Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel 2001: In Zweibrücken öffnet größte Outlet Deutschlands

Ein Dorf ausLadenzeilen Das Zweibrücker Outlet zählt bisher 120 Geschäfte. Die Betreiber wollen es um 40 erweitern.
Ein Dorf ausLadenzeilen Das Zweibrücker Outlet zählt bisher 120 Geschäfte. Die Betreiber wollen es um 40 erweitern.

Für die Besitzer ist das Zweibrücker Outlet-Center zur Goldgrube geworden, für die Südwestpfalz bietet es 1250 Arbeitsplätze.

Das schottische Dorf Gretna Green war 200 Jahre lang erste Adresse für heiratswillige Ausreißer und Minderjährige. Der Dorfschmied schloss gültige Ehen, ohne Papiere zu verlangen. Joschka Fischer heiratete auch mal dort.

Ab 1999 sollten die Briten mit dem Namen Gretna Green etwas Neues verbinden: einkaufen. In einem Dörfchen aus lauter Ladenzeilen, einem Fabrikverkaufszentrum auf der grünen Wiese, in einem Outlet. Das war damals selbst für Großbritannien ziemlich neu. Eine Londoner Firma eröffnete mit dem „Gretna Gateway“ ihr erstes Outlet. Es sollte zum Modell für große Outlets in Europa und das größte in Deutschland werden, das ausgerechnet in Zweibrücken entstehen sollte.

Prinzessin Anne lässt warten

Schottland geizt im September 1999 mit seinen Reizen nicht: Als bei der Eröffnung Prinzessin Anne, die Tochter von Königin Elisabeth, Schulkinder, Dudelsackbläser, Offizielle und den Mann von der RHEINPFALZ auf ihr Aufkreuzen warten lässt, bläst erst ein steifer Wind, dann kübelt es, was die Wolken hergeben.

Genau an diesem Tag legen sich die Investoren aus London, die lange aus dem Verborgenen heraus agierten, fest: Noch im Oktober 1999 soll der Bau des Outlets Zweibrücken beginnen, im Sommer 2000 soll es fertig sein. Das war etwas zu ehrgeizig. Aber am 8. März 2001 öffnete das Designer Outlet Zweibrücken, vom Volksmund schnell zum Doz gemacht, seine Pforten. Das englische Königshaus war nicht vertreten, aber die rheinland-pfälzische Politprominenz.

Vier-Säulen-Modell

Das Outlet sollte eine tragende Säule im Vier-Säulen-Modell werden, mit dem die Landesregierung den enormen Verlust von Arbeitsplätzen durch den Abzug der US-Soldaten aus Zweibrücken auszugleichen versuchte. Das glückte. Das Outlet brummte vom ersten Tag an und bietet heute 1250 Menschen Arbeit. Die Kundschaft ist zahlungskräftig, recht jung und eher schlank. Das Angebot passt dazu. Zweibrücker, die eher in XXL-Klamotten rumlaufen, und Zweibrückerinnen, die den 36/38/40er-Bereich hinter sich gelassen haben, ziehen im Zweifel die Boutiquen oder das C&A in der Zweibrücker Fußgängerzone oder einen Einkauf in der Nachbarstadt dem Outlet vor.

Riesiges Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet des ältesten und größten Outlets Deutschlands ist riesig. Fast ein Viertel der Besucher spricht französisch, denn nach Frankreich sind’s nur acht Kilometer, nach Luxemburg 100. An Wochenenden und in den Ferien kommen Kunden aus halb Deutschland in die südwestlichste Südwestpfalz. Das Outlet will jezt noch einmal um 40 Geschäfte zulegen – auf dann 160 Läden. Und es rentiert sich: Die Briten, die es aufgebaut hatten, verkauften es vor zehn Jahren für 110 Millionen Euro nach Spanien. Die Spanier wiederum machten es vor drei Jahren zu Gold – durch einen Weiterverkauf für 600 Millionen Euro an eine britisch-niederländische Gesellschaft.

75 Jahre RHEINPFALZ

DIE RHEINPFALZ feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag, 365 Tage lang. In diesem Kalender erinnern wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.

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