Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Warum ein Rheinland-Pfälzer in Japan Weihnachtsplätzchen backt

Von Oktober bis Januar backt Dennis Schürmann aus St. Goar in der deutschen Bäckerei Tanne in Tokio Weihnachtsplätzchen und Stol
Von Oktober bis Januar backt Dennis Schürmann aus St. Goar in der deutschen Bäckerei Tanne in Tokio Weihnachtsplätzchen und Stollen her. Foto: Schürmann/privat

Dennis Schürmann aus St. Goar verbringt die Zeit von Oktober bis Januar auf eine ungewöhnliche Art: Er stellt in Tokio Weihnachtsplätzchen her. Im Interview erzählt der 28-Jährige, wie es dazu kam und wie das Gebäck bei den Japanern ankommt. Und der Bäckermeister hat auch einen Geheimtipp für die Pfälzer Weihnachtsbäcker parat.

Herr Schürmann, wie kommt ein Bäcker aus Rheinland-Pfalz dazu, nach Tokio zu fliegen und dort Weihnachtsplätzchen zu backen?
Das ist wirklich ein bisschen ungewöhnlich (lacht). Ich habe meinen Meister in der Akademie in Weinheim gemacht. Dort habe ich die Chefin der Bäckerei Tanne aus Tokio kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und als sie mich gefragt hat, ob ich bei ihr backen möchte, habe ich direkt ja gesagt. Eigentlich arbeite ich in einer Konditorei in St. Goar. Das Cafe hat aber im Winter geschlossen. Daher hat das zeitlich auch ganz gut gepasst. In diesem Jahr bin ich jetzt zum dritten Mal in Japan.

Feiern Japaner denn überhaupt Weihnachten?
Ja, aber nicht so wie in Deutschland. Das Fest beschränkt sich auf den 24. Dezember und ist dort eher ein Liebestag. Da trifft man sich mit dem Ehepartner oder der Freundin und verbringt Zeit zusammen. Das Weihnachtsgebäck läuft aber auch in den Wochen davor gut. Die Japaner kaufen das als Gastgeschenk. Wenn sie eingeladen werden, bringen sie Stollen oder Plätzchen mit.

Welche Sorten bieten Sie in der Bäckerei an?
Wir haben zwei Sorten Stollen – in diesem Jahr einen Dinkelvollkornstollen und den ganz normalen Butterstollen. Die gibt es in mehreren Größen. Außerdem machen wir Honigkuchen, Elisenlebkuchen, Schwarzweißgebäck, Zimtsterne und Vanillekipferl – die müssen sein. Damit haben wir gut zu tun.

Wie kommen Plätzchen und Stollen bei den Japanern an?
Sehr gut. Wir machen deshalb in diesem Jahr alleine 12.000 Stollen. Am liebsten mögen die Leute den Honigkuchen – der ist weich, süß und echt lecker. Im vergangenen Jahr habe ich aus den Honigkuchen kleine Häuschen gebastelt. Da liefen sie noch besser (lacht). Nach Weihnachten fängt im Januar übrigens die Berliner-Zeit an. Da helfe ich auch noch mit.

In einigen Weihnachtsplätzchen stecken besondere Zutaten. Bekommen Sie die alle vor Ort oder haben Sie die im Koffer aus Deutschland mitgebracht?
Das meiste kriegt man vor Ort. Nur ein paar Gewürze wie Vanille, Muskat und Kardamom habe ich tatsächlich mitgebracht. Das gibt es in Japan nur begrenzt. Das musste man beim Zoll auch vorher angeben.

Sie verbringen die komplette Weihnachtszeit in Tokio. Wie werden Sie feiern?
Feiern? (lacht) Ich arbeite an Weihnachten. Aber ich lasse zumindest Musik in der Bäckerei laufen. Ich habe mir dafür extra sämtliche Lieder, die etwas mit Weihnachten zu tun haben, runtergeladen. Auch Last Christmas – das gehört einfach dazu. Einer der Bäcker hört die Musik gar nicht gern, aber da muss er durch.

In wenigen Wochen geht auch in einigen Pfälzer Küchen wieder das große Backen von Weihnachtsplätzchen los: Haben Sie noch einen Geheimtipp?
Ich würde sagen, wenn man nicht gerade laktoseintolerant oder Veganer ist, sollte man auf jeden Fall Butter beim Backen benutzen. Das schmeckt einfach besser als Margarine oder Öl. Und als besonderen Tipp: Bei Butter- oder Spritzgebäck kann man zusätzlich Zitronen- oder Orangenschale in den Teig geben. Am besten ist es, immer frische Schale zu benutzen. Das passt auch gut in die Zeit, Orangen und vor allem Mandarinen gibt es ja in der Vorweihnachtszeit an jeder Ecke zu kaufen – und Mandarinenschale kann man auch verwenden. Bei Plätzchen, die ins Nussige gehen, wie Zimtsternen würde ich das aber weglassen.

Kontakt

Wer sich Tipps fürs Plätzchenbacken holen will oder sich nach einem Rezept erkundigen möchte, kann sich per E-Mail an Dennis Schürmann wenden: d.schuermann@online.de.

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Foto: Kai Remmers/dpa-tmn
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