Rheinland-Pfalz Im Namen der Biene
Schnaken, Wespen, Mücken. Lauter Plagegeister. Aber unentbehrlich im Kreislauf der Natur. Bei der Jagd auf diese lästigen Biester vergessen wir oft, wie ein Rädchen ins andere greift. Umso wichtiger ist es, immer wieder für den Insektenschutz und die Artenvielfalt zu werben. Und viel dafür zu tun. Da kann sich jeder Pfälzer an der eigenen Nase packen. Bei den Bienen ist der Mensch nachsichtiger. Honig wird geschätzt, und als Bestäuberin muss die Biene einiges leisten. Der Ansatz, Flächen zwischen Weinbergen und Äckern ökologisch aufzuwerten, ist gut. Wenn es aber darum geht, neue Methoden beim Pflanzenschutz anzuwenden und mit weniger Chemie auszukommen, wird die Sache schon schwieriger. Im Nachhinein betrachtet, geht es da nur schleppend voran. Ein Beispiel dafür ist das im vergangenen Jahr so euphorisch angekündigte Projekt „Bauer hilft Biene“, das nur sehr sehr langsam in die Gänge kommt. Der Imkerverband Rheinland-Pfalz ist enttäuscht, die Bienen sind es vermutlich auch. Nach wie vor steht es in den Sternen, ob das Pilotprojekt überhaupt umgesetzt werden kann. Die Landwirtschaftskammer bemüht sich redlich – doch bislang vergeblich – um finanzielle Mittel. Wie RHEINPFALZ-Leser wissen, hatten die Imker Alarm geschlagen, weil Rapshonige stark mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet waren. Chemie, die niemand essen möchte. Eine neue Spritztechnik, die unterhalb der Blüten zum Einsatz kommt, könnte das vielleicht ändern, doch ob es funktioniert, muss erst einmal getestet werden. Rund 300.000 Euro werden laut Kammer gebraucht, um einen wissenschaftlich begleiteten Versuch auf rheinland-pfälzischen Rapsfeldern zu bezahlen. Zehn Landwirte müssten sich beteiligen, um fundierte Ergebnisse zu bekommen. Beginnen sollte das Ganze in diesem Frühjahr. Doch noch hat sich wenig bis nichts getan. Die Landwirtschaftskammer will sich nach eigenem Bekunden beim Förderprogramm „Europäische Investitionspartnerschaft“ mit dem Bienen-Raps-Projekt bewerben. Bis Juni läuft die Bewerbungsfrist – falls es dann klappt mit der Finanzspritze, ist die Hauptblüte schon vorbei. Von ersten Testergebnissen im Kreis Kusel ist der Imkerverband etwas ernüchtert, verspricht sich aber von dem mehrjährigen Pilotprojekt genauere Erkenntnisse. Auf hügeligem Gelände funktioniert die neue Spritztechnik offenbar nicht richtig. Rapshonig ohne Rückstände kam dort jedenfalls nicht zustande. Jetzt könnte man doch theoretisch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen (das zum Thema Insektenschutz) und das Projekt ausweiten. Also die neue Technik testen und einen Teil der Rapsfelder ungespritzt lassen, um einmal den Ertrag bei einem Langzeitversuch zu vergleichen. Möglicherweise profitiert der Raps ja stärker von Bienen und anderen Insekten als von Pestiziden. Er kann sich zwar selbst bestäuben, aber die Bienen sorgen für eine bessere Ernte. Sind sie am Werk, entwickeln sich aus fast allen Blüten die begehrten Samen für Rapsöl. Ohne Bienen geschieht das nur bei der Hälfte. Über den Rapsanbau lässt sich streiten, aber eins muss man ihm lassen: Für Insekten sind seine Blüten das reinste Paradies. | Petra Depper-Koch