Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Einmal Großer Zapfenstreich für 2500 Euro bitte

Zu seiner Verabschiedung bekam Joachim Gauck als ehemaliger Bundespräsident 2017 einen Zapfenstreich.
Zu seiner Verabschiedung bekam Joachim Gauck als ehemaliger Bundespräsident 2017 einen Zapfenstreich. Foto: dpa

Normalerweise spielt der Zapfenstreich im Leben eines Pfälzers eine Rolle bei der Frage, wann denn Schluss ist mit lustig. Oder um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ab wie viel Uhr in einer lauen Wurstmarkt-Nacht nichts mehr zum Durstlöschen zu ergattern ist.

Natürlich gibt es noch einen ganz anderen Zapfenstreich, insbesondere in Verbindung mit dem Zusatz „Großer“. Dabei handelt es sich um das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Die Ursprünge reichen weit zurück, seine heutige Form mit Serenade, Marsch, dem Kommando „Helm ab zum Gebet“ und Nationalhymne stammt in wesentlichen Teilen aus dem 19. Jahrhundert.

Großer Zapfenstreich für Kohl 1998

Entsprechend wird der Große Zapfenstreich bei besonderen Anlässen zelebriert, etwa bei der Verabschiedung von Verteidigungsministern wie jüngst im Falle von Ursula von der Leyen. Oder wenn ein Bundespräsident oder ein Bundeskanzler aus dem Amt ausscheidet. In der Pfalz war 1998 der Große Zapfenstreich vor der Kulisse des Speyerer Doms zur Verabschiedung von Helmut Kohl ein ganz besonderes Ereignis. Doch es gab noch viele weitere Anlässe für eine solche Zeremonie. So beispielsweise 2002 der 50. Gründungstag der Air Base Ramstein oder ein Jahr später die Auflösung der Logistik-Brigade 2 der Bundeswehr in Germersheim.

Längst wird der Große Zapfenstreich auch von Zivilisten zelebriert. So geschehen im vergangenen Jahr aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums des Kreises Germersheim. Auch so manches Dorf adelt seinen runden Geburtstag gern mit Fackelschein, Trommeln und Blechmusik. Wobei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr dann meist anstelle von Soldaten mit Helmen antreten.

2500 Euro für Bürgermeister

Nicht so häufig kommt es freilich vor, dass sich ein Bürgermeister zum Abschied einen Großen Zapfenstreich wünscht. Nach einer 25-jährigen Amtszeit als Stadtbürgermeister von Hagenbach (Kreis Germersheim) ist das Franz Xaver Scherrer (CDU) ein Anliegen. Am 8. Dezember um 20 Uhr soll die Zeremonie im Pausenhof der Grundschule abgehalten werden, wie vor gut einer Woche im Stadtrat mitgeteilt wurde. Nach einigem Gegrummel im Rat – „eine Nummer zuviel“ – wurde der Kostenrahmen dafür einstimmig auf 2500 Euro festgelegt.

Nun gibt es in Deutschland für alles Vorschriften. Auch für die Verabschiedung eines Bürgermeisters. Dazu hat die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier vor 18 Jahren eine „Allgemeinverfügung über die Gewährung von Geschenken und sonstigen materiellen Vorteilen an haupt- und ehrenamtliche kommunale Wahlbeamte aus besonderen Anlässen“ erlassen.

Schon andere Bürgermeister groß verabschiedet

Zwar ist damals bei der ADD wohl niemand auf die Idee gekommen, dass es sich bei den „Geschenken und sonstigen materiellen Vorteilen“ um einen Großen Zapfenstreich handeln könnte. Aber diese Landesbehörde hat es als „aufsichtsbehördlich unbedenklich“ bezeichnet, wenn der kommunale Dienstherr aus Anlass der Ruhestandsversetzung einen Empfang oder eine Feierstunde ausrichtet. Vorausgesetzt, der Kostenrahmen überschreitet im Falle eines ehrenamtlichen Bürgermeisters nicht seine monatliche Aufwandsentschädigung. Die richtet sich laut einer Landesverordnung nach der Einwohnerzahl und liegt im Falle von Hagenbach bei 2041 Euro. Also sogar noch unter dem vom Rat gesetzten Limit.

Bleibt zu erwähnen, dass Scherrer nicht der erste rheinland-pfälzische Bürgermeister ist, dem die Ehre eines Großen Zapfenstreichs zuteil werden soll. Mit diesem Zeremoniell wurde im Juni 2018 der Weißenthurmer Verbandsbürgermeister Georg Hollmann und im Mai 2019 sein Altenahrer Amtskollege Achim Haag verabschiedet. Bei ihnen handelte es sich um hauptamtliche Kommunalpolitiker. Bei denen dürfen laut ADD-Allgemeinverfügung die Kosten einer solchen Feier „den Monatsbetrag der Dienstbezüge“ betragen.

Abzuwarten ist, ob solche Beispiele Begehrlichkeiten wecken. Und wie werden solche zivilen Versionen des Großen Zapfenstreiches bei der Truppe wahrgenommen? – „Das sehen wir völlig entspannt“, versichert Jürgen Albrecht, Pressesprecher des Zentrums Militärmusik der Bundeswehr in Bonn. Schließlich sei der Große Zapfenstreich nicht gesetzlich geschützt. Und fügt dann noch selbstbewusst hinzu: „Wir sind die Profis.“

Jürgen Müller

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