Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Wie gefährlich wird der Orkan?

Wetterexperte Christian Müller auf der Kalmit. Auf den Stangen sitzen die Messsensoren.
Wetterexperte Christian Müller auf der Kalmit. Auf den Stangen sitzen die Messsensoren.

Der Geschäftsführer von Klima-Palatina in Maikammer (Kreis Südliche Weinstraße) rechnet für Montagmorgen mit Orkanböen, aber nicht mir absoluten Spitzenwerten. Im Interview mit der RHEINPFALZ äußert er sich zu den Gefahren und verrät, wann er sich angurtet.

Herr Müller, ab welchen Windgeschwindigkeiten raten Sie, eher zu Hause zu bleiben oder das Auto stehen zu lassen?
Wer nicht zwingend raus muss, sollte bei schweren Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von 90 Kilometern pro Stunde drin bleiben und auch das Auto stehenlassen. Wer zur Arbeit muss, muss das für sich klären, eventuell auch arbeitsrechtlich.

Wie heftig wird es am Montag?
In den Berggipfeln des Pfälzerwalds kann es vor allem am Vormittag extreme Orkanböen geben mit bis zu 150 km/h. Im Flachland wird Wind mit Tempo 120 erwartet, stellenweise aber auch dort orkanartiger Sturm mit Windstärken zwischen zehn und zwölf. Von Orkan sprechen wir ab einer Windgeschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde.

Wie gefährlich kann das sein?
Grundsätzlich ist das sehr gefährlich. Bäume können umfallen, dann sind Wege blockiert, nichts geht mehr. Auch Ziegeln und andere Gegenstände können umherfliegen. Das kann ganz schnell gehen. Auch 18-Tonner mit ihrer großen Seitenangriffsfläche für Wind können vor allem auf Brücken wie Spielzeug umkippen.

Etliche Schulen bleiben am Montag zu. Ist das übertrieben?
Nein, das ist absolut nachvollziehbar. Man muss sich knallhart fragen, wie hoch das Gefahrenpotenzial ist. Jede Schule, jede Institution, die heute dichtmacht, handelt verantwortungsbewusst. Das Bildungsministerium hätte alle Schulen sicherheitshalber schließen sollen.

Sie wollen am Montagmorgen zu Ihren Messgeräten auf der Kalmit in über 673 Metern Höhe. Sind Sie wahnsinnig?
Nein! Ich gehe kein Risiko ein. Natürlich können Sie bei Böen über 100 Stundenkilometern nicht einfach die Tür auf der Turm-Plattform aufreißen und hinausspazieren. Dann sichere ich mich mit Gurten. So ein Sturm ist kein Wunschkonzert.

Können Ihre bis zu sechs Meter langen Messstangen abknicken?
Nein, die Stangen aus Aluminium und Eisen sind stark befestigt, die haben schon manches ausgehalten. Sie halten die Messfühler und Sensoren in einer gewissen Entfernung zum Turm, damit es bei den Messungen nicht zu Verfälschungen kommt.

Wie sturmerprobt sind Sie?
Es hat mich schon richtig umgeweht, aber verletzt wurde ich noch nie. Meine Geräte auf der Station funktionieren autark, ich muss nicht nach draußen. Aber mich fasziniert der Sturm, der peitschende Regen. Ich will die Naturgewalt spüren – ohne Risiko. Natürlich hoffe ich, dass niemand zu Schaden kommt.

Zur Person

Christian Müller, 46, ist Geschäftsführer der Wetterstation Klima-Palatina mit einem Wetterbüro in Maikammer und einer Messstation auf der Kalmit (673 Meter).
„Wetterfrosch“ Christian Müller, 46, an seiner Wetterstation in Maikammer.
»Wetterfrosch« Christian Müller, 46, an seiner Wetterstation in Maikammer.
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