Elmsteiner Tal
Burgruine Spangenberg: Tiny House für Kaufmann und Stutmeister
Vier solcher Kleinburgen säumen das vom Speyerbach durchflossene Elmsteiner Tal. Sie belegen, dass alle größeren Territorialherren der Region hier, an einem der Verbindungswege zwischen Rheinebene und Kaiserslautern, symbolische Präsenz zeigen wollten. Burg Elmstein gehörte den Pfalzgrafen, Erfenstein den Grafen von Leiningen, Spangenberg dem Hochstift Speyer. Letzteres galt ursprünglich wohl auch für Breitenstein, doch ab dem 14. Jahrhundert befand sich diese Burg de facto im Besitz der Grafen von Sponheim.
Frühe Gründung? Oder späte Burg?
Glaubt man Philipp Simonis und Wilhelm Eysengrein, zwei Speyerer Chronisten des 16. Jahrhunderts, existierte Burg Spangenberg bereits um das Jahr 1100. Indes weist das, was sich an originaler Bausubstanz erhalten hat, mit seinen gotischen Stilmerkmalen eher ins späte 13. und 14. Jahrhundert. Zu dieser Beobachtung passt, dass die älteste erhaltene Urkunde zu „huss Spangenberg“ von 1317 datiert: Damals belehnte der Speyerer Bischof den Ritter Dietrich Zoller mit der Burg und trug ihm auf, 300 Pfund Heller in der Anlage zu verbauen.
Baumaßnahmen im 14. Jahrhundert
Diesem Auftrag dürfte sich die markante äußere Tor-Schildmauer verdanken, die für die Silhouette von Spangenbergs Oberburg so charakteristisch ist. Die zusätzliche Wehrarchitektur verstärkte nicht nur die bereits vorhandene Schildmauer des Wohnbaus auf dem Felsplateau, sondern gestattete überdies, den ursprünglichen Burggraben anders zu nutzen. Hier entstand in späterer Zeit zum Beispiel ein achteckiger Treppenturm, der aus der mittleren Burg-Etage empor zum Wohnbau führte. Auf Zeichnungen aus der Zeit um 1830 ist der kleine Wendeltreppenturm, der 1920 ersten Erschließungsmaßnahmen zum Opfer fiel, ebenso noch zu sehen wie der Ausgusserker über dem Spitzbogenportal der äußeren Schildmauer, von dem heute nur noch die Konsolsteine vorhanden sind.
Jüdischer Speyerer als Burgherr
Große Geschichte wurde auf Spangenberg nicht geschrieben, aber dafür außerordentliche. Denn 1385 geschah, was im starren, restriktiven System der mittelalterlichen Ständegesellschaft eigentlich undenkbar war: Ein Jude aus Speyer, Kaufmann von Namen und Profession, erhielt die kleine Burg über dem Speyerbach zu Lehen. Zwar nur auf sechs Jahre, aber in dieser Zeit kam der jüdische Kaufmann immerhin in den Genuss aller Naturalien-Einkünfte der Burg, inklusive der Fasnachtshühner, mit denen Kloster Lambrecht Spangenberg zu versorgen hatte. Erklären lässt sich dieser in der Burgengeschichte ansonsten beispiellose „Deal“ nur damit, dass das Bistum Speyer zu diesem Zeitpunkt offenbar völlig bankrott war und dringend einen Geldgeber brauchte.
Sage von der ledernen Brücke
Eine weitere kuriose Story gehört ins Reich der Sage. Demnach waren der Ritter von Spangenberg und der Ritter von Erfenstein ziemlich beste Freunde. Um schneller zueinander zu gelangen, hatten die Kameraden, so die Legende, eine lederne Brücke zwischen ihren beiden Burgen gespannt. Doch eines Tages, „als der Wein ihre Köpfe etwas zu stark erhitzt hatte“, gerieten die Ritter in Streit. Der Spangenberger griff zum Schwert, der unbewaffnete Erfensteiner floh über die lederne Brücke, kaum hatte er deren Mitte erreicht, kappte der zum Feind mutierte Freund die Riemen – der Erfensteiner stürzte in den Tod.
Zerstörung in der Weißenburger Fehde?
Bloß ein Märchen, das mit der engen Nachbarschaft der Burgen spielt? Eventuell reflektiert die Sage reale Auseinandersetzungen des späten 15. Jahrhunderts, die aus dem bis dato friedlichen Gegenüber im Elmsteiner Tal ein feindliches Gegeneinander machten. Denn im Zuge der Weißenburger Fehde – der Herzog von Pfalz-Zweibrücken und die Grafen von Leiningen lagen im kriegerischen Clinch mit dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich I. – wurde 1470 die leiningische Burg Erfenstein von kurpfälzischem Militär zerstört. Da der damalige Bischof von Speyer, Matthias von Rammung, gleichzeitig kurpfälzischer Kanzler war, gehörte Spangenberg zur Gegenseite. Dass die Leininger prompt entsprechende Rache nahmen, legt eine Notiz aus einem Speyerer Kopialbuch von 1480 nahe, wonach „unseres Stifts Festung Spangenburg, darin etliche Jahre kein Mensch gewohnet, öde und wüst gestanden ist“.
Spangenberg wird zum Gestüt
Das Ende war das noch nicht. Spangenberg wurde instandgesetzt. Aber da die Burg militärisch ohnehin nur von marginaler Relevanz war, verzichtete man darauf, sie feuerwaffentauglich auszubauen, und wandelte sie stattdessen um – in ein Gestüt. Südwestlich der Burg wurde eine große Pferdekoppel angelegt, der „Stutgarten“. Fragmente der Steinpfeiler, die zu seiner Umzäunung gehörten, liegen heute noch im Wald verstreut. Ein Teilabschnitt des Gatters wurde in der Nähe des Burgbrunnens, einer 1579 gefassten Quelle, rekonstruiert. Statt der bisherigen Burgmannen zogen nun „Stutmeister“ auf Spangenberg ein. Ihre Liste beginnt 1505 mit Franz Hertel und endet 1604 mit Eberhard von Hattstein. Danach versiegen die urkundlichen Nachrichten zum befestigten „Tiny House“ des Hochstifts Speyer. Mutmaßlich im Dreißigjährigen Krieg, spätestens aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es zur Ruine.
Wegweiser
- Burgruine Spangenberg thront über der Kuckucksbähnel-Strecke und dem Örtchen Erfenstein. An der Landstraße, die von Frankeneck nach Elmstein führt, gibt es einen Parkplatz, von dort geht es zu Fuß in etwa zehn Minuten hinauf auf den Burgberg. Die Ruine ist nur zugänglich, wenn auch die Burgschänke geöffnet hat (Sa, So 11-18 Uhr). Die Gaststätte wurde 1979/80 im Areal der Unterburg errichtet, dort, wo früher wohl die Wirtschaftsgebäude der Burg und des Gestüts standen.
- Drei-Burgen-Weg: Eine Rundwanderung von etwa 7 Kilometern Länge verknüpft Burgruine Spangenberg mit Erfenstein und Breitenstein. Genau genommen sind es sogar fünf Burgen. Denn Erfenstein gliedert sich in Alt- und Neu-Erfenstein, Breitenstein in Ober- und Nieder-Breitenstein. Auf der Wanderung kommt man auch am ehemaligen „Stutgarten“ und am Spangenberger Burgbrunnen vorbei. Wegzeichen ist ein stilisierter Turm mit Zinnen.






