MAINZ
Kita-Öffnung in Rheinland-Pfalz: „Nicht das, wovon Eltern träumen“
Die Kitas sollen für möglichst alle Kinder öffnen, werden jedoch in vielen Fällen ein nur tage- oder stundenweises Angebot machen können. Dies sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Zuvor hatten sich Landesregierung, Kommunen, Kirchen, Gewerkschafter und der Landeselternausschuss auf Leitlinien für einen „eingeschränkten Regelbetrieb geeinigt“. Was auf Grundlage dieser Vorgaben geht und was nicht, soll vor Ort von den Trägern entschieden werden.
Die Beteiligten zeigten sich mit dem Papier zwar hoch zufrieden, warnten jedoch vor zu großen Erwartungen: „Was hier vorgelegt wird, ist nicht das, wovon Eltern träumen“, sagte Andreas Winheller, Landeselternsprecher der Kitas. Mehr sei jedoch nicht verantwortbar. Es werde Enttäuschungen bei den Eltern geben, mahnte Albrecht Bähr, Sprecher der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz.
Infektionsschutz weiter an erster Stelle
Der Alltag werde noch über Monate von der Infektionsgefahr geprägt, heißt es in den Leitlinien. Dennoch müssten sich die Kitas weiterhin am dreifachen Auftrag Bildung, Erziehung und Betreuung orientieren. Die Eltern sollten sich darauf verlassen können, das sie nicht alleine gelassen werden. Allerdings stehe der Infektionsschutz weiterhin an erster Stelle. Das bedeute: Was eine Kita vor Ort anbieten könne, hänge vom (auch regionalen) Infektionsgeschehen, vom jeweils verfügbaren Personal und von den vorhandenen Räumlichkeiten ab.
Mit dieser Einschränkung werden in dem Papier die folgenden Ziele formuliert: Ab Anfang Juni soll wieder jedes Kind die Möglichkeit bekommen, eine Kindertageseinrichtung zu besuchen. Was „Anfang Juni“ bedeutet, erklärte die Bildungsministerin so: Da jede Einrichtung vor Ort Zeit für die Vorbereitung brauche, sei „Anfang Juni“ der Zeitraum bis 8. Juni.
Notbetreuung soll bleiben
Vorrangig berücksichtigt werden alle Kinder, die nach den Sommerferien in die Schule gehen. Sie sollen auf den Übergang vorbereitet werden und zum Beispiel die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln einüben. Auch die bisherige Notbetreuung soll aufrechterhalten werden. Das bedeutet: Alleinerziehende Eltern und Familien, in denen beide Elternteile voll berufstätig sind, sollen bevorzugt berücksichtigt werden. Nach Angaben des Ministeriums sind zurzeit landesweit elf Prozent der Kita-Kinder in der Notbetreuung. Als weitere Ziele enthalten die Leitlinien: Neuaufnahmen von Kindern sollen im Rahmen vorhandener Kapazitäten wieder möglich gemacht werden.
Pro Gruppe maximal 15 Kinder vorgesehen
Was die Ausgestaltung des Kita-Alltags betrifft, sieht das Papier eine Gruppengröße von maximal 15 Kindern vor. Wenn in einer Gruppe vor allem Kinder unter drei Jahren betreut werden, liegt diese Grenze bei zehn Kindern. Ein wichtiger Grundsatz: Die einzelnen Gruppen und die dazugehörigen Betreuungskräfte dürfen sich zu keinem Zeitpunkt begegnen. So soll das Ansteckungsrisiko begrenzt werden.
Wie vor diesem Hintergrund ein Gesamtangebot organisiert werden kann, soll den Leitlinien zufolge für jede Kita vor Ort entschieden werden. Dabei sind zum Beispiel tage- oder stundenweise Angebote „im Schichtbetrieb“ denkbar. Ausgeweitet werden sollen nach Möglichkeit die Raumkapazitäten, indem eine Kita auch Gemeindehäuser oder Pfarrzentren mitbenutzt. Auch könnten die Außenanlagen systematisch in die Gruppenplanung einbezogen oder Waldgruppen eingerichtet werden.
Einsatz von Hilfskräften möglich
Abstandsregeln werden in den Kindergartengruppen nicht gelten. Eltern müssen sich beim Abliefern des Nachwuchses an die allgemein geltenden Regeln (Masken) halten. Ob das Betreuungspersonal Masken trägt, wird vor Ort entschieden. Personal, das von einer Covid-19-Erkrankung besonders gefährdet ist, muss nicht vor Ort arbeiten. Die Träger können als Verstärkung auch Hilfskräfte engagieren, die für die Kinderbetreuung nicht voll qualifiziert sind.