Rheinland-Pfalz Das liebe Landleben
Eine laue Sommernacht unterm Sternenhimmel mag verlockend sein. Je nach Unterlage aber mehr oder weniger romantisch. Heu- oder Strohballen haben sich im Nachhinein als weniger geeignet herausgestellt. Wer das schon einmal versucht hat, weiß warum. Es pikt und zwickt immer irgendwo, wenn sich einer der Halme in die Haut bohrt. Da kann man sich drehen und wenden, wie man will. Und hart im Rücken ist so ein gepresster Ballen nach einer Weile obendrein. Da müssen die Sterne schon besonders toll leuchten ... Heuballen, die auf dem Land zum Sommerbild gehören, sind aber nun mal nicht als Matratzenersatz gedacht. Viele Bauern haben in den vergangenen Wochen Kräuter und Gras abgemäht, damit ihre Tiere was zum Futtern haben. Nur manchmal, wenn sich Landwirte nicht ganz grün sind, nehmen sie sich offenbar auch mal gegenseitig die Ballen weg. So jedenfalls könnte eine Posse jüngst im Landkreis Kaiserslautern ihren Lauf genommen haben. Der eine hatte die Mahd gemacht – und 20 gerundete Bündel aufgereiht. 1000 Euro sollen sie laut Polizei wert sein, doch schnell waren sie verschwunden. Diebstahl, zeigte der eine bei der Polizei an. DIE RHEINPFALZ berichtete darüber, auch weil der Anzeigeerstatter angab, dass das Heu ein giftiges Kraut – das Jakobs-Kreuzkraut – enthalte. Das ist für Pferdemägen schwer verdaulich, es kann in größerer Menge sogar tödlich für sie sein. Viecher lassen den Rest stehen, falls sie es auf der Wiese versehentlich doch zwischen die Zähne bekommen. Einmal getrocknet, verliert es aber seinen bitteren Geschmack, ist nicht mehr als solches erkenntlich und wird gefuttert. Pyrrolizidin-Alkaloide können dann ihre Wirkung zeigen. Nur Ziegen sind beim Senecio jacobaea, dem gelben Korbblütler, härter im Nehmen. Zehn der Heuballen tauchten aber schnell wieder auf, acht weitere fanden sich auf einer anderen Wiese – just bei einer Pferdebesitzerin, was die Sache besonders brisant machte. Die Frau wurde gewarnt; sie wird das Heu nicht an ihre Tiere verfüttern. Am Tag nach der Veröffentlichung der Polizeimeldung, rief empört ein anderer Bauer in der Redaktion an und beschwerte sich. Er stehe nun als Dieb im Verdacht. Alles Humbug, meinte er und nannte Namen. Vielmehr sei er beklaut worden. Die Ballen auf jener Wiese im schönen Lauterer Land stünden ihm zu, nicht dem anderen. Er bestand auf einer Korrektur der Meldung. Außerdem habe der „Saubauer“, wie er den Kollegen betitelte, die Geschichte mit dem giftigen Kraut erfunden. Eine Korrektur aber konnte die Zeitung ihm nicht bieten. Denn noch hat die Polizei nicht geklärt, wer tatsächlich der Dieb ist und wer hier wem Viehfutter verkauft hat. Einer der beiden ist der Polizei jedenfalls nicht ganz unbekannt. Ob weiter wegen einer Strafsache ermittelt wird, darf die Staatsanwaltschaft entscheiden. Vielleicht landet das Ganze aber auch vor einer Zivilkammer. Es sei denn, die Bauern besinnen sich. Vielleicht unterm Sternenhimmel? | Simone Schmidt