Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Getöteter SEK-Polizist: Warum ein Todesschütze vor zehn Jahren ohne Strafe davonkam

Soll verhindern, dass Kugeln durchs Arm-Loch der Weste in den Oberkörper eindringen: Bizeps-Panzer des rheinland-pfälzischen SEK
Soll verhindern, dass Kugeln durchs Arm-Loch der Weste in den Oberkörper eindringen: Bizeps-Panzer des rheinland-pfälzischen SEK.

Bei einem Einsatz in Gelsenkirchen ist am Mittwochmorgen ein SEK-Polizist erschossen worden. Die Umstände ähneln jenen, unter denen vor zehn Jahren ein rheinland-pfälzischer Elitekämpfer sein Leben verlor. Und der Todesschütze kam damals ohne Strafe davon.

Etwa 10.000 Euro pro Mann kostet die neue Ausrüstung, mit denen das rheinland-pfälzische Spezialeinsatzkommando (SEK) seit gut einem Jahr zu seinen gefährlichen Einsätzen ausrückt. Für das viele Geld bekommen die Beamten nun zum Beispiel einen Oberkörper-Panzer, der spürbar leichter als das Vorgängermodell ist. Und Kunststoffplatten, die an den Bizeps geschnallt werden. Denn dort sollen sie eine Schwachstelle abschirmen, die einem der Elitekämpfer im März 2010 den Tod brachte.

Durchs Arm-Loch in den Oberkörper

Als er und seine Kollegen damals im Kreis Neuwied ein Haus stürmen sollten, durchschlug eine Kugel den Oberarm des 42-jährigen Polizisten. Und dann bohrte sie sich durch das Arm-Loch seiner Schutzweste in seinen Oberkörper, wo sie lebenswichtige Organe verletzte – so wie es nach noch nicht offiziell bestätigten, aber offenbar zutreffenden Informationen der „Bild“-Zeitung am Mittwochmorgen wieder passiert sein soll: bei einem SEK-Einsatz im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen, bei dem ein 28-jähriger Polizist erschossen worden ist.

Angerückt waren er und seine Kollegen, um in die Wohnung eines mutmaßlichen Drogendealers einzudringen. Und dieser 29-Jährige soll dann laut „Bild“ durch die Eingangstür auf die Polizisten gefeuert haben. Womit sich gleich noch eine Parallele zu dem Fall aus dem Kreis Neuwied auftut. Denn auch damals feuerte der Todesschütze durch eine verschlossene Tür. Und dieser Umstand ließ ihn am Ende sogar ungeschoren davonkommen. Denn der Hells-Angels-Boss beteuerte vor Gericht: Er habe ja gar nicht gewusst, dass er auf Polizisten schoss.

Spezialeinheiten in der Bredouille

Stattdessen sei er davon ausgegangen, dass mordlüsterne Abgesandte der rivalisierenden Bandidos vor seiner Tür lauerten. Weshalb ihm der Bundesgerichtshof Ende 2011 in einem spektakulären Urteil zubilligte, dass er – irrtümlich – von einer Notwehr-Lage ausgegangen sei und deshalb nicht bestraft werde könne. Die Spezialeinheiten hat diese Entscheidung in eine Bredouille gebracht. Denn einerseits wollen sie überraschend zuschlagen. Doch andererseits sollen sie immer schön „Polizei! Polizei“ brüllen, damit niemand mit einer Verwechslungs-Ausrede kommen kann.

Ob sich das SEK in Gelsenkirchen deshalb vor den tödlichen Schüssen am Mittwochmorgen schon zu erkennen geben hatte, lässt die Polizei dort offen. Und auch Fragen zum Oberarm-Schutz der Beamten bleiben unbeantwortet. Ein Sprecher sagt nur: „Die Kollegen sind bestens ausgebildet und bestens ausgestattet. Aber es gibt keine absolute Sicherheit. Jeder Schutz hat auch eine Schwachstelle.“

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