Rheinland-Pfalz
Dreyer: Neuen Lockdown in Corona-Krise verhindern
„Mehr Maske, weniger Party“, sei unbedingt nötig, das Infektionsgeschehen im Griff zu halten, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag, als sie in Mainz zu den Maßnahmen Stellung nahm, auf die sich die Regierungs-Chefs der Länder mit der Bundeskanzlerin am Mittwochabend verständigt hatten. Das gelte nicht nur für Großstädte. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm gehöre inzwischen zu den Kommunen mit den höchsten Pro-Kopf-Ansteckungsraten in ganz Deutschland. Nachweisbar Ursache dieser Entwicklung dort seien drei große private Feiern – „wahrscheinlich ohne Masken, aber mit viel Alkohol“, warnte die Ministerpräsidentin. Von da sei das Virus in Betriebe, Schulen und Familien getragen worden.
Verschärfte Einschränkungen im Eifelkreis
Seit Tagen gilt für den Eifelkreis die Alarmstufe „Rot“ (ab 50 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche). Am Donnerstag lag diese 7-Tage-Inzidenzrate für den Kreis bei 113, nach 132 am Mittwoch. Seit Donnerstag gilt im Kreis Bitburg-Prüm unter anderem eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum. Private Feiern sind nur noch zulässig, solange nicht mehr als zehn Personen mit Angehörigen aus höchstens zwei Haushalten anwesend sind.
Das Ultimatum der Runde bei der Kanzlerin – sofern der Anstieg der Infektionszahlen nicht spätestens binnen zehn Tagen zum Stillstand kommt, sind weitere Einschränkungen unvermeidlich – wird jetzt auch für den Eifelkreis zur Belastungsprobe. „Unsere Maßnahmen sollen dazu führen, die Infektionslage möglichst schnell wieder zurück auf ein niedriges Niveau zu bringen“, sagte am Donnerstag Landrat Joachim Streit.
45 Infektionen bei Tiefkühlkost-Firma
Vor einer ähnlichen Herausforderung könnte jetzt der Rhein-Pfalz-Kreis stehen. In der „Rheintal Tiefkühlkost“, eine Zweigniederlassung der Frosta AG, in Bobenheim-Roxheim sind nach Angaben der Kreisverwaltung 45 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Betroffen wäre demnach fast jeder Vierte der rund 165 Angestellten. Im Werk werden Gemüse und Kräuter zu Tiefkühlware verarbeitet. Das Unternehmen wolle die Corona-Maßnahmen weiter verschärfen, teilte die Kreisverwaltung am Donnerstag mit. Der Betrieb könne aufrechterhalten werden. Die Geschäftsleitung äußerte sich bisher nicht zu den Vorfällen.
Ministerpräsidentin Dreyer wiederholte am Donnerstag ihren nachdrücklichen Appell, die privaten Kontakte klein zu halten und streng auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln zu achten. Es liege in der Mitverantwortung jedes einzelnen Menschen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten. „Weder die Gesellschaft noch die Wirtschaft können sich einen zweiten Lockdown erlauben“, warnte Dreyer. Stiegen die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über 50, werde es aber zunehmend schwierig, die Infektionsketten zu verfolgen und damit zu unterbrechen.
Auch Mannheim jetzt Risikogebiet
Die Zunahme bei den Neuinfektionen lag in Rheinland-Pfalz am Donnerstag mit 237 Fällen zum vierten Mal binnen einer Woche über der Schwelle von 200 Fällen. Aktuell sind 2280 Menschen landesweit mit dem Coronavirus infiziert – mehr als doppelt so viele wie noch vor zwei Wochen. Nach dem Aktionsplan des Landes sind aktuell zwei Kommunen in „Rot“, fünf in „Orange“ und neun in „Gelb“ eingestuft.
In der direkten Nachbarschaft der Pfalz gibt es jetzt drei statt bisher zwei Risikogebiete: Nach den Kreisen St. Wendel und Neunkirchen überschritt am Donnerstag auch die Stadt Mannheim den kritischen Wert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Nach Angaben des baden-württembergischen Landesgesundheitsamts liegt die 7-Tage-Inzidenz in Mannheim bei 56,7 (Vortrag: 48,6).
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