Influenza RHEINPFALZ Plus Artikel Grippeviren sind derzeit chancenlos

Die echte Grippe zwingt einen sofort in die Knie – anders als ein grippaler Infekt.
Die echte Grippe zwingt einen sofort in die Knie – anders als ein grippaler Infekt.

Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und Gesichtsmasken halten in diesem Winter offenbar die Grippeviren in Schach. Eine Influenzawelle ist bislang nicht zu erkennen. Gesundheitsexperten sehen dennoch Handlungsbedarf.

Das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz hat in dieser Saison in Rheinland-Pfalz erst 28 Grippefälle registriert: Im Dezember 2020 wurden demnach von den Gesundheitsämtern 25 Fälle gemeldet, seit Anfang des Jahres waren es nach Angaben des LUA gerade mal drei Influenzafälle. Zum Vergleich: Im Dezember 2019 lag die Anzahl der Grippepatienten bei 141, im Januar 2020 kamen 1170 Fälle hinzu.

In diesem Jahr eine Sorge weniger

Derzeit zirkulieren in Rheinland-Pfalz vor allem Schnupfen- und Corona-Viren. Sonst gilt die Faschingszeit immer als gefährliche Ansteckungszeit, da sich in überheizten und überfüllten Sälen Grippeviren sehr gut weiterverbreiten. In diesem Jahr haben die Grippeexperten wegen des Lockdowns eine Sorge weniger. Dennoch nehmen das LUA und das Robert-Koch-Institut (RKI) die echte Virusgrippe auch in dieser Saison ernst.

„Dass derzeit kaum Grippeviren grassieren, belegen auch die Daten aus den Sentinelpraxen“, sagte LUA-Sprecher Achim Ginkel am Mittwoch auf Anfrage. In Rheinland-Pfalz seien seit der 40. Kalenderwoche 1460 Abstriche aus diesen Praxen im Labor untersucht worden: „In 122 dieser Proben wurden Sars-CoV-2-Viren gefunden. Es wurden aber überhaupt keine Influenzaviren entdeckt.“

Wie das Frühwarnsystem funktioniert

Bundesweit gibt es nach Angaben des RKI 689 Sentinelpraxen. Das sind Arztpraxen, die während der Grippesaison Daten für die Arbeitsgemeinschaft (AG) Influenza des RKI sammeln: Rund 100 von ihnen schicken regelmäßig Proben von Patienten mit Grippesymptomen ein, die auch auf Corona untersucht werden. Das Frühwarnsystem soll dabei helfen, Grippewellen frühzeitig zu erkennen und Pandemien vorzubeugen.

Welchen Aufwand muss so eine Sentinelpraxis betreiben? Nach Auskunft des RKI hält sie täglich fest, wie viele erkältete Patienten ihren Hausarzt aufgesucht haben und aus welcher Altersgruppe sie waren. Auch die Gesamtzahl der Patientenkontakte wird registriert. Außerdem wird wöchentlich dokumentiert, wie viele Patienten mit Atemwegserkrankungen krankgeschrieben wurden, wie viele in die Klinik mussten und wie viele starben. Diese Informationen werden dann von der AG Influenza ausgewertet und veröffentlicht.

Für wen eine Grippeimpfung empfohlen wird

Auswertungen des RKI ergaben, dass nur in der Grippesaison 2001/02 bis zum Jahresende kein einziger Influenzafall in den Sentinelpraxen nachgewiesen wurde. LUA-Sprecher Ginkel weist darauf hin, dass derzeit die Influenza-Aktivität weltweit niedrig ist: „Es gibt deutlich weniger Grippekranke als im vergleichbaren Zeitraum der Vorjahre.“ Dass die aktuellen Corona-Hygienemaßnahmen auch andere Infektionskrankheiten im Zaum halten – davon kann man laut LUA ausgehen. Der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 hat die saisonale Grippewelle vermutlich verkürzt. Gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie rät die Ständige Impfkommission, sich weiterhin gegen Grippe impfen zu lassen. Dies gelte vor allem für Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, besonders schwer zu erkranken: Senioren, chronisch Kranke jeden Alters, Schwangere sowie Bewohner von Altenheimen. Auch das Pflegepersonal sollte sich laut RKI gegen Grippe impfen lassen, um sich und andere zu schützen.

Woran sich die echte Grippe erkennen lässt

Obwohl die Corona-Pandemie momentan alles überlagert, sollte der Schutz vor der Influenza nach Ansicht der Gesundheitsexperten nicht in Vergessenheit geraten. Die Grippe bleibe eine schwerwiegende Erkrankung, die eine lebensbedrohliche Lungenentzündung auslösen könne.

Laut LUA unterscheidet sich die echte Virusgrippe, die Influenza, von einem grippalen Infekt durch die Schwere der Symptome. Anders als eine normale Erkältung, die sich meist relativ harmlos durch ein Kratzen im Hals ankündigt, beginnt die Grippe schlagartig. Betroffene werden von den Influenzaviren sofort in die Knie gezwungen. Sie bekommen hohes Fieber, sind schlapp, haben starke Kopf- und Gliederschmerzen sowie trockenen Husten. Schnupfen bekommen sie eher selten. Grippekranke fühlen sich oft bis zu drei Wochen lang ausgelaugt und erschöpft.

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