rheinland-Pfalz Sanierung des Mainzer Landtags kostet 73 Millionen

Der Landtag von Rheinland-Pfalz: fast sechs Jahre lang saniert. Der Ludwigshafener Architekt Linus Hofrichter setzte recycelte A
Der Landtag von Rheinland-Pfalz: fast sechs Jahre lang saniert. Der Ludwigshafener Architekt Linus Hofrichter setzte recycelte Aluminiumrahmen, helle Eiche und Sandstein ein.

Lässt es Corona zu, dann tagen die Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Parlaments im September erstmals wieder im rundum sanierten Deutschhaus – nach sechs Jahren Exil zwischen Römersteinen im Landesmuseum. Die Mehrkosten erklärt Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) unter anderem mit der Pandemie.

Äußerlich leuchtet das barock verspielte historische Deutschhaus in Mainz am Rhein in einem satten dunklen Rot-Ton. „Wenn man durch die Pforte eintritt, ist man in einer anderen Welt“, findet Landtagspräsident Hendrik Hering. Der neue Plenarsaal und die angrenzenden Räume in dem Gebäude von 1740 sind hell und modern. Die im Dezember 2015 begonnene allererste grundlegende Sanierung des Parlamentsgebäudes steht kurz vor dem Abschluss – bis auf das Dach und die Außenwände ist alles neu. Der Umzug ist im August geplant. Der Ludwigshafener Architekt Linus Hofrichter spricht von einem der schönsten Landtagsgebäude in Deutschland.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört

Das im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstörte Deutschhaus war Anfang der 1950er Jahre in nur 150 Tagen zum Landtagsgebäude hochgezogen worden. Fehlender Brandschutz, technische Unzulänglichkeiten, keine Barrierefreiheit und zu wenig Platz für die rund 30.000 Besucher pro Jahr hatten die Sanierung notwendig gemacht.

Der schlechte Zustand der Fassade, der Fund antiker Münzen, der nahe Rhein, Baukostensteigerungen von fast 18 Prozent – und nicht zuletzt die Corona-Pandemie haben die Sanierung in die Länge gezogen, wie Hering und Hofrichter sagen. Zugleich kletterten die ursprünglich angenommenen Kosten von rund 55 Millionen Euro für Bau, Nebenkosten und die Einrichtung auf etwa 73 Millionen. Unter dem Anstrich des Deutschhauses waren alte Renovierungsfehler und unerwartet hohe Schäden zum Vorschein gekommen – sie sorgten für fast zwei Millionen Euro zusätzlicher Kosten.

Unbekannten Kriechgang entdeckt

Ein bis dahin unbekannter Kriechgang zwischen den beiden Kavaliersgebäuden vor dem Deutschhaus habe die letzte Verzögerung verursacht: Das Gewölbe musste abgesichert werden, bevor das Fundament für das Tor gegossen werden konnte. In dem Gebäude von 1740 tagte einst die frei gewählte Mainzer Republik: Der kurzlebige Freistaat (von März bis Juli 1793) gilt als erste Demokratie auf deutschem Boden.

Eiche, Sandstein und grauer Muschelkalk

Architekt Hofrichter hat im Inneren vor allem auf vier Materialien gesetzt: helle Eiche, Sandstein, recycelte Aluminiumrahmen in Beige-Metallic und für die Böden grauer Muschelkalk. Nur im Plenarsaal liegt – auch aus Schallschutzgründen – grauer Teppich um ein Rondell aus Muschelkalk. Dazu kommt viel Glas, auch auf der Balustrade des Plenarsaals mit einer eigenen Bank für Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter.

Eine Würdigung der Historie des Gebäudes, gepaart mit modernem Arbeiten, ohne protzig zu sein, sagt Hofrichter. „Das ist eine Architektur, die einen 30, 40 Jahre begleiten kann.“ Die Sanierung passe zu den bodenständigen und selbstbewussten Rheinland-Pfälzern, so Hering.

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