Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Kalender: Die schwerste Bergwerks-Katastrophe der Bundesrepublik

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Am 7. Februar 1962 starben bei einer Explosion in der saarländischen Kohlegrube Luisenthal 299 Bergleute.

 

Das „Wunder von Lengede“ von 1963 ist bis heute ein Begriff. Damals gelang 14 Tage nach einem Grubenunglück die kaum mehr für möglich gehaltene Rettung von elf verschütteten Bergleuten. Doch bei der schwersten Bergwerkskatastrophe der Geschichte der Bundesrepublik blieb das Wunder aus: Am 7. Februar 1962 fielen fast 300 Kumpel einer Explosion in der saarländischen Grube Luisenthal zum Opfer.

299 der 664 im Luisenthaler Alsbachfeld tätigen Bergleute fanden an diesem schicksalhaften Tag den Tod. US-Präsident John F. Kennedy und Papst Johannes XXIII. schickten Beileidstelegramme; aus vielen Ländern trafen Spenden für die Hinterbliebenen ein. Von der „herzlichen Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes und der übrigen Welt“ sprach Saarlands damaliger Ministerpräsident Franz-Josef Röder bei der Trauerfeier am 10. Februar. Unter Bäumen im Luisenthaler Park lagen die Opfer des Grubenunglücks aufgebahrt. Bergknappen aus deutschen und französischen Gruben hielten Ehrenwache.

 

Trauma, das bis heute im Saarland präsent ist

Neben dem Soldatenmord von Lebach 1969 und der Neunkircher Gasometer-Explosion von 1933 ist das Unglück vom Alsbachfeld eines jener Traumata, die bis heute im kollektiven Gedächtnis der Saarländer verankert sind. Dabei ist die Katastrophe vom 7. Februar 1962 ausgerechnet über einen preisgekrönten Vorzeigebetrieb der Saarbergwerke hereingebrochen: Anfang der 1960er-Jahre durfte die höchst ertragreiche Grube im Völklinger Ortsteil Luisenthal auf mehrere Auszeichnungen verweisen. Und zwar für ihre besonders hohen Standards bei der Arbeitssicherheit.

Die waren aber auch notwendig, weil die Anlage als eines der methanreichsten Bergwerke des Saarreviers galt. Hatte es hier doch schon 1844 ein erstes Unglück gegeben. Und 1941 kamen in Luisenthal bei einer Explosion 31 Kumpel ums Leben. Solche Ereignisse mahnten die Bergleute immer wieder, wie gefährlich ihr stolzer, traditionsreicher Beruf doch ist.

 

Methangas-Absauganlage fällt aus

Am 6. Februar 1962, am Vorabend des Infernos, versagte in der Grube Luisenthal ab 23.40 Uhr die Methangas-Absauganlage ihren Dienst. Eine Stunde später lief sie wieder; die Wettersteiger gaben Entwarnung.

Am folgenden Morgen passierte es dann. Gegen 7.45 Uhr erschütterte ein dumpfer Knall die Region bis hinüber nach Saarbrücken-Burbach und Altenkessel: Die Wucht einer Detonation tief unter Tage schleuderte die tonnenschweren Deckel zweier der vier Luisenthaler Seilfahrtschächte hoch in die Luft; einer blieb im Schachtgestänge hängen. Eine tiefschwarze Rauchwolke stand über dem Förderturm. Es gab keinen Zweifel mehr: Auf Sohle 4 im Alsbachfeld hatte sich eine Schlagwetterexplosion ereignet.

 

Wurde unter Tage trotz Verbots geraucht?

Die genaue Ursache, die die Katastrophe letztendlich ausgelöst hat, ist ungeklärt geblieben. Hat etwa ein Bergmann im Stollen geraucht – trotz strengen Verbots? Immerhin wurden später am Unglücksort in fast 700 Metern Tiefe tatsächlich Zigaretten gefunden. Oder hat womöglich der defekte Glühfaden einer Grubenlampe Funken gesprüht? Sicher ist nur, dass in den Flözen eingeschlossenes Methangas ausgetreten ist und sich entzündet hat. Viele der Opfer jenes Unglücks sind an Verbrennungen gestorben, die meisten jedoch an Gasvergiftungen.

Als im Juni 2012 die letzte Grube an der Saar dicht machte, fand die gut 200-jährige Geschichte des Steinkohle-Bergbaus im Bundesland ihr Ende. In Luisenthal hatten sie das letzte Stück Kohle bereits 1994 abgebaut.

 

Nach dem Bergbau: Droht nächste Katastrophe?

Was bleibt, ist eine Aufgabe für Jahrzehnte: die Saar-Bergwerke zu demontieren und die Grubenanlagen zu renaturieren oder wirtschaftlich neu zu beleben. Ein Problem ist der stetige Anstieg des Grubenwassers in den stillgelegten Schächten: Man befürchtet, dass giftige Relikte aus den Bergwerken das Grundwasser verseuchen könnten. Lauert dort unten etwa schon die nächste Katastrophe?

 

 

Der Kalender

 

DIE RHEINPFALZ feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. In diesem Kalender erinnern wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.

 

 

 

Saarknappen halten die Ehrenwache an den Särgen während der Trauerfeier vor 58 Jahren. Eine Schlagwetterexplosion im Alsbachscha
Saarknappen halten die Ehrenwache an den Särgen während der Trauerfeier vor 58 Jahren. Eine Schlagwetterexplosion im Alsbachschacht der Grube Luisenthal in Völklingen brachten Hunderten den Tod.
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