Rheinland-Pfalz Christbaum selbst fällen: So funktioniert es in der Pfalz
Ein großer Spaß sind die Christbaumaktionen im Pfälzerwald. Mit Handsägen bewaffnet, ziehen an den Adventswochenenden Familien und andere Gruppen in den Wald, um unter der Regie der Forstmitarbeiter ihren Tannenbaum auszusuchen. Am Lagerfeuer gibt es Bratwurst und Glühwein. Selbst aktiv werden, das ist nicht nur urig, sondern dient auch noch der Umwelt.
Britta Pecho hat bei der Aktion schon einiges erlebt. „Wir hatten schon Besucher, denen der Glühwein so gut geschmeckt hat, dass sie ihren in die Ecke gestellten Weihnachtsbaum vor lauter Glück vergessen haben.“ Lustig seien auch immer die Versuche, besonders üppige Bäume irgendwie ins Auto zu pressen. „Da kommt man sich dann vor wie samstags auf dem Parkplatz vorm Möbelhaus“, sagt die Försterin vom Revier Finsterbrunnen des Forstamts Kaiserslautern.
Team sammelt für Herzenssache
Die 47-Jährige freut sich schon auf den dritten Adventssamstag, wenn es an der Hütte in der Nähe des Stelzenberger Forsthauses wieder hoch hergeht.
Als Regionalförsterin hat Pecho oft ausgeholfen, doch diesmal leitet sie als Nachfolgerin von Winfried Schleyer die Aktion. Schleyer, der im April in Ruhestand gegangen ist, hat ihr noch einige Tipps gegeben. „Er hat mir gesagt, was ich alles brauche. Ich kann aber auf das altbewährte Personal zurückgreifen, das ist ein eingespieltes Team“, sagt Pecho. Sie spannt seit Jahren auch ihren Mann und die drei Kinder ein. Es sei jedes Mal ein lustiger Tag, bei dem alle gerne mithelfen. „Jäger, Forstwirte, alle machen das freiwillig“, erzählt die Försterin. Auch ehemalige Kollegen seien dabei: „Viele helfen nach ihrer Pensionierung noch lange mit. Es ist immer schön, sie wiederzusehen.“ Im Revier Finsterbrunnen geht übrigens der Erlös aus Glühwein- und Punschverkauf seit 2006 an die SWR-Kinderhilfsaktion Herzenssache. Zwischen 400 und 750 Euro kommen da zusammen.
Plastiktanne keine Alternative
Britta Pecho ist froh über jeden Pfälzer, der sich für einen heimischen Weihnachtsbaum entscheidet. Von Plastiktannen hält sie genauso wenig wie von Christbäumchen im Topf. Vier von fünf Plastiktannen kommen aus Fernost – und alle enden irgendwann im Plastikmüll, wo sie teuer entsorgt werden müssen. „Und der Weihnachtsbaum im Topf greift um sich, weil die Leute annehmen, dass die Bäume wieder ausgepflanzt oder im nächsten Jahr wieder verwendet werden.“ Pechos Erfahrung nach ist das meist nicht der Fall.
Kiefern und Fichten nicht im Trend
Die bessere Ökobilanz haben Nadelbäume aus dem Pfälzerwald, findet die Försterin. Sie sind frisch geschlagen und müssen keine langen Transportwege zurücklegen. Früher waren Weihnachtsbäume ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft. Schwächere Bäume wurden aus dichten Jungbeständen entnommen. Mittlerweile stammen nur noch wenige Christbäume aus der Durchforstung, weil die meisten Leute Kiefern und Fichten links liegenlassen und sich lieber eine gleichmäßig gewachsene Nordmanntanne ins Wohnzimmer stellen. Auf diese Entwicklung hat der Forst reagiert und entsprechende Weihnachtsbaumkulturen angelegt.
Ökologisch und fair produziert
Im Revier Finsterbrunnen haben die Bäume aus der Kultur kein FSC-, sondern das PEFC-Siegel, weil sie laut Pecho vor fünf Jahren gedüngt wurden. Seitdem wurde zwischen den Bäumen nur noch gemäht, Chemie kommt nicht mehr zum Einsatz. Nordmanntannen mit FSC-Siegel wurden weder künstlich gedüngt noch mit Unkraut- oder Schädlingsvernichtungsmitteln behandelt. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium ist stolz darauf, dass immer mehr Tannen nicht nur ökologisch produziert werden, sondern auch noch das Fair-Trees-Siegel tragen.
Hilfe für Zapfenpflücker
Es soll dabei helfen, dass die Zapfenpflücker in Georgien, die in schwindelerregender Höhe das Saatgut einsammeln, besser entlohnt und technisch gut gesichert ihrer Arbeit nachgehen können. Dafür werde ein fester Betrag gespendet, so das Ministerium. Fair gehandelte Bäume gibt es unter anderem in den Forstämtern Donnersberg Johanniskreuz, Kaiserslautern, Kusel, und Otterberg.
Baumwollnetz oder Bettbezug
Auch von den Plastiknetzen haben sich viele Pfälzer Forstämter verabschiedet, denn das FSC-Siegel schreibt Baumwollnetze vor. Wo die Bäume nicht eingenetzt werden, kann man sich mit einem alten Bettbezug behelfen. Die Dürre hat den Nordmanntannen offenbar nicht so zugesetzt wie anderen Baumarten. „Sie sind sehr trockentolerant“, sagt Britta Pecho, „wachsen halt nur langsamer.“ Bäume, die jetzt gefällt werden, sind zwischen acht und zwölf Jahre alt. Eine ein Meter hohe Nordmanntanne kostet um die 20 Euro.
Pflegetipp: Wasser nicht vergessen
Wer lange Freude an seinem Christbaum haben will, sollte ihn bis zum Fest an einem kühlen geschützten Ort in einen Eimer Wasser stellen. Die Tanne wird am besten erst kurz vor Heiligabend von ihrem Netz befreit, damit sie länger frisch bleibt. Experten raten, den Weihnachtsbaum vor dem Aufstellen frisch anzuschneiden und ihn täglich zu gießen.