Rheinland-pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Internationale Internet-Betrügerbande zerschlagen

Durch Anrufe von Mitarbeitern bulgarischer Callcenter wurden die Anleger zu angeblichen Investitionen überredet.
Durch Anrufe von Mitarbeitern bulgarischer Callcenter wurden die Anleger zu angeblichen Investitionen überredet.

Rheinland-pfälzische Ermittler haben eine internationale Betrügerbande auffliegen lassen. Bislang zehn Personen stehen im Verdacht, mehrere Tausend gutgläubige Anleger um insgesamt 30 Millionen Euro gebracht zu haben, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Mittwoch mitteilte.

Die Bande hat laut den Ermittlern Anlageportale im Internet betrieben. Dort seien hohe Gewinne ohne Risiko versprochen worden. Die sollten angeblich mit Investitionen in Termingeschäfte („Binäre Optionen“), Kryptowährungen und ähnliche Finanzprodukte erzielt werden. Geködert wurden die Opfer mit einem niedrigen Einstiegsbetrag von 250 Euro.

Geschäfte waren nur vorgetäuscht

Wer sich darauf einließ, dem sollen die Betrüger mit Hilfe einer Software überzeugend einen realen Handel vorgetäuscht haben, so die Ermittler weiter. Dabei hätten die Kurse der Anlageprodukte nur eine Richtung gekannt – nämlich nach oben. Daraufhin hätten Bandenmitglieder immer wieder die Geldgeber gedrängt, ihre Investitionen zu erhöhen. Wer sich allerdings die angeblichen Gewinne auszahlen lassen wollte, der habe eine böse Überraschung erlebt. Dann sei nämlich plötzlich von einem Totalverlust die Rede gewesen.

Ein Anleger wurde um 1,6 Millionen Euro geprellt

Doch das könne man vermeiden, rieten die Kriminellen nach den Erkenntnissen der Ermittler ihren Opfern: Sie müssten nur noch mehr Geld in eine todsichere Anlage stecken. Nicht wenige ließen sich täuschen, in einem Fall summierten sich die Verluste am Ende auf 1,6 Millionen Euro. Denn, so der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer: „In Wahrheit wurde das Geld nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht angelegt, sondern ausschließlich für eigene Zwecke verbraucht.“ Nur selten sei es zur Auszahlung vermeintlicher Gewinne gekommen, um die Opfer zu weiteren Investition zu animieren.

Laut Brauer seien die Kunden von Callcentern insbesondere in Bulgarien „betreut“ und zu Zahlungen veranlasst worden. Unter den Opfern befänden sich auch viele Anleger aus Deutschland. Der Umsatz der betrügerischen Anlageportale belaufe sich nach dem aktuellen Stand der Ermittler auf bis zu 150 Millionen Euro weltweit.

Geschädigte erstatten Anzeige

Auf die Bande aufmerksam wurden die Ermittler bereits vor zwei Jahren. Damals zeigten geprellte Anleger die Betrüger unter anderem bei der Kripo in Mayen (Kreis Mayen-Koblenz) an. Am Dienstag schlugen die Fahnder laut Brauer zu: Bei einer internationalen Polizeiaktion seien fünf Tatverdächtige in Bulgarien und eine weitere Person in Israel aufgrund von europäischen Haftbefehlen festgenommen worden. Ein Verdächtiger sei noch flüchtig. Die Bandenmitglieder seien 32 bis 65 Jahre alt und hätten deutsche, bulgarische, israelisch-rumänische, polnische, dänische und belgische Staatsangehörigkeiten.

Es habe zeitgleich Durchsuchungen in Bulgarien, Israel, Lettland, Schweden, Nordmazedonien, Spanien und Polen gegeben, informierten die Ermittler weiter. Neben 50.000 Euro Bargeld wurden Goldschmuck, Fahrzeuge, umfangreiche EDV-Geräte sowie Immobilien im Wert von vier Millionen Euro und Vermögensarreste auf Konten von bislang zwei Millionen Euro sichergestellt.

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