Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Insolvenz Frankfurt-Hahn: Arbeitsplätze nur bis Jahresende sicher

Setzt auf Fakten statt Hoffnungen: der vorläufige Insolvenzverwalter des Flughafens Hahn, Jan Markus Plathner.
Setzt auf Fakten statt Hoffnungen: der vorläufige Insolvenzverwalter des Flughafens Hahn, Jan Markus Plathner.

Ob im nächsten Jahr noch Urlaubsflieger am Hahn abheben, ließ der vorläufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner am Mittwoch offen. Bis zum Jahresende ist das Insolvenzgeld für die Beschäftigten gesichert. Was auf Passagiere zukommen könnte.

„Wie Sie sehen, fliegen hier noch Flugzeuge“, sagte Jan Markus Plathner am Mittwoch, als er Medienvertreter im Terminal des Flughafens Hahn über die Situation im vorläufigen Insolvenzverfahren informierte. Tatsächlich: Kurz vorher hatte eine Ryanair-Maschine die Rollbahn in Richtung Kerry in Irland verlassen, es sollten an dem Tag noch Flüge nach Serbien, Italien und Griechenland folgen. Das Passagieraufkommen war übersichtlich, in der Abflughalle war wenig los. Fast alle Läden hatten die Rollläden unten.

Plathner, Jurist und Sanierungsfachmann von der Frankfurter Kanzlei Brinkmann & Partner, ist vor zwei Wochen vom Amtsgericht Bad Kreuznach zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Flughafens bestellt worden. Nachdem der chinesische HNA-Konzern, die Muttergesellschaft der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Anfang des Jahres bereits zum Insolvenzgericht gegangen war, traf es die Tochter Mitte Oktober. Der Flughafen gehört seit 2017 zu 82,5 Prozent der HNA-Gruppe. Damals hatte das Land Rheinland-Pfalz seine Anteile für 15 Millionen Euro verkauft. 17,5 Prozent am Flughafen hält das Land Hessen.

Insolvenzgeld bis Jahresende gesichert

Bis Dezember ist das Insolvenzgeld für die 430 direkt betroffenen Beschäftigten den Angaben nach gesichert. Im vorläufigen Insolvenzverfahren kann Plathner auch den Flugbetrieb aufrecht erhalten, wie er sagte. Er geht davon aus, dass das Verfahren im Dezember eröffnet wird. Dann müsse der Flughafen die Kosten für den Betrieb selbst erwirtschaften. „Im eröffneten Verfahren muss das Unternehmen wieder auf eigenen Beinen stehen“, sagte Plathner. „Wir versuchen durch das Nadelöhr zu kommen, den Betrieb weiterzuführen. Selbstverständlich gibt es ein Risiko, aber wir haben Chancen.“

Was eine mögliche Einstellung des Flugbetriebs für Passagiere bedeutet, die bereits gebucht haben, sagte Plathners Pressesprecher Cord Schellenberg: Die Fluggesellschaften oder die Reiseveranstalter seien die Vertragspartner der Passagiere. Diese müssten die Leistung, also den Transport erbringen. Das heißt mit anderen Worten, wenn der Abflug vom Flughafen Hahn nicht klappt, dann von einem anderen Airport.

Interesse von Investoren „mittelmäßig rege“

Die Zukunft des Flughafens hänge davon ab, ob sich ein Investor finde. Bisher sei die Nachfrage seitens der Interessenten „mittelmäßig rege“. Weitere Angaben machte Plathner nicht. Bereits in der nächsten Woche wolle er mit dem Prozess zur Investorensuche beginnen. Es werde eine öffentliche Ausschreibung geben, er selbst werde zudem mögliche Käufer ansprechen. Für den Flughafen spreche dessen 24-Stunden-Genehmigung und die Logistik, die gute Anbindung. Aber Regionalflughäfen seien schwierig. „Ein Insolvenzverwalter ist gehalten, das zu tun, was für die Gläubiger am besten ist. Ich habe regelmäßig die Erfahrung gemacht, dass es auch für die Gläubiger die beste Lösung ist, wenn Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Plathner will einen weiteren Generalbevollmächtigten an den Flughafen holen. Aus Plathners Kanzlei-Team sind Christoph Enkler und Kathrin Brockmeyer seit zwei Wochen vor Ort in Lautzenhausen im Einsatz.

Grundstücke sind 25 Millionen Euro wert

„Wir arbeiten mit Fakten, nicht mit Hoffnungen“, sagte Plathner auf die Frage, ob mögliche Investoren auf Betriebsbeihilfen des Landes zählen könnten oder ob sie die Optionsflächen erwerben könnten, die das Land dem bisherigen Mehrheitseigner HNA in Aussicht gestellt hat. Auf Anfrage teilte das Innenministerium am Mittwoch mit, dass der Gutachterausschuss des Landes Ende Juni den Wert der 165 Hektar auf 25 Millionen Euro beziffert hat. Was mit den Flächen geschehe, hänge vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ab.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Flughafens, Karl-Heinz Heinrich, der selbst bei der Flughafenfeuerwehr arbeitet, sagte, nach anfänglicher Angst sei die Stimmung unter der Belegschaft in Hoffnung umgeschlagen. Vom Insolvenzantrag habe die Belegschaft aus den Medien erfahren. Vorher sei den Mitarbeitern gesagt worden, die Insolvenz des Mutterkonzerns habe nichts mit dem Hahn zu tun. HNA habe zu Beginn des Engagements ein gutes Gefühl verbreitet, aber bald schon nicht mehr. „Viele Projekte wurden angefangen, aber nichts ist fertig gestellt worden“, sagte Heinrich.

Flughafen Zweibrücken wurde für knapp vier Millionen verkauft

Plathner ist seit 2014 auch der Insolvenzverwalter des Flughafens Zweibrücken. Das Verfahren dort stehe unmittelbar vor dem Abschluss, sagte er am Mittwoch. Der Zweibrücker Airport, der wie jener im Hunsrück vor mehr als 30 Jahren aus der militärischen in die zivile Nutzung überführt wurde, ist heute kein Verkehrsflughafen mehr. Er wurde zum Sonderlandeplatz herabgestuft. Für rund vier Millionen Euro kaufte die Trierer Triwo AG mit Peter Adrian an der Spitze das Gelände in Zweibrücken. Dort befinden sich nach wie vor Flugzeugwerften und flugaffine Betriebe. Die 3,8 Kilometer lange Landebahn wird außerdem als Teststrecke von mehreren Autobauern genutzt. Eine Anfrage der RHEINPFALZ an die Triwo AG, ob diese auch Interesse am Flughafen Hahn habe und wie sich die Beschäftigtenzahl in Zweibrücken entwickelt habe, blieb am Mittwoch unbeantwortet.

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Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Karl-Heinz Heinrich (links), zusammen mit dem vo
Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, Karl-Heinz Heinrich (links), zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner.
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