Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kindesmissbrauch in Asien: Mannheimer zu vier Jahren Haft verurteilt

Zu vier Jahren Haft hat das Landgericht Mannheim am Freitag einen 44-Jährigen verurteilt, der auf den Philippinen Kinder missbra
Zu vier Jahren Haft hat das Landgericht Mannheim am Freitag einen 44-Jährigen verurteilt, der auf den Philippinen Kinder missbraucht hat. archivFoto: dpa

Ein Mannheimer glaubt, sich auf den Philippinen straffrei an wehrlosen Kindern vergehen zu können. Doch die Ermittler kommen ihm auf die Spur. Das Landgericht Mannheim verurteilt ihn am Freitag zu einer Haftstrafe. Die Staatsanwältin hält das Strafmaß für zu milde.

Mannheim. Wegen des Missbrauchs von Kindern auf den Philippinen haben die Mannheimer Richter einen Deutschen zu vier Jahren Haft verurteilt. Davon gelten drei Monate wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt. Kindesmissbrauch sei „eine widerwärtige Straftat“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Pfau. Der Fall werde ihm „über lange Zeit in Erinnerung bleiben“. Ohne das umfassende Geständnis des Angeklagten wäre die Strafe doppelt so hoch ausgefallen. Sollte der 44-Jährige rückfällig werden, drohten ihm Sicherungsverwahrung, sagte Pfau.

Der Mannheimer war in den Inselstaat gereist, um sich dort an zwei Mädchen zu vergehen, zur Tatzeit elf und 13 Jahre alt. Das jüngere Opfer, genannt Barbie, wurde später umgebracht. Die Leiche fand man im Haus des australischen Kinderschänders Peter Scully auf der Insel Mindanao. Einbetoniert unter dem Küchenboden. Scully, den Medien als „Monster“ bezeichneten, hatte jahrelang einen internationalen Pädophilen-Ring aufgebaut. „Er war der Chef des Ganzen“, sagte der Vorsitzende Richter. Der 56-Jährige wurde 2018 von der philippinischen Justiz zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Scully und dessen Freundin hatten dem Mannheimer Jahre zuvor die beiden Mädchen zugeführt. Und dafür mehrere tausend Euro kassiert.

Zweimal auf die Philippinen gereist

In den Jahren 2012 und 2013 reiste der Mannheimer zweimal auf die Philippinen, um sich an den Kindern zu vergehen. Eine 13-jährige sei von Scully vorher betäubt worden, sagte Richter Pfau. Der Angeklagte habe gewusst, dass das Paar Kinderpornos herstellte. Ein Video ist von einer kaum zu beschreibenden Grausamkeit. Es zeigt, wie ein 18 Monate altes Baby „auf widerwärtige Weise gequält“ werde, so der Richter. Das Video wurde unter dem Titel „Daisy´s Destruction“ (Daisy´s Zerstörung) im Darknet angeboten. Perverse sollen für dieses abscheuliche Machwerk bis zu 10.000 US-Dollar gezahlt haben.

Mit seinen Zahlungen habe der Mannheimer Beihilfe für die Herstellung von Kinderpornos geleistet. Von dem „monströsen“ Video habe er jedoch nichts gewusst. „Er ist kein Sadist und sucht Lebensgefährtinnen im vorpubertären Alter“, sagte der Vorsitzende. Der Angeklagte hatte sich von seiner langjährigen Freundin getrennt, weil er „was Jüngeres“ wollte.

Der Mann habe auch davon gewusst, dass Scully ein Kellerverlies bauen wollte, um darin Kinder gefangen zu halten. Dennoch sei er ein zweites Mal auf die Philippinen gereist, um diesmal die elfjährige „Barbie“ zu missbrauchen. Scully habe davon Aufnahmen gemacht. Mit dem „deutlich späteren“ Tod des Mädchens habe der Angeklagte „nichts zu tun“, so der Richter.

Gefilmt, wie er ein Kind erdrosselt

Als der Mannheimer von der Verhaftung Scullys im Februar 2015 erfuhr, zerstörte er seinen Computer. Auch Scullys philippinische Freundin wurde damals festgenommen. Die beschuldigte den 56-jährigen Australier des Mordes an Barbie. Dieser habe gefilmt, wie er das Kind erdrosselte. Auf die Frage, warum er all das Schreckliche getan habe, antwortete Scully laut Medienberichten grinsend: „Ich weiß es beim besten Willen nicht.“

Der jetzt verurteilte Mannheimer war nach länderübergreifenden Ermittlungen im Juli 2016 zu Hause verhaftet worden. Vor Gericht bedauerte er seine Taten. Das Geld habe er dem Paar gezahlt, um „Vertrauen aufzubauen“.

Da die Justiz „unterbesetzt“ sei, habe der Prozess erst jetzt stattgefunden, sagte Richter Pfau. Und: „Wir sind nicht faul. Es geht einfach nicht schneller.“ Staatsanwältin Tina Haltrich hatte sechseinhalb Jahre gefordert. Sie will nun prüfen, ob sie gegen das aus ihrer Sicht sehr milde Urteil Revision einlegt. Dass das Gericht in seinem Urteil von schwerem sexuellen Missbrauch im minder schweren Fall ausgehe, könne sie nicht nachvollziehen. Verteidiger Steffen Lindberg zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Urteil. Sein Mandant bleibt bis zum Haftantritt unter Auflagen auf freiem Fuß. Im Gefängnis werde der Verurteilte „auf unterster Stufe“ stehen, sagte Richter Pfau.

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