Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Bisse in der Nacht: Bettwanzen auf dem Vormarsch

Bettwanzen verstecken sich in jeder Ritze und jeder Falte, hinter Fußleisten, in Steckdosen und Kabelkanälen. Foto: Imago / Scie
Bettwanzen verstecken sich in jeder Ritze und jeder Falte, hinter Fußleisten, in Steckdosen und Kabelkanälen.

Weltweit breitet sich dieses Ungeziefer wieder aus – auch in Deutschland und in Rheinland-Pfalz. Dass der Kampf gegen die Plagegeister Monate dauern kann, zeigt das Beispiel eines Trierer Wohnungsinhabers.

Trier. Für den Trierer Norbert Prostak schien es ein ganz normaler Tag zu werden. Aufstehen, waschen, Zähne putzen, frühstücken und zur Arbeit – doch dann wurde er schon im Schlafzimmer jäh gebremst. Da krabbelte etwas auf dem Boden. Irgendein Ungeziefer, knapp einen Zentimeter lang. Norbert Prostak schöpfte Verdacht und handelte rasch und richtig. Er fing das Tier mit einem Glas ein und brachte es zum Schädlingsbekämpfer. Schon einen Tag später hatte er Gewissheit. Es handelte sich um eine Bettwanze, cimex lectularius. Ein Tier, das ausschließlich von menschlichem Blut lebt und vor allem nachts den Schläfer befällt und sticht und beißt.

In Nachkriegszeit weit verbreitet

Bettwanzen waren in der Nachkriegszeit und in den 1950er-Jahren weit verbreitet. Die meisten Menschen kannten sie und wussten sofort, womit sie es zu tun hatten. Sie informierten die Schädlingsbekämpfer und die gingen gegen die Plagegeister rigoros vor, mit harten Insektiziden. Auf diese Weise wurde das Ungeziefer immer mehr zurückgedrängt, auch der steigende Wohnkomfort und verbesserte Hygiene trugen dazu bei, dass den Wanzen die Verstecke ausgingen, in denen sie sich einnisten konnten. Mit der Zeit traten die Biester immer seltener auf und gerieten in Vergessenheit.

Ganz allerdings verschwanden sie nie. Immer mal wieder wurden die Fachleute zu Hotels oder Privatwohnungen gerufen, wo die Menschen mit juckenden Stichen am Körper aufgewacht waren.

Bücher und Kleider in den Gefrierschrank

Diese Erfahrung mussten auch Norbert Prostak und seine Mitbewohnerin machen. „Wir wurden beide nachts gebissen“, erzählt er: „Und obwohl der Schädlingsbekämpfer sofort losgelegt hat, begannen für uns drei Monate voller Unruhe und Plage.“ Denn die Wanzen sind nicht leicht zu tilgen. Sie verstecken sich in jeder Ritze und jeder Falte, hinter Fußleisten, in Steckdosen und Kabelkanälen. Überall dort brachte der Schädlingsbekämpfer sein Pulver aus. Das fest verbaute Bett wurde mit nassem Insektizid begast. Da die Wanzen weder extreme Hitze noch Kälte vertragen, kam die Wäsche in den heißen Trockner. Bücher und Kleider wurden in Plastiktüten gepackt und zehn Stunden in den Gefrierschrank gelegt.

Gesprüht, versiegelt, zugeklebt

Trotzdem war es mit den ersten Aktionen nicht getan. Eine Überprüfung mit dem sogenannten Bettwanzenmonitoring ergab, dass das Ungeziefer auch nach drei Wochen noch nicht besiegt war. Also wurde wieder gesprüht, Türen wurden versiegelt und Möbel umgestellt. Die Bettpfosten wurden mit Klebebändern umwickelt, um die Wanzen daran zu hindern, bis zum Schläfer vorzudringen. „Wir waren nur noch am Räumen“, erinnert sich Norbert Prostak: „Immer wenn du denkst, jetzt hast du es geschafft, wirst du doch noch mal gebissen.“ Erst nach drei Monaten und mehreren Bekämpfungsaktionen hieß es endlich: Die Wohnung ist wieder wanzenfrei.

Globalisierung Hauptgrund für Ausbreitung

Ein aufwendiges und teures Verfahren. 5000 Euro hat Norbert Prostak bezahlt. Er bekam die Kosten vom Arbeitgeber erstattet, weil er sich das Ungeziefer als Sozialarbeiter in der verwanzten Wohnung eines Klienten eingefangen hatte. Typisch ist dieser Übertragungsweg nicht. „Mit mangelnder Hygiene hat die Ausbreitung der Bettwanzen nur wenig zu tun“, sagt Stefan Biebl, Mitglied im Verband der Schädlingsbekämpfer. Wobei auch er festgestellt hat, dass die Blutsauger seit dem Jahr 2000 auf dem Vormarsch sind. Ganz massiv in den USA und in Asien, aber auch in Europa.

„Der Hauptgrund dafür ist die Globalisierung“, meint Biebl. Der ständige weltweite Austausch sorge dafür, dass die Biester überall mit- und eingeschleppt werden. „Da stellt zum Beispiel der deutsche Manager in New York seinen Koffer neben das Hotelbett und dann trägt er Bettwanzen mit nach Hause – nach Bayern, Hessen oder Rheinland-Pfalz“, weiß der Experte. Oder Jugendliche bringen die Wanzen mit von internationalen Feriencamps. Oder vom Übernachten beim Wandern. „Zur Zeit haben wir das Problem ganz stark auf Berghütten“, berichtet Stefan Biebl. „Hinzu kommt, dass durch falsche Bekämpfungsmethoden die Bettwanzen Resistenzen entwickeln und auf manche Insektizide nicht mehr reagieren.“

Koffer im Hotel weit weg vom Bett abstellen

Kann man sich vor der Bettwanzenplage schützen, außer auf Sauberkeit zu achten und die Wohnung aufzuräumen? „Ich passe jetzt schon auf, dass ich in den Wohnungen der Klienten meine Tasche nicht mehr auf den Boden stelle“, sagt Norbert Prostak und liegt damit nach Ansicht von Stefan Biebl richtig. „Man sollte vor allem im Hotel den Koffer weit weg vom Bett abstellen“, sagt er: „Am besten die bereitgestellten Kofferständer benutzen.“ So schleppt man sich die Biester gar nicht erst nach Hause und ins eigene Schlafzimmer.

Der Ratschlag gilt übrigens nicht nur für Bettwanzen, sondern auch für Milben, die zum Beispiel die Krätze hervorrufen. „Die kommt auch wieder“, sagt Stefan Biebl. „Wir haben deutlich mehr Fälle als früher.“ Und Krätze juckt noch viel mehr als Bettwanzenbisse.

Norbert Prostak  Foto: Greichgauer
Norbert Prostak
Schädlingsbekämpfer Stefan Biebl. Foto: Greichgauer
Schädlingsbekämpfer Stefan Biebl.
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