Rheinland-Pfalz Gensch hört als CDU-General auf
«MAINZ.» Während im politischen Mainz noch die Nachwehen der Europa- und Kommunalwahl verarbeitet werden und viele gespannt darauf warten, dass CDU-Parteichefin Julia Klöckner und Fraktionschef Christian Baldauf am 17. Juni entscheiden, wer von beiden als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2021 zieht, überraschte gestern eine andere Personalnachricht: Nicht einmal acht Monate nach seiner Wahl zum Generalsekretär der rheinland-pfälzischen CDU gibt Christoph Gensch sein Amt bereits wieder auf. Der 40-jährige Landtagsabgeordnete und Arzt aus Zweibrücken nannte gestern persönliche und familiäre Gründe für den Rückzug. „Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin mit dem Anspruch angetreten, mit voller Energie für meine Partei, die CDU Rheinland-Pfalz, da zu sein. Dies gilt aber auch für meine Familie und meine Arztpraxis in Zweibrücken. Zuhause werde ich in den kommenden Monaten stärker gebraucht“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mit Landeschefin Julia Klöckner. Sie, die als Bundeslandwirtschaftsministerin in Berlin regiert, hatte Gensch sozusagen als ihren Mann vor Ort und in der Fraktion installiert. Die Parteichefin äußerte über seinen Rücktritt Bedauern, aber auch Verständnis. Es spreche für ihn, dass er sich in dieser Situation für seine Familie entscheide. Es war ohnehin eine bemerkenswerte Mehrfachbelastung, der sich Gensch ausgesetzt hat: Seit 2016 ist er Landtagsabgeordneter, die Arztpraxis, die er gemeinsam mit seinem Vater in Zweibrücken führt, hat er für das politische Mandat auf Zeit nicht aufgegeben. Er ist kommunalpolitisch aktiv und er hat Frau und Kind. Der Parteitag im vergangenen Oktober stattete ihn mit einem Votum von 89,9 Prozent aus, ein klarer Vertrauensvorschuss. Viele Akzente hat er in der kurzen Zeit nicht gesetzt, was in Teilen der Partei durchaus kritisch wahrgenommen wurde, auch wenn die Verluste bei der Kommunal- und Europawahl von rund sieben Prozentpunkten nicht ihm, sondern dem Bundestrend angelastet wurden. Fraktionschef Baldauf hält große Stücke auf Gensch. „Ich schätze ihn sehr, er hat viel vor Ort getan.“ Über die Nachfolge will er nicht spekulieren. Zusammen mit dem Fraktionsgeschäftsführer Martin Brandl hat Baldauf im Moment außerdem andere Personalfragen zu klären – über die er ebenfalls nicht sprechen will. Die Fraktionsvizechefin Christine Schneider aus der Südpfalz ist ins EU-Parlament gewählt worden, der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Peter Enders, wird Landrat im Kreis Altenkirchen, auf weitere drei Mandate werden Nachrücker folgen. Baldauf muss die Fraktion ein Stück weit neu aufstellen. Ob es bei einer Vizestelle in der Fraktion bleibt oder die Anzahl auf bis zu vier erhöht wird, sind nach RHEINPFALZ-Informationen derzeit Fragen, die diskutiert werden. Aus der Pfalz wird der Ludwigshafenerin Marion Schneid, die sich um Wissenschaftsthemen kümmert, dem Vernehmen nach eher ein Vizeposten zugetraut als Simone Huth-Haage aus Kirchheimbolanden, die das Thema frühkindliche Förderung betreut. Als weitere mögliche Stellvertreter werden der Innenpolitiker Matthias Lammert, der sehr viele Kleine Anfragen in Landtag stellt, gehandelt und Ellen Demuth, die fit ist im Thema Digitalisierung und neue Medien. Nachdem die CDU bundesweit von dem Gegenwind des Youtubers Rezo überrascht worden ist, wird auf Demuths Thema auch in Rheinland-Pfalz mehr Wert gelegt. Für die Generalsekretärsstelle wird Klöckner einen Vorschlag machen. Wann, das ist noch unklar. Das Amt war vor der Wahl Genschs schon einmal ein halbes Jahr unbesetzt, nachdem der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder zurückgetreten war. Landesgeschäftsführer Jan Zimmer wurde daraufhin politischer Geschäftsführer. Zimmer äußerte gestern Bedauern über Genschs Rückzug. Schnieders Bruder Gordon, der 2016 als Abgeordneter in den Landtag kam, wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Wie Zimmer verwies auch Schnieder auf Nachfrage auf das Vorschlagsrecht von Klöckner. Ebenso der Pfälzer Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger, den sich manche in der Partei ebenfalls in der Position vorstellen können. Kommentar