Rheinland-Pfalz „Bin in der SPD sehr zu Hause“

. Als kleiner Junge sei er einmal mit den Eltern in der Eifel gewesen. Ansonsten habe er mit Rheinland-Pfalz bis vor zweieinhalb Monaten noch nicht viel zu tun gehabt, bekennt Thomas Deufel. Kurz vor Weihnachten jedoch ist der Hochschullehrer und SPD-Politiker von Erfurt nach Mainz umgezogen. Seit Mitte November ist er im Mainzer Bildungsministerium als Staatssekretär für Wissenschaft und Hochschulen zuständig. Einen ganz ähnlichen Job hatte Deufel in den fünf Jahren zuvor in der Thüringer Landesregierung gemacht. 2009 hatte ihn der Erfurter SPD-Landesvorsitzende Christoph Matschie zu den Koalitionsverhandlungen mit der CDU gebeten. Am Ende stand eine große Koalition, Matschie wurde Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Deufel sein Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur. „Ich bin Wissenschaftler aus voller Seele“, sagt der inzwischen 60-Jährige. Aber er sei neugierig gewesen und habe den Job in der Politik angenommen. Mit seinem Namen verbunden ist eine neue Zukunftsstrategie für die Hochschulen im Freistaat bis zum Jahr 2020. Keinen Tag habe er seinen Wechsel in die Politik bereut, versichert Deufel. Doch nach der Wahlschlappe der Thüringer SPD im vergangenen September wurde die Luft für den SPD-Staatssekretär dünn. Rasch zeichnete sich der Eintritt seiner Partei in eine Koalition mit den Linken ab. Vor allem jedoch wurde die Zuständigkeit für Hochschulen und Wissenschaft ins Erfurter Wirtschaftsministerium verlagert. Deufel macht keinen Hehl daraus, dass dies seine Sache nicht ist. Da kam das Angebot aus Mainz gerade richtig: Bei der großen Kabinettsumbildung machte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die bisherige Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) zur Finanzministerin und deren Wissenschaftsstaatssekretärin rückte zur Bildungsministerin auf. Der Anruf Dreyers kam Anfang November. Deufel sagte ja, bevor sein Aus in Erfurt besiegelt war: „Ich habe die Entscheidung getroffen, die ich selbst treffen konnte“. Reiß und Ahnen kenne er aus der Zusammenarbeit in der Kultusministerkonferenz, die Verhältnisse in Rheinland-Pfalz seien vergleichbar mit denen in Thüringen. Thomas Deufel ist in München aufgewachsen. Dort hat er Chemie und Medizin studiert. Nach beruflichen Stationen in seiner Heimatstadt, in Dänemark und in Münster kam Deufel 1996 als Professor und Institutsdirektor ans Klinikum der Universität Jena. Deufel erzählt gerne und ausführlich. Was treibt in um in der Politik , der er sich erst seit seinem 55. Lebensjahr hauptamtlich verschrieben hat? Hochschulen seien für ein Land „kostbarer Besitz“, sagt der Staatssekretär. Sie müssten gepflegt werden, seien eine wichtige Grundlage für die Fortentwicklung eines Landes. Und noch eines liegt dem 60-Jährigen am Herzen: Die Bildungschancen in Deutschland seien noch immer zu sehr von der Herkunft bestimmt. Deshalb gehe es immer auch darum, wie Studierende mit unterschiedlichen Voraussetzungen erfolgreich durch die Hochschulen gebracht werden können. Deufel nennt die Stichworte duales Studium und Studieren ohne Abitur: „Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung“. Solche Überzeugungen sind auch in der eigenen Familiengeschichte des Hochschullehrers begründet. „Ich bin in der SPD sehr zu Hause“, sagt er. Schon der Urgroßvater und der Großvater waren Sozialdemokraten. Der Vater war der Erste in der Familie, der es zu einem akademischen Abschluss und zum Patentanwalt brachte. Der Vater war es auch, der in jungen Jahren in einem Münchner Kreisverband zusammen mit dem späteren SPD-Bundesvorsitzenden Hans-Jochen Vogel Politik machte. Thomas Deufel ist seit 1973 Mitglied der SPD. Sein erstes politisches Amt trat er 2003 als Mitglied des Jenaer Stadtrats an. Zwei Jahre später wurde er stellvertretender Vorsitzender der Ratsfraktion. Das blieb er bis nach seinem Umzug nach Mainz im vergangenen Dezember. In Mainz warten in den kommenden Monaten wichtige Themen: Jene 25 Millionen Euro, die dem Land bleiben, weil der Bund die BAföG-Kosten übernimmt, müssen unter den Hochschulen verteilt und nach einem schlüssigen Konzept eingesetzt werden. Außerdem hat sich Deufel vorgenommen, die Quote der Studienabbrecher zu senken. Da soll zum Beispiel über gezielte Hilfen für Studienanfänger oder über eine bessere Studienberatung erreicht werden.