Landtagswahl 2021
Katharina Binz holt das erste grüne Direktmandat im Land
Am Tag danach ist Katharina Binz das Staunen am Telefon immer noch anzuhören. Mit 29,6 Prozent der Erststimmen holte sie das Direktmandat im Wahlkreis Mainz I – knapp vor Johannes Klomann von der SPD mit 29,2 Prozent. „Dieser Wahlkampf war einfach so, dass man gar kein Gefühl bekommen konnte, ob es reicht oder nicht“, sagte Binz. Den Wiedereinzug in den Landtag hätte sie so oder so geschafft, denn ihr Name stand auf Platz fünf der Landesliste.
Arbeitet sich gründlich in ihre Themen ein
Im Frühling 2017 wurde Binz als Nachrückerin für die frühere Grünen-Frontfrau Eveline Lemke Landtagsabgeordnete. Sie hat sich einen Namen gemacht als Abgeordnete, die sich gründlich in ihre Themen einarbeitet. Die Liste ihrer Zuständigkeiten ist lang: Wissenschaft und Hochschule, Weiterbildung und Forschung, Kultur, Integration, Gesundheit und Pflege, um nur eine Auswahl zu nennen. Ihre Reden sind fundiert, aber keine rhetorischen Feuerwerke.
Das waren sie schon nicht, als Binz noch Co-Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Grünen war – von 2013 bis 2017. Nach der verlorenen Landtagswahl 2016, als die Partei um mehr als zehn Prozentpunkte auf 5,2 Prozent abgerutscht war, hatte sie das Amt aufgeben wollen. Ein Jahr zuvor war sie nur knapp als Parteichefin bestätigt worden. Damals hätte es mit der politischen Karriere schon vorbei sein können. Doch es fand sich keine adäquate Bewerberin, also trat Binz erneut an. Gegenüber ihrer Zeit im Landesvorstand hat Binz inzwischen an Format gewonnen.
Sie wird als Ministerin gehandelt
Geboren in Zell an der Mosel, hat sie in Mainz Politikwissenschaft und Philosophie studiert und ist seit jungen Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Wegen ihrer fundierten Fachkenntnisse wird Katharina Binz, die Mutter einer zweijährigen Tochter ist und mit ihrer Familie in Mainz lebt, als Ministerin gehandelt. Die Grünen stellen derzeit mit Anne Spiegel nur eine Ministerin für zwei Ministerien – Integration und nach dem Rücktritt von Ulrike Höfken auch Umwelt. Auf die Frage, ob sie sich ein Ministeramt vorstellen kann, sagte Binz am Montag ganz offen: „Darauf will ich jetzt keine Antwort geben.“ Eine Absage klingt anders.