Rheinland-Pfalz Aber hallo!

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Hand aufs Herz: Wenn Sie in einen Bus oder in die Straßenbahn einsteigen, grüßen Sie da die anderen Fahrgäste? Grüßen Sie die unbekannten Leidensgenossen, wenn Sie das Wartezimmer ihres Arztes betreten? Und was ist, wenn Sie einen Fahrstuhl betreten, in dem schon zwei fremde Männer mit Aktentasche stehen? Es gibt Menschen, die gerne oder aus Höflichkeit grüßen. Und solche, denen das offenbar peinlich ist. Am allerbesten lässt sich dies im Wald studieren. Auf einem engen Pfad ist die Begegnung unausweichlich und kommt doch nicht unerwartet. Meist bleiben ein paar Sekunden Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Doch wer grüßt wen zuerst? Und was passiert, wenn niemand grüßt? Die Miesepeter Man kämpft sich bergan. 300 Höhenmeter hat man schon. Zum Gipfel ist es noch gut eine halbe Stunde. Kurze Pause zum Verschnaufen. Oben kommt ein Wanderer in Sicht, der bergab läuft. Den Blick unentwegt auf den Boden gerichtet. Nun ja, etwas uneben ist der Weg schon. Noch 20 Meter. Kein Blickkontakt. Man überlegt: Vielleicht hat er schlechte Laune? Vielleicht ist sein Hund gerade gestorben? Noch zehn Meter, immer noch kein Blickkontakt. Vielleicht hat ihn seine Frau verlassen? Vielleicht aber war auch nur die Hüttensuppe oben im Pfälzerwald-Haus schon aus? Noch fünf Meter, kein Blickkontakt. Oder ist er einfach nur ein Miesepeter? Aber warum geht er dann in den Wald? Gleiche Höhe, der Blick des Mannes bleibt am Boden. Man sagt laut: „Guten Tag“. Nichts. Im Nachhinein denkt man sich: Vielleicht macht es dieser Wanderer auch nur wie einst Till Eulenspiegel: „Jetzt, wo es bergauf geht, bin ich fröhlich, weil ich weiß, dass es nachher wieder bergab geht. Und darauf freue ich mich schon! Nachher aber, wenn ich den Berg runter laufe, wird meine Laune schlechter. Denn ich weiß, der nächste Berg wartet und dann muss ich mich wieder anstrengen!“ Demnach dürften Miesepeter im Pfälzerwald freilich nur bergab unterwegs sein ... Die Überraschten Eines der seltenen offenen Wiesentäler im Pfälzerwald. Der Weg verläuft direkt am Bach entlang. Idylle. Drei Frauen kommen einem entgegen, man hört sie schon von weitem lachen und reden: „Also mit dem Bert, das ging gar nicht mehr...“ Aha. Die drei sind mit sich beschäftigt. Wald, Bach und andere Wanderer sind Nebensache. Noch zehn Meter, noch fünf. „Guten Tag“, sagen wir. Die drei Frauen blicken überrascht herüber. Und grüßen gut gelaunt zurück: „Schönen Tag.“ Man denkt: Vermutlich ans tägliche U-Bahn-Fahren gewöhnte Städterinnen, die der Sonntagsausflug ausnahmsweise in den Wald verschlagen hat. Ob sie lernfähig sind? Mal sehen. Die Glücklichen Der Entspannungsweg mit ganz viel Abendsonne. Biegung für Biegung Urlaubsstimmung. Um die Ecke kommt ein junges Elternpaar, sie mit Babytrageam Bauch. Vom Kind ist nichts zu sehen, es ist gut eingehüllt. Und doch schauen die Elternaugen unablässig dorthin, wo wohl das Babyköpfchen an der Mutterbrust ruht. Fürsorglich, liebevoll. Die Welt umarmend – aber jetzt gerade diese Welt überhaupt nicht wahrnehmend. Es gibt ja so viel Wichtigeres. „Grüß Gott“, sagen wir. Ein kurzer Augenaufschlag. Es ist ungewiss, ob die beiden tatsächlich etwas registriert haben – oder einfach durch uns hindurchsehen. Bis zum Horizont und glücklich bis in die Nasenspitzen. Das ist der schönste unausgesprochene Gruß, den es gibt ... | Rolf Schlicher

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