Rheinland-Pfalz Ein Hofstaat umgibt die Königin

Zweibrücken. Noch 182 Tage, dann beginnt die Landesgartenschau in Landau. Der Süden der Stadt blüht auf, lädt auf seinem ehemaligen Kasernengelände zum Flanieren im Park ein. Zur Einstimmung auf das größte Landesfest 2015 stellen wir in loser Folge Gärten in der Pfalz vor. Bekannte und wenig bekannte, vergessene und solche, die dem Herzen der Pfälzer besonders nahe stehen. Zum Auftakt: der Rosengarten in Zweibrücken.
Im Reigen der Gärten der Region gebührt dem Zweibrücker Rosengarten, dem größten seiner Art in Europa, ein hoher Stellenwert. Nicht nur, aber vor allem bei den Westpfälzern, die eine innige Beziehung zu „ihrem“ Rosengarten unweit der Rennbahn mitten in der Stadt pflegen. Und nicht nur in diesem Jahr, zum 100. Geburtstag. Auf dem fast fünf Hektar großen Gelände, das seit drei Jahren als Biobetrieb bewirtschaftet wird, gedeihen alljährlich mehr als 60.000 Rosenstöcke. Die herrlich duftende „Charisma“ blühte beim Besuch im September bereits zum dritten Mal. Dagegen hinterlässt die „Traumfrau“ mit ihrer tiefroten Blüte einen eher trostlosen Eindruck. „Sie vertragen keine Sonne mehr“, macht Heiko Hübscher deutlich und zeigt auf die Blätter der Rose die den Namen „Schloss Balthasar“ trägt. Sie verfärben sich mehr und mehr schwarz. Verbrannt. Der Chef des Parks hat ein ganz besonderes Verhältnis zur Königin der Blumen. Will sie die ihr gebührende Wirkung erzielen, die Königin der Blüten, braucht sie ihren Hofstaat, darf nicht allein bleiben. Deshalb haben die Gärtner in Zweibrücken so manche Rose mit luftig anmutenden Stauden umgeben, um so die Schönste aller Blüten auf den Thron zu heben. Durchmischung nennt das der Fachmann. Durchmischung hat aber nichts mit Durcheinander zu tun. Im Gegenteil. Im Rosengarten ist man darauf bedacht, dass der Besucher von jedem Sitzplatz aus eine ganze besondere, eine in sich ruhende Perspektive auf sich wirken lassen kann. Nicht minder faszinierend ist der alte Baumbestand, der Europas Rosengarten in eine ganz besondere Atmosphäre taucht. Hübscher bringt es so auf den Punkt: „Die Besucher sollen bei uns dem Alltag ein wenig entfliehen, entschleunigen können.“ Was er damit meint, macht der sympathische Gärtnermeister selbst vor – in der Regel eher unbeachtet. Frühmorgens, wenn es noch ganz ruhig ist, nur die Gräser leise im Wind spielen, hält Heiko Hübscher liebend gerne inne unter dem großen Mammutbaum, ein Geschenk der Grafen Bernadotte von der Insel Mainau. Er genießt diesen so entspannenden Blick auf den Weiher mit seiner Nebel sprühenden Wasserfontäne. Der Mann mit dem Blick für Grünes zeichnet seit 2011 für die Visitenkarte Zweibrückens verantwortlich. Mit viel Einsatzfreude, jeder Menge Ideen und noch mehr Tatendrang. In den kommenden Wochen, wenn es ein wenig ruhiger wird, der Jubiläumstrubel seinem Ende entgegen geht, will er mit seinem 17-köpfigen Team, darunter viele Teilzeitbeschäftigte, den kleinen Bach, der mitten durch den Park fließt, freilegen und somit die Wirkung, die Wasser nun einmal hat, noch ein wenig verstärken. Geht es nach Hübschers Vorstellungen, sollen die von Büschen und Stauden fast bedeckten kleinen Brücken endlich wieder zum Vorschein kommen. Kinder sollen am Bach spielen, dem Wasser ganz nah sein, dieses wertvolle Nass auf ganz eigene Art erspüren. Im Detail hat Hübscher das alles längst im Kopf. Dass ihm das Geld fehlt, um einem Fachbüro einen Planungsauftrag erteilen zu können, bedauert er nicht einmal. „Wir kriegen das auch alleine hin“, ist er zuversichtlich. Schließlich haben seine Leute fast sämtliche Wege im Park eigenhändig saniert, regenfest gemacht. Bis auf drei Treppen sind alle übrigen jetzt auch für Rollstuhlfahrer zu bewältigen. So viele Jahre der Rosengarten auch bereits auf dem Buckel hat, so jung und spritzig kommt er noch immer daher. Und das macht Eindruck bei den Gästen, die sich jeden Tag „ihren“ Rosengarten im Festtagskleid wünschen würden. Waren noch vor wenigen Jahren 500, meist von Zweibrückern erworbene Jahreskarten Normalität, liegt heute die Zahl der „Dauergäste“ bei beachtlichen 3500. Und zum Picknick im Grünen am ersten Sonntag im Monat – Betreten der Rasenflächen ist nicht nur an diesem Tag ausdrücklich erlaubt – kommen inzwischen 1000 bis 1500 Besucher, um es sich bei mitgebrachtem Proviant, untermalt von wohltuenden Klängen klassischer Musik, gut gehen zu lassen. Früher kamen zu solchen Anlässen in der Regel 300 Gartenfreunde, manchmal auch ein paar mehr. Mit „Wohlfühloase“, diesen Begriff mag der Gärtnermeister aber nicht, soll das Besondere des Rosengartens beschrieben werden. Ihm ist es wichtig, dass die Besucher einfach nur zur Ruhe kommen und genießen. Dabei soll auch das so besondere Spiel von Licht und Schatten die Alltagshektik ein wenig wegschieben. Die Unterhaltungskosten für den Rosengarten, der wesentlich pflegeintensiver ist als andere Parks, liegt bei jährlich rund 750.000 Euro. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf können diese Kosten bei weitem nicht decken. So wird sich der Rosengarten auch in Zukunft unter wirtschaftlichen Maßstäben nicht rechnen können. Nicht mal, wenn es gelingt, die Besucherzahl bei 100.000 pro Jahr zu justieren.