Rheinland-Pfalz Ein Prosit auf Pälzer und Paltzer
„Was isses doch so schää bei uns in de Palz!“ Zufriedenen seufzend bekunden Einheimische mit solchen Worten oft ihr Wohlgefühl, wenn sie einen der herrlichen An- und Ausblicke in dieser malerischen Gegend oder die Freuden der hiesigen Lebensart wieder mal besonders genießen. „Wie as dat doch so scheen hei bei uus a Paltz!“. Wer sich indes solchermaßen äußert, ist nicht etwa in einer abgelegenen Ecke unserer einzigartigen Pfalz zuhause, sondern in einem Örtchen ganz woanders im Nordwesten unseres Bundeslandes. Genauer gesagt in einem in der hiesigen Region kaum bekannten Ortsbezirk einer bedeutenden größeren Stadt: in Pfalzel, das seit 1969 durch Eingemeindung zu Trier gehört. Gerne möchten wir heute in dieser Kolumne dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad Pfalzels etwas zu erhöhen. Wobei wir im Nachhinein gestehen müssen, bei den Recherchen dazu über so manches ins Staunen geraten zu sein. Zu entdecken gab’s auch einige Parallelen zur Pfalz. Pfalzel – das eine Fläche von nur rund 239 Hektar und knapp 3600 Einwohner hat – wird auf der Homepage der Stadt Trier gepriesen als „historisches Kleinod, das neben den berühmten baugeschichtlichen Schätzen in Trier leider viel zu oft unbeachtet bleibt“. Dabei hat es selbst Bestaunenswertes in Baustilen verschiedener Epochen zu bieten. Der Name der am Moselufer gelegenen Ansiedelung wird zurückgeführt auf das lateinische Wort „palatiolum“ für „kleine Pfalz“. Ursprünglich bezeichnete man so eine palastartige Burganlage aus dem 4. Jahrhundert, deren Wallmauer noch heute steht und die wohl in engem Bezug zum kaiserlichen Hof in Trier stand. Die Trierer Erzbischöfe nutzten der Schilderung nach die Burg seit dem 12. Jahrhundert als „Ausweichwohnsitz und Gegenresidenz, wenn es mit der Stadtgemeinde Trier zu Auseinandersetzungen kam“. Verwechslungen von „Pfalzel“ und „Pfalz“ gab’s immer wieder, wie Jo Dietzen vom Arbeitskreis „Ahl Paltz“ weiß. Etwa bezüglich der Herkunft des bekannten Theologen und Augustinermönchs „Johann von Paltz“, Mitbruder und Lehrer von Martin Luther. Gefragt nach der Lebensart der Pfalzeler, verweist Dietzen gern auf einen Wahl- und Sinnspruch, der einen Kupferstich mit einer Ortsansicht vom 16./17. Jahrhundert ziert: „Largitas nulla egestate premitur“ – Freigiebigkeit, Großzügigkeit macht nicht arm.“ Und die Zuverlässigkeit der Einheimischen werde so beschrieben: „Kimmste haut net, kimmste morjen.“ Termine oder Vereinbarungen werden demnach unbedingt eingehalten, „wenn auch nicht immer zur ursprünglich gedachten Zeit ...“ Unter anderem als bodenständig und heimatverbunden beschreibt Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel die Leute aus Pfalzel. Stolz sagt die „Ureingeborene“ von sich im lokaltypischen moselfränkischen Platt: „Esch seiyn e Paltzer Määdschie“ („Ich bin ein Pfalzeler Mädchen“). Wie die Pfälzer mögen auch die Pfalzeler Hausmannskost. Eine ihrer Spezialitäten sind „Krumperen Schniedscher mit Äppelschmier“. Das erste Wort lässt rasch treffend vermuten, dass dies die Pfalzeler Variante von „Grumbeer-Pannekuche“ ist. Und nicht nur Handkees-Fans werden den richtigen Riecher dafür haben, um welch verführerisch stinkige Delikatesse es bei folgender Redewendung geht: „En guud Porz Viez un e Limburjer Kees, daan as kään Paltzer bees.“ („Viez und Limburger Käse, dann ist kein Pfalzeler böse.“) Erklärungsbedürftig ist bei dem Satz wohl eher der Anfang – womit wir beim „Nationalgetränk“ der Pfalzeler wären: Deren geliebter „Viez“ ist frisch gekelterter oder schon vergorener, zu Wein gewordener Saft aus Äpfeln. Den gibt’s auch „gespritzt“ mit Limo oder Sprudel – was man aber nicht Schorle nennt. Doch ob mit oder ohne perlende Verdünnung: Serviert wird Viez ebenso wie Pfälzer Schoppenwein bevorzugt in einem traditionellen Trinkgefäß. In Pfalzel ist das die (!) Viezporz, eine Art Becher mit Henkel, meist aus Steingut oder aus Porzellan. Das gängige Fassvermögen reicht freilich nicht ganz heran ans Maß des Pfälzer „Schobbeglases“: Es beträgt nur 0,4 und keinen halben Liter. Beim Durststillen und der Freude dabei scheinen die Pfalzeler dennoch den Pfälzern nicht unbedingt viel nachzustehen. Worauf man vielleicht mal anstoßen könnte mit den jeweiligen Kultgefäßen. Interessant wäre dabei allein schon die Vermischung deren spezifischer Klänge – quasi ein fröhliches „Klirrklapper“ auf die Pal(t)z! | MARTINA RÖBEL