Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Düsteres Szenario: Null Kontakte nach den Feiertagen?

Die angekündigten Lockerungen der Kontakbeschränkungen während der Weihnachtsfeiertage stehen wieder auf dem Prüfstand.
Die angekündigten Lockerungen der Kontakbeschränkungen während der Weihnachtsfeiertage stehen wieder auf dem Prüfstand.

Mathematiker in Koblenz und Kaiserslautern haben berechnet, welche Folgen eine Lockerung des Lockdowns über Weihnachten hätte. Sie wären wohl schmerzhaft.

Diesen Effekt allzu üppiger Festessen kennen viele: „Wenn Sie an Weihnachten schlemmen, brauchen Sie längere Zeit, um das wieder los zu werden“, sagt Wolfgang Bock von der TU Kaiserslautern. Ähnliche Auswirkungen würde es haben, wenn von Heiligabend bis Silvester die Kontaktbeschränkungen gelockert werden. Mathematiker Bock: Ein kurzes „Öffnen“ werde ein langes „Schließen“ nach sich ziehen, um in etwa auf denselbe Zustand zu kommen. Unabhängig voneinander haben dies Bock und das Team von Thomas Götz, Professor für Mathematik an der Uni Koblenz, in verschiedenen Simulationen untersucht.

Was an Lockerungen geplant war

Ursprünglich hatten Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten nach ihren Beratungen Ende November für die Feiertage deutliche Lockerungen in Aussicht gestellt. Demnach sollten vom 23. Dezember bis längstens 1. Januar Treffen „im engsten Familien- oder Freundeskreis“ mit höchstens zehn Personen unterschiedlicher Haushalte stattfinden dürfen. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will davon aber jetzt abrücken. Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte am Dienstag, angekündigt, sowohl die Zeitspanne als auch die Kontaktanzahl reduzieren zu wollen. Danach dürften sich vom 23. bis 27. Dezember zehn Personen aus nur noch drei Haushalten treffen.

Steile Kurve nach oben

Doch auch diese begrenzte Lockerung ist möglicherweise zu viel. Die Modelle, die Bock und das Götz-Team gerechnet haben, kommen zu jeweils ähnlichen Resultaten. Ließe man für die acht Tage zwischen Weihnachten und Silvester eine Verdoppelung der Kontakte zu, beschleunigt sich das Infektionsgeschehen deutlich. Ende Januar könnten es weit über zwei Millionen bestätigte Infektionen sein (aktuell: 1,2 Millionen).

Um diese Entwicklung zu brechen, wäre eine harte und lange Zeit der Entbehrungen erforderlich. Denn nach Silvester müsste dazu die Anzahl der Kontakte gegenüber der Zeit vor Weihnachten in etwa halbiert werden, um das Niveau an Neuinfektionen zu erreichen, das sich ohne Weihnachtslockerungen ergeben hätte. Und dieses Ziel wäre erst nach vier Wochen erreicht, wie eine Simulation des Koblenzer Doktoranden Moritz Schäfer zeigt.

Die Grenzen des Machbaren

Doch gibt es überhaupt noch etwas zu halbieren? Aktuell gilt im Teil-Lockdown ja schon die Vorgabe, dass private Zusammenkünfte auf höchstens fünf Personen des eigenen und eines weiteren Hausstandes beschränkt sein sollen. „Das ist die Krux“, sagt Bock: „Man muss beachten, dass wir zur Zeit bereits Kontaktbeschränkungen haben und der Handlungsspielraum für weitere Beschränkungen weniger groß sind.“

Der Kaiserslauterer Mathematiker verdeutlicht dies am Beispiel der Reproduktionszahl. Sie beschreibt, wie viele Menschen pro Infektiösem durchschnittlich angesteckt werden. Ein Wert von 1 zeigt an, dass – im Durchschnitt – jede betroffene Person eine weitere ansteckt. Im März sei man durch den Lockdown von einem R-Faktor 3 auf einen R-Faktor unter 1 heruntergekommen. Bock: „Das können wir jetzt nicht mehr, wenn wir aktuell bei einem R-Faktor von 1 sind.“ Man habe ja schon relativ viel an Kontakten beschränkt durch den Teil-Lockdown.

Ansteckungsgefahr im eigenen Haushalt

Und selbst wenn die Kontakte nur noch auf den eigenen Hausstand begrenzt sind, wären die Folgen von Weihnachts-Lockerungen so schnell nicht bewältigt. Falls ein Haushalt von der Pandemie betroffen ist, sei dort die Wahrscheinlichkeit weiterer Infektionen relativ groß. Bock: „Selbst im Lockdown braucht es eine gewisse Zeit, bis das Infektionsgeschehen durch einen Haushalt durch ist.“

Wolfgang Bock
Wolfgang Bock
Professor Thomas Götz.
Professor Thomas Götz.
Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung der Infektionszahlen ohne Lockerungen über die Festtage, die blaugrüne Kurve die Entwicklu
Die blaue Kurve zeigt die Entwicklung der Infektionszahlen ohne Lockerungen über die Festtage, die blaugrüne Kurve die Entwicklung mit Lockerungen. Die hellgrüne Kurve zeigt die Entwicklung, wenn es Lockerungen gibt und nach Silvester heftig auf die Bremse getreten wird. Erst Ende Januar wäre man wieder auf dem Niveau der blauen Kurve.
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