Rheinland-Pfalz Chaos im Berufsverkehr

(swz/gana). Die Schiersteiner Brücke, eine viel befahrene Autobahnstrecke über den Rhein zwischen Mainz und Wiesbaden, ist bis auf weiteres komplett gesperrt. Am Dienstagabend wurden Schäden an dem Bauwerk festgestellt. Die Ausnahmesituation führte gestern zu kilometerlangen Staus im Berufsverkehr. Die Opposition im Landtag nutzte die Brückensperrung zur Kritik an der Landesregierung.
Einer der Pfeiler der Schiersteiner Brücke auf Mainzer Seite habe sich geneigt, informierte gestern der Landesbetrieb Mobilität (LBM). Dadurch hänge der Überbau durch und die Fahrbahn habe sich leicht gesenkt. Ob weitere Pfeiler betroffen sind, wieso sich der Pfeiler geneigt hatte und wie schnell das Problem gelöst werden kann, blieb zunächst unklar. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) sagte gestern vor Ort, die Experten gingen davon aus, dass Ergebnisse einer Untersuchung nächste Woche vorlägen. Die vor mehr als 50 Jahren gebaute Schiersteiner Brücke ist den Belastungen durch die starke Zunahme des Verkehrs nicht mehr gewachsen. Um Schäden zu verhindern, galt auf der Strecke bereits eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern. Täglich nutzen bis zu 90.000 Fahrzeuge die vier Spuren. Seit 2013 entsteht daneben ein sechsspuriger Neubau (siehe: Stichwort). Die Brücke ist ein Nadelöhr im Rhein-Main-Gebiet. Die Sperrung löste erhebliche Beeinträchtigungen im Berufsverkehr aus. „Das war ein Chaos“, sagte ein Sprecher der Polizei gestern Morgen. Auf den Autobahnen sowie den umliegenden Straßen kam es zu kilometerlangen Staus. Autofahrten vom einen zum anderen Zentrum der beiden Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, konnten deutlich mehr als eine Stunde dauern. Die Stadt Mainz reagierte, indem sie die Ampelschaltungen an den Einfallstraßen so umstellte, dass der Verkehr aus der Innenstadt abfließen konnte. Der Verkehrskollaps hat auch politische Konsequenzen. Die Koalitionsparteien (SPD und Grüne) haben eine Sondersitzung des Innenausschusses des Landtags beantragt. Er soll vermutlich kommenden Mittwoch tagen. Die CDU nutzte den Vorfall für harsche Kritik an der Regierung. Oppositionschefin Julia Klöckner (CDU) sagte, die problematische Substanz der Schiersteiner Brücke sei „seit Jahrzehnten bekannt“, ihre Fraktion habe immer wieder darauf hingewiesen. Sie warf der Landesregierung vor, dass diese über Jahre untätig gewesen sei. Klöckner bezeichnete es als „problematisch, dass unter Rot-Grün wichtige Projekte wie die Mittelrhein-Brücke oder die Wörth-Brücke auf Eis gelegt wurden“. Verkehrsminister Lewentz wies die Vorwürfe zurück:„Einen noch ungeklärten technischen Schaden an der Brücke zu populistischen Attacken gegen die Infrastrukturpolitik der Landesregierung zu nutzen, entlarvt sich als oppositioneller Schnellschuss ohne Substanz.“ Die Brückensperrung nutzten auch weitere Gruppierungen für Kritik an der Infrastrukturpolitik im Land. Die Sperrung zeige auf „bedrückende Weise, dass wir unsere Verkehrsinfrastruktur seit Jahren verschleißen“, teilte die Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) mit. Der LVU forderte das Land auf, mehr in den Erhalt der eigenen Straßen zu investieren. Die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel reichten für einen Substanzerhalt nicht aus. Auch die FDP, die momentan nicht im Landtag vertreten ist, kritisierte die Regierung. Parteivorsitzender Volker Wissing bezeichnete die Sperrung der Brücke als „Alarmsignal“ für den Zustand der Infrastruktur im Land.