Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Prozess: Zeuge sah Flamme aus dem zu bearbeitenden Rohr schießen

Der Brandschutzposten achtete auf Flex-Funken, die zu den Autos schwirrten. Die zerstörte wenig später die Explosion.
Der Brandschutzposten achtete auf Flex-Funken, die zu den Autos schwirrten. Die zerstörte wenig später die Explosion.

Wenn es nach diesem Zeugen geht, liegt die Staatsanwaltschaft im Prozess um das BASF-Explosionsunglück falsch. Sie wirft einem Schlosser vor, versehentlich eine mit Gas gefüllte Leitung angeflext zu haben. Ein damals für den Brandschutz zuständiger Aufpasser hingegen glaubt: Die erste Flamme schoss doch aus dem Rohr, das zerlegt werden und deshalb geleert sein sollte. Überrascht hat der Mann am Mittwoch auch mit seiner Aussage zu Brandschutz-Vorgaben.

Sorgenvoll wacht der Brandschutzposten ein paar Meter neben dem Schlosser, der ein Rohr zerlegen soll. Denn dessen Flex sprüht Funken, die zu Autos auf einem nahen Parkplatz schwirren. Der Aufpasser mit seinem Sechs-Kilo-Pulverlöscher beobachtet daher genau, wo die Glut-Teilchen landen. Doch gleich darauf lässt ihn ein Knall wieder zur Leitung schauen. Aus der schießt jetzt eine Feuerlanze, die Kleidung des Arbeiters hat sie schon entzündet. Also löscht der Brandschutz-Aufpaser dessen Hose, sprüht dann gegen die Flammensäule an. Doch die wird immer größer. Als sie wenig später Pipelines in dem Rohrgraben explodieren lässt, sind er und der verletzte Arbeiter schon weit genug weg. Doch im Feuerball kommen am 17. Oktober 2016 vier Wehrleute und ein Helfer ums Leben, außerdem werden Dutzende Menschen verletzt. Und mittlerweile soll ein Prozess vor dem Frankenthaler Landgericht klären, wer das Unheil angerichtet hat.

Niemand hat den Angeklagten bei der Arbeit genau beobachtet

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es der Schlosser mit seiner Flex war. Er sollte eine geleerte Pipeline zerlegen. Doch aus Versehen habe er in eine andere Leitung geschnitten, sie so entzündet. Allerdings hat den Mann im entscheidenden Moment niemand genau beobachtet – noch nicht einmal der Brandschutzposten. Denn der will ja mehr auf Funken geachtet haben, die zu Autos schwirrten. Doch die Richter fragen ihn nun, wo genau die Flamme herausschoss, die er dann entdeckte. Wenn seine Erinnerungen tatsächlich stimmen, dann loderte sie aus jenem Rohr, an dem der Flexer auch vorher schon gearbeitet hatte – und damit doch aus jener Leitung, die zerlegt werden sollte. Und noch eine These der Ermittler stellt der Brandschutzposten als Zeuge im Gerichtssaal infrage. Denn die Staatsanwaltschaft geht nicht nur davon aus, dass der Angeklagte die falsche Leitung erwischte. Sie sagt auch: Er tat das, obwohl die richtige für die Arbeiten ordentlich markiert war.

Aufpasser sagt: Er sah keine Markierungen auf den Rohren

Der Aufpasser von damals hingegen sagt: Er kennt solche aufgemalten Hinweise schon von früheren Einsätzen. Doch an der späteren Explosionsstelle habe er solche Zeichen nicht erspäht. Allerdings fügt er hinzu: Es war auch nicht seine Aufgabe, nach ihnen zu schauen. Denn kontrollieren musste er nur, ob zum Beispiel die richtigen Feuerlöscher bereitstehen. Und ob die Arbeiter immer ordentlich ihre Brandschutzdecken auslegen, ehe sie Funken sprühen lassen. Was der Trupp des Angeklagten auch brav getan habe. Allerdings wurden die Matten anders eingesetzt, als die Juristen dachten. Die glaubten bislang: Abgedeckt werden sollten Pipelines. Schließlich stand in Vorgaben für die Arbeiten, dass „Leitungen“ zu bedecken sind. Doch der Brandschutzposten behauptet: Abzuschirmen war nur ein Stromkabel-Kanal, der sich durch den Graben zog. So, beteuert er, hätten es ihm BASF-Einweiser gesagt. Und er ergänzt: Rohre hätten so einen Extra-Schutz auch nicht nötig, denn an ihnen prallen Flex-Funken einfach ab.

Die Brandschutzdecken werden Prozess-Thema bleiben

Die Richter allerdings schauen skeptisch, sie werden sich in den kommenden Wochen wohl mit weiteren Zeugen über die Brandschutzdecken unterhalten. Denn in den Aktenordnern zum Prozess müssen weitere Dokumente zu den Anti-Feuer-Matten schlummern. Und die scheinen zu besagen, dass sie doch auch auf die Pipelines gehört hätten.

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