Pfalz
Pfälzerwald: Neues Wegekonzept steht – diese Wanderrouten werden verschwinden
Das zukünftige Wegenetz für den Pfälzerwald ist nach über einem Jahr Debatte endlich beschlossene Sache. Mittlerweile gibt es ein Konzept, auf das sich der Pfälzerwaldverein (PWV) und der Bezirksverband Pfalz mit dem dazugehörigen Biosphärenreservat einigen konnten. Nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass das PWV-Wegenetz um 40 Prozent schrumpfen soll, wurde lange emotional über dessen Zukunft gestritten. Dass durch diese Entscheidung die Axt an die Grundpfeiler des PWV angelegt wird, sieht mittlerweile niemand mehr im Verein so. „Mit dem jetzt vorgelegten Konzept bin ich zufrieden“, sagt PWV-Präsident Martin Brandl. Ebenso stünden seine Wegewarte dahinter – sie haben in den vergangenen Monaten mit Planungsbüros aus Köln und Landau an einem tragfähigen Wegenetz für die Zukunft gearbeitet. Jetzt steht fest, welche Wege in Zukunft wegfallen sollen.
Keine Wanderwege durch Kernzonen mehr
Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Naturschutz und einer vereinfachten Wegelenkung, erklärt PWV-Hauptwegewart Gerhard Bohl. Bereiche wie etwa die Kernzonen des Biosphärenreservats sollen in Zukunft nicht mehr von Wanderwegen durchschnitten werden. Dort soll sich die Natur ungestört von menschlichen Einflüssen entfalten können. An anderen Stellen wird das Wegenetz schlicht vereinfacht. Wege, die parallel zueinander existierten, werden zusammengelegt sowie einige verschiedenfarbige Markierungen, die mancherorts für Verwirrung sorgten, abgeschafft. „Uns war es wichtig, die Besucherströme mit dem neuen Wegenetz an die touristisch wertvollen Orte und die Pfälzerwaldhütten zu leiten“, sagt Bohl. Die neue Wegeführung solle zudem die Region als Ganzes stärker im Blick haben und der Tourismus dort in Zukunft auch stärker beworben werden, fügt PWV-Präsident Brandl hinzu.
Diesen Vorgaben haben die Planer mit den Wegewarten nun Rechnung getragen. Ebenso der Tatsache, dass es in den vergangenen Jahren immer weniger freiwillige Helfer gab, die sich für die Erhaltung und Pflege der Wanderwege einsetzten. Auch deshalb entschloss man sich, das Wegenetz von rund 3100 Kilometern auf nur noch 1800 Kilometer zu schrumpfen. Und dennoch: Manche Entscheidung hat Hauptwegewart Bohl durchaus geschmerzt. „Dass etwa die schönen Strecken durch die Kernzone zwischen Hermersbergerhof und Merzalben wegfallen, macht mich schon ein wenig traurig – ebenso die blau-weiße Route von Bad Kreuznach nach Süden bis zur französischen Grenze.“
Was passiert mit gestrichenen Wanderwegen?
Doch was passiert mit den Wegen, die der PWV aus seinem Wegenetz streicht? „Die werden nicht von heute auf morgen verschwinden“, sagt Bohl. Bis das neue Wegenetz seine Markierungen erhalte und die alten Markierungen entfernt werden, würde es ohnehin noch etwas dauern. Manche Wanderwege werde man auch nach der Neustrukturierung laufen können, wenn man über entsprechende GPS-Daten verfüge. Darüber hinaus gibt es noch weitere Alternativen. „Einige Wege werden der Natur überlassen, andere könnten aber umfunktioniert werden – zum Beispiel als Mountainbikestrecken.“ Letzteres sieht Bohl jedoch kritisch, da die Belastung für die Umwelt auf diesen Routen dann eher noch steige. Dem Vorhaben des PWV, der Natur auch Räume zurückzugeben, würde dies aus seiner Sicht zuwiderlaufen.
Einen konkreten Zeitraum, in dem bestehende Wanderwege neu- und gestrichene Routen demarkiert werden sollen, gibt es noch nicht. Das liege auch daran, dass noch die Finanzierung des Projekts abschließend geklärt werden muss, sagt der Vorsitzende des Bezirksverbands Pfalz, Theo Wieder. Grundsätzlich könne das Projekt mit Geldern aus einem Tourismus-Fördertopf des Landes Rheinland-Pfalz bezahlt werden, sagt Wieder. Deshalb sei noch in dieser Woche ein Gespräch mit dem zuständigen Wirtschaftsministerium geplant. Darin soll es auch gehen, ob das Ministerium mit der Neukonzeption einverstanden ist und welche weiteren Maßnahmen für die Förderung eventuell notwendig seien. Dazu zählt zum Beispiel die Frage, ob die in Zukunft noch bestehenden Wanderwege eine Zertifizierung benötigen. „Ich gehe aber grundsätzlich davon aus, dass unser Konzept auch so umgesetzt werden kann“, sagt Wieder. Sollten alle Fragen zur Förderung geklärt sein, möchte Wieder die betroffenen Verbandsgemeinden bei der Umsetzung mit ins Boot holen. Dann gehe es darum, welche Arbeiten die Verbandsgemeinden oder freiwilligen Helfer des PWV übernehmen können und welche gegebenenfalls an eine Fremdfirma vergeben werden müssen. Bis es so weit ist, davon gehen Wieder und Brandl aus, wird es aber noch bis Ende 2023 dauern.
