Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel Klimawandel und Hitzesommer: Wo Trinkwasser zuerst knapp werden könnte

Trinkwasser gewinnen die Versorger vor allem aus Grundwasser, und das wird weniger.
Trinkwasser gewinnen die Versorger vor allem aus Grundwasser, und das wird weniger.

Der Klimawandel lässt rheinland-pfälzische Grundwasservorräte allmählich schwinden. Das kann für die Trinkwasserversorgung zum Problem werden. Manche Regionen sind dabei gefährdeter als andere. Das gilt auch innerhalb der Pfalz.

Für die Bürger in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen gilt seit Sonntagabend ein Wassersparbefehl: Wegen drohender Engpässe müssen sie zum Beispiel ihre Rasensprenger abschalten, und sie dürfen keine Planschbecken mehr befüllen. Noch härter hatte es schon am Samstag das niedersächsischen Lauenau getroffen: Dort war die Versorgung zusammengebrochen, ein Speicher war leer.

Bürgermeister: Wassermangel wegen Corona

Ursache dafür, meint der Bürgermeister des 4000-Einwohner-Orts, ist die Corona-Pandemie: Weil viele Menschen ihren Urlaub daheim verbringen, sei der private Verbrauch in der Ferienzeit stark angestiegen. Die Energie- und Wasserversorger in Rheinland-Pfalz wiederum sagen: Wenn es in Hitzephasen zu derartigen Problemen kommt, dann liegt es normalerweise daran, dass die Infrastruktur zu sehr beansprucht wird.

Regionale Engpässe entstehen in Deutschland demnach vor allem, weil die Menschen mehr Wasser wollen, als durch die Leitungen passt – und nicht, weil die Brunnen tatsächlich schon versiegt wären. Doch das Mainzer Umweltministerium warnt: Mittelfristig könnte auch das zum Problem werden. Denn gespeist werden die Netze zu 95 Prozent aus Grundwasser, und das lässt der Klimawandel allmählich schwinden.

Besonders alte Schichten angezapft

Die Grundwasser-Neubildung in Rheinland-Pfalz ist demnach in den vergangenen 15 Jahren um ein Viertel niedriger ausgefallen als im „langjährigen Mittel“. Doch wie schnell sich diese Veränderung auf die Trinkwasserversorgung auswirkt, hängt von der jeweiligen Region ab. Thomas Retz, der Wasserwirtschaftsfachmann des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebunds, erläutert die Unterschiede.

In der Pfälzer Rheinebene etwa zapfen die Versorger demnach vor allem tief liegende Schichten an. In denen hat sich das Wasser schon vor Jahrtausenden gesammelt, weshalb die Hitzesommer der vergangenen Jahre sich auf sie noch längst nicht auswirken. Anders sieht es in Mittelgebirgen aus: Dort kommt das Trinkwasser aus höherliegenden Schichten, weshalb die Veränderungen schneller spürbare Folgen haben.

Fachmann: Teile des Pfälzerwalds betroffen

Als Grundwassermangelgebiete gelten im Umweltministerium daher vor allem der Hunsrück und der Westerwald, Wasserwirtschaftsexperte Retz vom Kommunalverband zählt aber ausdrücklich auch Teile des Pfälzerwalds dazu. Doch wie genau es bei ihnen jeweils aussieht, wissen nur die örtlichen Versorger: Die Kommunen müssen es dem Ministerium nicht melden, wenn bei ihnen das Wasser knapp wird.

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