Rheinland-Pfalz Freie Fahrt mit Hindernissen

Mainz/Wiesbaden (nob/dpa). Endlich können wieder Autos über die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden rollen. Aber für Lastwagen bleibt dieser Weg über den Rhein vorerst noch gesperrt. Immer wieder müssen Polizisten Brummis zurückeskortieren. Staus sind die Folge.
Nach Autos sollen bald auch wieder Lastwagen über die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden fahren dürfen. Das stellte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) gestern in Aussicht. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz sei überzeugt, dass es dafür technische Möglichkeiten gebe. Die nach einem Bauunfall provisorisch reparierte Brücke war am Sonntag nach zweimonatiger Sperrung wieder für Autos freigegeben worden – aber teils nur noch mit einer Spur und Höchsttempo 40. Zuvor war die wichtige Autobahnverbindung täglich von bis zu 90.000 Fahrzeugen genutzt worden. Obwohl derzeit Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht nicht über die Brücke rollen dürfen, wurde gestern eine Reihe von Lastwagen von einem ausgeklügelten Sicherheitssystem gestoppt. Die Polizei musste die Brummis nach eigenen Angaben rückwärts von dem maroden Bauwerk leiten, was im Berufsverkehr für kilometerlange Staus sorgte. Insgesamt sprach die Polizei aber von einer eher ruhigen Lage – und Lewentz von einem bestandenen ersten Härtetest. Der Minister sagte zu einer möglichen Freigabe für Lastwagen und mit Blick auf den Landesbetrieb Mobilität: „Ich habe gesagt, dass ich gerne binnen der nächsten drei Wochen ein erstes Konzept haben möchte.“ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen teilte nach einem Gespräch zwischen Lewentz und Vertretern der Wirtschaft mit, der Minister habe den Plan einer „pfeilerbasierten Umgehungstrasse“ für Lkw an der reparierten Brückenstelle vorgestellt. Laut IHK wäre dieses Provisorium aber noch keine echte Entlastung für die Wirtschaft. Das Sicherheitssystem mit Schildern, Laserscannern, Waagen, Verengungen, Ampeln und Schranken gegen zu schwere Lkw ist laut LBM in seiner Kombination einmalig. Es sei eigens für die Schiersteiner Brücke zusammengestellt worden, sagte LBM-Sprecherin Verena Blümling. Laut einem Wiesbadener Polizeisprecher trugen gestern alleine auf der rechtsrheinischen Seite mehrere schwere Lastwagen leichte Beschädigungen davon, weil sie schließlich auf der Brücke zwischen roten Warnbaken feststeckten. Einer der Lkw-Fahrer sei angetrunken gewesen. „Wer fahrlässig mit über 3,5 Tonnen auf die Brücke fährt, zahlt 75 Euro und im Wiederholungsfall 150 Euro“, sagte Hoffmann. Ausländische Lkw-Fahrer würden sofort zur Kasse gebeten. Nach Auskunft des Mainzer Polizeisprechers Achim Hansen kam es auch zu Fehlalarm, etwa wenn zwei Autos so dicht hintereinanderfuhren, dass das Sicherheitssystem sie als ein einziges und damit zu schweres Fahrzeug einstufte. „Aber das wird noch korrigiert.“ Hansen sprach von einem erhöhten Personaleinsatz, weil die Polizei nun permanent für Alarmfälle an der Brücke präsent sein müsse. Während der Brücken-Sperrung hatte sich der Anteil der Bus- und Bahn-Pendler verdoppelt – aber das Auto blieb trotz langer Umwege das beliebteste Verkehrsmittel. Das war das Ergebnis einer nicht repräsentativen Befragung der Frankfurt University of Applied Sciences mit rund 1000 ausgewerteten Antworten.