Rheinland-Pfalz
Dreyer: Keine Lockerung des Kontaktverbots vor dem 19. April
Die rheinland-pfälzische Landesregierung hält daran fest, dass es keine Lockerung des Kontaktverbots und der übrigen Einschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise vor dem Ende der Osterferien gibt. Das sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. Eine Woche zuvor hatte die Regierung die dritte Corona-Bekämpfungsverordnung verabschiedet, die bis zum 19. April gilt.
Zuvor hatten sich die Bundesregierung und die Länderchefs auf ein Kontaktverbot für mehr als zwei nicht zu einem Haushalt gehörenden Personen geeinigt. Damals hieß es jedoch auch von Dreyer, die Maßnahmen sollten zunächst auf zwei Wochen begrenzt werden. Auf Nachfrage sagte sie am Dienstag, die Gültigkeit der bereits zuvor geschlossenen Verordnung sei beibehalten worden. Die Schulschließungen sind derzeit ebenfalls bis zum 19. April begrenzt. In den vergangenen Tagen war bundesweit eine Debatte entfacht über die Frage, wann Lockerungen der strengen Verordnungen möglich seien.
Landesweit werden 5000 Personen am Tag getestet
Der Mainzer Virologe Bodo Plachter, der am Dienstag den Ministerrat beraten hat, sprach sich für eine Beibehaltung des Kontaktverbots aus, um die Ausbreitung des Virus weiter zu verlangsamen. „Man hat den Eindruck, dass die Anzahl der Neuinfektionen zurückgeht“, sagte Plachter. Doch niemand könne derzeit sagen, wo der „Schwellenwert“ liege. Welche Kennziffer also erreicht sein müsse, um die Maßnahmen zu lockern. Mit derartigen Fragen müssten sich Biomathematiker und Statistiker beschäftigen, sagte der Virologe. Er verwies auf Südkorea, wo mit rund 100 Neuinfektionen am Tag die Situation als nicht mehr kritisch gelte.
Nach den Worten Plachters reicht die Anzahl der Testkapazitäten im Land mit 5000 pro Tag derzeit aus. Er setze darauf, dass die Industrie bald Verfahren zur Verfügung stelle, die weniger Geräte und Personal benötigten. Dann könnten Virenherde schneller identifiziert werden.
Plachter bewertete auf RHEINPFALZ-Anfrage am Dienstagabend eine Darstellung des SWR zur Entwicklung der Pandemie in Deutschland als „zu stark vereinfacht“. Danach hatte es über eine Modellrechnung von Wissenschaftlern geheißen, dass bei der Aufhebung der Kontaktverbote und Schulschließungen nach Ostern der Höhepunkt der Epidemie mit rund 1,3 Millionen Menschen bundesweit für Juni erwartet werde. Bei Verlängerung der Maßnahmen um zwei Monate wandere der „Peak“ in den Juli mit dann 1,2 Millionen Erkrankten.
„Noch zu früh für ein Ausstiegsdatum“
Klar ist laut Virologe Plachter aber: „Wenn wir jetzt schnell alles aufheben, können wir mit einer hohen Anzahl an Infizierten rechnen.“ Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen. „Das ist eine komplexe Geschichte.“ Denn alle Berechnungen arbeiteten mit vielen mathematischen „Unbekannten“: „Vor allem die Anzahl der unerkannten Infizierten“ gehöre dazu. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh, um ein Datum für ein Austiegsszenario anzugeben, so der Mainzer Experte.
Dreyer sagte außerdem, bis Dienstagvormittag seien bereits 32.000 Anträge von Unternehmen und Soloselbstständigen auf Hilfen aus dem Bundes- und dem Landesprogramm eingegangen. Das Land hat in der vergangenen Woche zur Abmilderung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise einen 3,3 Milliarden Euro schweren Nachtragshaushalt verabschiedet.