Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: „Bei Babypflege ist weniger absolut mehr“

Für seine Babypflegeprodukte hat das Unternehmen auch das Ausland im Blick.
Für seine Babypflegeprodukte hat das Unternehmen auch das Ausland im Blick. Foto: Sina Giampapa/das boep

Die junge Mutter und Ärztin Michaela Hartmann gründete 2015 ein Start-Up für Babypflegeprodukte. Die Produkte des Unternehmen mit Sitz in Mainz sind inzwischen in rund 2200 Drogeriemärkten in Deutschland und Österreich zu finden. Wie kam es zu diesem schnellen Geschäftserfolg?

Wollten Sie schon immer eine Firma gründen oder war das eine spontane Idee, Frau Hartmann?
Auf die Idee kam ich, als meine erste Tochter auf die Welt kam und ich auf der Suche nach geeigneten Pflegeprodukten für sie war. Ich wollte, dass die Inhaltsstoffe natürlich sind, fand aber, dass die Naturkosmetik-Babyprodukte auf dem Markt oft sehr nach Kräutertee rochen. Synthetische Produkte wollte ich wegen der fragwürdigen Inhaltsstoffe nicht verwenden. So habe ich kurzer Hand eine eigene Serie entwickelt und natürliche, hochwertige Inhaltsstoffe mit einem dezenten Duft und einem modernen Design kombiniert. Das Ergebnis war mein „babyoelprojekt“ , kurz boep.

Mandel-Duft – weshalb ist er so beliebt bei Baby-Produkten?
Mandelöl ist ein hypoallergenes, allgemein gut verträgliches Öl, das besonders nachhaltig pflegt, und ist somit ideal für Babypflegeprodukte geeignet.

Ist es notwendig, Babys so oft einzucremen? Unsere Vorfahren kamen ja auch ohne Pflegeprodukte aus.
Bei Babypflege ist weniger absolut mehr. Auch wir cremen unsere Kinder nur nach Bedarf ein. Aber in manchen Regionen ist das Wasser besonders kalkhaltig, da schaden ein paar Tropfen Öl im Badewasser überhaupt nicht. Und wenn man an die Frauen aus der Antike denkt, haben auch diese sich schon gerne mit Oliven- oder Mandelöl eingeölt.

Penathen, Bübchen ... es gibt schon viele Produkte. Wozu braucht es „das boep“?
Unsere Produkte sind zertifizierte Naturkosmetik, das heißt, wir verzichten auf viele Inhaltsstoffe, die bei diesen Marken enthalten sind. Wir möchten, dass unsere Kinder mit natürlichen Inhaltsstoffen gepflegt werden und freuen uns, dass unsere Produkte frischen Wind in das etwas verstaubte Babysortiment bringen.

Sie verzichten laut Homepage auf synthetische Duftstoffe. Wie schaffen sie es, dass Ihre Produkte trotzdem gut riechen?
Wir verwenden eine Komposition natürlicher Duftöle und auch unsere Inhaltsstoffe wie Sheabutter bringen eine eigene Note mit, die sehr angenehm dezent, aber dennoch frisch ist.

„das boep“ hört sich modern, aber auch etwas sperrig an. Eine Abkürzung?
„Das boep“ ist die Kurzform von „babyoelprojekt“, meinem Arbeitstitel in der Gründungsphase.

Sie sind Ärztin. Haben Sie den Beruf aufgegeben für Ihr Projekt?
Im Moment steckt all meine berufliche Energie in meinem Unternehmen. Es ist zwar als Projekt gestartet, hat sich aber in den letzten Jahren so toll entwickelt, dass ich sehr gespannt bin, wohin unser Weg führt.

Was hat Sie nach Mainz verschlagen?
Wir haben „das boep“ in München gegründet, ich habe dort studiert und bis vor zwei Jahren dort gelebt. Als sich jedoch meine zweite Tochter angekündigt hat, fanden wir, dass bei unseren sehr zeitintensiven Berufen familiäre Unterstützung nicht schadet. Und da meine Eltern im Raum Frankfurt wohnen, bot sich Mainz einfach an. Wir finden es toll hier!

Plastik zu vermeiden, ist Trend. Macht „das boep“ mit?
Selbstverständlich! Wir haben diesen Sommer unser erstes Produkt ohne Plastikverpackung auf den Markt gebracht, ein festes Shampoo für Kinder, das sehr gut ankommt. Leider können wir wegen des Verletzungsrisikos bei unseren Cremes noch nicht umsteigen, wir arbeiten aber stetig daran, uns hier noch zu verbessern.

Ihre Haarseife kommt in einer Papierverpackung daher. Andere sind doch wieder in Tuben. Denken Sie da schon einen Schritt weiter, wie Sie ganz auf Plastik verzichten können?
Unser Ziel ist es, nach und nach auf Alternativen umzusteigen. Das Thema ist jedoch sehr komplex, denn wir können bei den Babyprodukten keine Glasflaschen verwenden und die alternativen Plastikformen überzeugen in ihrem biologischen Fußabdruck bisher nicht. Unser Öl für Schwangere, das im Herbst auf den Markt kommt, werden wir jedoch in einer Glasflasche mit einem Holzdeckel anbieten.

Gibt es Ambitionen, auch im Ausland zu verkaufen?
Wir verkaufen bereits erfolgreich im Ausland, vor allem in Österreich, der Schweiz und Frankreich. Wir möchten uns aus einem stabilen Heimatmarkt heraus entwickeln und so wachsen, wie es für unser kleines Unternehmen gut und nachhaltig ist.

Viele Stars lieben ja Naturkosmetik. Schon darüber nachgedacht, mal ein Testpaket nach Hollywood zu senden?
Wir haben bereits mit einigen bekannten Persönlichkeiten zusammengearbeitet, viele sind aber auch ganz klassische Kunden, ohne dass wir sie je kontaktiert haben. Für uns ist jeder zufriedene Kunde ein Gewinn und wir freuen uns sehr darauf, vor allem durch Weiterempfehlungen immer bekannter zu werden.

Interview: Antonia Kurz

Unternehmensgründerin Michaela Hartmann.
Unternehmensgründerin Michaela Hartmann. Foto: Sina Giampapa/das boep
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