatöl? Die Pfalz wird ja von Reiseveranstaltern oft mit der Toscana verglichen, doch Olivenbäume sucht man hier vergeblich. Dennoch gibt es einige Ölmühlen, die hochwertige kaltgepresste Öle herstellen. Die natürlich mehr als zwei Euro pro Flasche kosten. Zu den kleinsten gehört die Agriluna-Ölmühle im südpfälzischen Rheinzabern. Tina und Patrick Marz sind stolz darauf, dass sie für ihre Öle und Mehle nur eigene Saaten verwenden. Und auf Plastikverpackungen verzichten.

Kürbiskernöl aus der Pfalz

Das Ehepaar hat sich vor zehn Jahren vom Tabakanbau verabschiedet und nach einem neuen Standbein gesucht. Dabei stieß der Landwirt auf die Kürbiskernernte in Österreich. Heute baut er neben seinem Gemüse sechs verschiedene Ölsaaten an, denn auch der Erhalt alter Sorten wie Lein liegt ihm am Herzen. Einheimische und Touristen erfreuen sich am satten Rot und Blau seiner Mohn- und Leinfelder. Bienen und andere Insekten schätzen die Blüten. Pflanzen- und Kürbisreste überlässt Marz den Wildtieren und arbeitet sie erst später in die Erde ein, um ohne Pflug gute Ackerböden zu erhalten.

Gläserne Manufaktur in Hauenstein

Wer sich für die Pfälzer Ölproduktion interessiert, findet im südwest-pfälzischen Hauenstein die gläserne Manufaktur der Wasgau Ölmühle. Timo Keller, der seit drei Jahren an der Mühle beteiligt ist, führt Besucher jeden Samstag um 10.30 Uhr durch die Produktionsräume und lässt sie Öle aus sorgfältig ausgewählten Saaten in Bioqualität probieren.

Klasse statt Masse

Kellers Favorit ist das Leindotteröl, das ihn geschmacklich an frisch gepflückte Erbsen erinnert. Beliebt bei Kunden sind die Hanf- und Rapsöle. Aber auch exotische Sorten wie Drachenkopf- und Aprikosenöl finden Gourmets spannend. Mit billigen Lebensmitteln haben die Ölmacher nichts am Hut, denn Handarbeit hat ihren Preis. Genau wie das Ehepaar Marz setzt auch Kellers Frau Sabrina auf Klasse statt Masse. Deshalb hat sie 2015 den Hofladen Hollerbusch gegründet, in dem sie über 700 regionale Produkte anbietet. Motoröl ist definitiv nicht dabei...!

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