Rheinland-Pfalz
Antisemitisches auf Google Maps: Adresse von Speyerer Synagoge gefälscht
Wer in den vergangenen Tagen in dem elektronischen Kartendienst nach der „Beith-Schalom“-Synagoge in Speyer gesucht hat, hat dort ein Bild des Doms gezeigt bekommen – und die Adresse „Kristallnacht“
Wer den Inhalt erstellt hat, das hat Google am Mittwoch auf Anfrage nicht mitgeteilt. Den entsprechenden Eintrag hat der Internet-Dienstleister in der Zwischenzeit aber offenbar gelöscht. Die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz war von einer Besucherin der Synagoge auf den diffamierenden Eintrag aufmerksam gemacht worden, so die Gemeinde-Geschäftsführerin Marina Nikiforova. Umgehend habe man sich mit der Bitte an Google gewandt, den falschen Eintrag zur 2011 eröffneten neuen Speyerer Synagoge zu löschen. Seit Mittwochmittag ist er nicht mehr aufzurufen.
Auch Bistum Speyer protestiert
Zwischenzeitlich hatte auch das Bistum Speyer den Konzern zur sofortigen Löschung aufgefordert. „Diesen Google-Eintrag kann man nur als Ausdruck geistiger Verirrung und bösartiger Geschichtsvergessenheit bezeichnen“, so die Bistums-Pressestelle auf Anfrage. Man sehe „den Konzern in der Verantwortung, antisemitischen Äußerungen im Internet keinen Raum zu geben“. „Kristallnacht“ ist die nationalsozialistische Bezeichnung für die Pogromnacht am 9. November 1938. Bei den Novemberpogromen waren in Deutschland insgesamt mindestens 800 Juden ermordet und rund 1400 jüdische Einrichtungen zerstört worden. Die Ereignisse gelten als Auftakt zur systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden.
Google: Keine Äußerung zu Einzelfällen
Ob ein Nutzer oder ein Mitarbeiter des Kartendienstes den entsprechenden Eintrag angelegt hat, dazu wollte der Konzern auf Nachfrage ebenfalls keine Angabe machen. Man äußere sich nicht zu Einzelfällen, so Google am Mittwoch. Das Verbreiten falscher, diffamierender oder beleidigender Nutzer-Inhalte auf den Google-Plattformen verstoße allerdings gegen die Richtlinien des Unternehmens, so der Konzern.
Bei der Überprüfung geschlampt?
Nutzer des Kartendienstes können online selbst Änderungen auf der elektronischen Plattform vorschlagen. Diese werden laut Hilfe-Webseite des Unternehmens allerdings von Google vor der Veröffentlichung überprüft – in dem Fall offensichtlich nicht genau genug. Welcher Nutzer den Eintrag erstellt hat, das könnte das Unternehmen dabei durchaus feststellen: Denn wer als Privatnutzer Informationen auf Google Maps hinterlegt, muss sich dafür mit seinem Google-Konto anmelden.