Rheinland-Pfalz
Bad Dürkheim: Warum die Deutsche Weinkönigin beim Wurstmarkt-Auftakt fehlte
Die Eröffnung des Dürkheimer Wurstmarkts war bislang ein fester Termin im Kalender der Deutschen Weinkönigin. Doch damit soll Schluss sein. Schon am Freitag fehlte die oberste Weinhoheit auf der Bühne. Das stößt auf Unverständnis – nicht nur in Bad Dürkheim.
Für die Pfälzische Weinprinzessin Anna-Lena Müsel war die Eröffnung des 603. Wurstmarkts am vergangenen Freitag ein Höhepunkt ihrer Amtszeit. Die junge Obrigheimerin hatte die erkrankte Pfälzische Weinkönigin Meike Klohr aus Mußbach kurzfristig vertreten. Doch auf der Bühne fehlte noch ein anderes gekröntes Haupt: das der Deutschen Weinkönigin Carolin Klöckner (Vaihingen an der Enz). Die Deutsche Weinhoheit war in den vergangenen Jahren immer dabei, wenn das größte Weinfest der Welt eröffnet wurde.
„Bühne regionaler Hoheiten“
Dass sie in diesem Jahr fehlen würde, hatte das Deutsche Weininstitut (DWI) der Stadt Bad Dürkheim in einem Schreiben mitgeteilt. Das DWI koordiniert die Termine der Deutschen Weinhoheiten und finanziert sich über Beiträge von Weinerzeugern und Vermarktern aus den 13 Anbaugebieten. Als Begründung führt das Mainzer Institut seine Richtlinien an: Demnach können Deutsche Weinhoheiten „nur an Veranstaltungen mitwirken, bei denen deutsche Weine aus mindestens drei Anbaugebieten und von mindestens drei Weinerzeugern präsentiert werden“. Die 309 Weine, Schaumweine und Seccos, die auf dem Wurstmarkt ausgeschenkt werden stammen alle aus Dürkheimer Lagen – und damit nur aus dem Anbaugebiet Pfalz. Aufgabe der Deutschen Weinkönigin sei es vor allem, außerhalb der Anbaugebiete und im Ausland für den deutschen Wein zu werben, erklärt DWI-Pressesprecher Ernst Büscher. Feste wie der Wurstmarkt oder der Weinmarkt in Heilbronn seien die Bühne für die regionalen Weinhoheiten: „Die Weinkönigin aus der Region tritt automatisch in den Hintergrund, wenn die Deutsche Weinkönigin dort präsent ist“, ergänzt Büscher. „Auf dem Wurstmarkt sollte die Pfälzische Weinkönigin die Lorbeeren ernten können.“ Die entsprechenden Richtlinien gebe es schon seit Jahren, allerdings habe sich das DWI entschieden, diese „konsequenter umzusetzen“. Dies betreffe allerdings nicht nur den Wurstmarkt, sondern auch andere Weinfeste.
Schindlers Gegenvorschlag
„So kann man mit Dürkheim nicht umgehen, so kann man mit unserem Wurstmarkt nicht umgehen“, hält der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Norbert Schindler (Bobenheim am Berg), dagegen. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hat an die DWI-Geschäftsführerin Monika Reule geschrieben. „Wenn beim größten Weinfest der Welt das Deutsche Weininstitut als nationale und internationale weinwirtschaftsfinanzierte Werbeeinrichtung den Auftritt unserer höchsten Weinrepräsentantinnen verweigert, versteht das kein Festbesucher“, argumentiert Schindler. Die Entscheidung lasse auch bei Winzern und weinwirtschaftlichen Betrieben „wieder massive Zweifel an der Ausrichtung ihrer gesetzlich geregelten Weinwerbung und an der zielgerichteten Verwendung ihrer Werbeabgabe wachsen“. Schindlers Vorschlag: Die DWI-Gremien könnten sich in Abstimmung mit den regionalen Weinwerbeeinrichtungen auf eine begrenzte Aufstellung von Veranstaltungen mit entsprechender Strahlkraft verständigen, bei der der Auftritt der Deutschen Weinkönigin im Sinne der Weinwerbung ausdrücklich gewünscht und gefördert werde. Der Bad Dürkheimer Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) begrüßt den Vorstoß Schindlers. „Wir haben selbst schon unser Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Deutsche Weinkönigin nicht mehr zur Wurstmarkteröffnung kommen soll. Die Ankündigung hatte uns sehr überrascht und auch enttäuscht“, sagt Glogger, der die Bedeutung des Wurstmarkts als größtes Weinfest der Welt für den deutschen Wein hervorhebt. Marcus Brill, Chef des städtischen Organisationsteams, verweist auf das beträchtliche Medieninteresse des Fests – nicht zuletzt auch aus dem Ausland.
Aufwertung der Feste
Die Dürkheimerin Janina Huber, Weinkönigin 2014/2015, sagt, sie könne einerseits verstehen, dass das DWI Richtlinien für den Einsatz der Hoheiten brauche und es nicht allen recht machen könne. Andererseits sei es für den Wurstmarkt sehr schade, sollte das Institut bei seiner Entscheidung bleiben. Das Argument, dass die Deutsche Weinkönigin den anderen Weinhoheiten die Schau stiehlt, kann Huber nicht bestätigen: „Natürlich bekommt die Deutsche Weinkönigin viel Aufmerksamkeit. Aber ihre Anwesenheit wertet die Veranstaltung auf, sodass sich die Gebietsweinköniginnen in meiner Zeit nie zurückgesetzt gefühlt haben.“ Die Dürkheimerin Huber hätte übrigens auch bei der nun geltenden strengen Regelauslegung „ihren“ Wurstmarkt eröffnen dürfen: Für Auftritte in Heimatgemeinde gelten nach wie vor Ausnahmen. „Dann müssen wir eben jedes Jahr die Weinkönigin stellen“, scherzt Brill.
Kommentar
Perfekte Bühne für den Wein
Dass es Richtlinien dafür gibt, an welchen Festen die Deutschen Weinhoheiten teilnehmen dürfen, ist nachvollziehbar. Doch hier ist Augenmaß gefordert. Der Dürkheimer Wurstmarkt ist das größte Weinfest der Welt. Weit mehr als 600.000 Menschen pilgern an den Festtagen dorthin. Auf den Brühlwiesen steht vor allem eins im Mittelpunkt: der Wein. Mit großer Hingabe entscheidet ein städtischer Ausschuss darüber, was ausgeschenkt werden darf und was nicht. Das Qualitätsniveau ist für ein Fest dieser Größe bemerkenswert. Kurzum: der Wurstmarkt ist eine perfekte Bühne für den Dürkheimer, den Pfälzer und somit auch den deutschen Wein. Dessen Gesicht ist die Deutsche Weinkönigin. Kommt die Hoheit auch in Zukunft nicht, vergibt das Deutsche Weininstitut eine große Chance, Werbung für den Wein zu machen. Denn das Medieninteresse an dem Fest ist riesig. Das zeigt schon ein schneller Blick in die sozialen Netzwerke. Außerdem bieten Feste dieser Größenordnung dem Wein die Möglichkeit, aus der elitären Ecke zu kommen, in der er noch immer steht – weit mehr als das ein Messeauftritt am anderen Ende der Welt vermag.