Beziehungstipp Gewaltfreie Kommunikation – so kommuniziert man ohne Anschuldigungen

Ab und an bereut man Sätze, die man im Streit gesagt hat. Mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation muss es gar nich
Ab und an bereut man Sätze, die man im Streit gesagt hat. Mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation muss es gar nicht erst zum Streit kommen.

Ohne passiv-aggressive Kommentare streiten kann funktionieren, sagt Paarberaterin Stefanie Ludwig. Diese vier Schritte fördern ein besseres Miteinander.

„Du bist schon wieder unpünktlich“ – so einen Satz haben wohl schon einige ihrem Partner oder ihrer Partnerin an den Kopf geworfen, ohne darüber nachzudenken, was er eigentlich aussagt. Denn darin schwingt eine Bewertung mit. „Oft gibt man sich gegenseitig die Schuld, statt Bedürfnisse zu kommunizieren oder darüber nachzudenken“, sagt Paarberaterin Stefanie Ludwig aus Landau. Doch es geht auch anders, sagt sie. Kommunikation kann auch verbinden. Aber wie funktioniert das und worauf sollte man achten, wenn man sich streitet?

Besseres Miteinander schaffen

Gewaltfreie Kommunikation kann ein Mittel sein, besser miteinander zu kommunizieren. „Viele Menschen haben eine Kommunikation, die eher trennt“, sagt Ludwig. Dem gegenüber steht die gewaltfreie Kommunikation. Dieses Kommunikationsmodell hat der Amerikaner Marshall Rosenberg ins Leben gerufen und es beruhe darauf, Empathie zu fördern und ein besseres Miteinander zu ermöglichen. Wie genau das aussehen kann, hat Rosenberg in vier Schritten zusammengefasst.

Die vier Grundschritte der gewaltfreien Kommunikation

Der erste Schritt dreht sich um die Beobachtung. Das bedeute, dass man nur sagt, was man sieht. „Man fragt nicht: ’Bist du beleidigt?’ Sondern: ’Deine Mundwinkel zeigen nach unten’“, nennt Ludwig. Letzteres beschreibe lediglich die Körpersprache, ohne eine Interpretation oder Bewertung.

Im zweiten Schritt schildert man seine Gefühle oder fragt nach diesen. Man solle versuchen, eine Gefühlssprache zu entwickeln und dabei auf seinen Körper hören. „Meistens haben die Leute nur zwei Wörter für ihren Gefühlszustand: Gut und schlecht. Aber wer verbindend reden will, muss lernen, wie man seine Gefühle ausdrücken kann“, sagt die Paarberaterin.

Paarberaterin Stefanie Ludwig aus Landau.
Paarberaterin Stefanie Ludwig aus Landau.

Als Nächstes sei es wichtig, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und nennen zu können. Das Beispiel vom Anfang – in dem es um Pünktlichkeit geht – zeigt, dass eine Person das Bedürfnis nach Pünktlichkeit hat, die andere Person muss das aber nicht ebenfalls so empfinden. Oft sehe Ludwig in ihren Beratungen auch Paare, in denen jemand das Bedürfnis nach Nähe habe, der andere aber das Bedürfnis nach Freiheit. In der Kommunikation könnten Gefühl und Bedürfnis kombiniert werden. „Es hat einen Effekt, wenn man sagt: ’Ich bin traurig, weil ich mich einsam fühle’. Man sieht, was der andere fühlt“, sagt Ludwig. Dadurch würde klar, was man verändern muss.

Zum Schluss folgt ein Wunsch oder eine Bitte, wie beispielsweise eine Bitte zur Verhaltensänderung, sagt Ludwig – also eine konkrete Handlung. „Die meisten erwarten, dass die Wünsche auch erfüllt werden – aber sie müssen nicht immer erfüllt werden“, sagt die Paarberaterin. Man könne aber darüber sprechen, warum etwas nicht erfüllt wird. Ob beispielsweise unterschiedliche Bedürfnisse vorliegen oder ein Kompromiss gefunden werden muss.

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Ich-Perspektive kommunizieren

Diese Art der Kommunikation aus der Ich-Perspektive führe dazu, dass wir empathischer, ehrlicher und verbindender reden. Das sei aber auch eine zeitintensive Kommunikation, die viel Energie verschlinge. „Es geht nicht immer gewaltfrei“, weiß Ludwig. Um überhaupt in schwierigen Situationen verbindend reden zu können, brauche es viel Übung. Deshalb empfehle Ludwig, zuerst einmal mit sich selbst kommunizieren zu lernen. Denn wenn jemand stark beurteilend mit sich selbst spreche, mache er oder sie das auch mit anderen. „Gewaltfrei kommunizieren lerne ich mit mir selbst“, sagt Ludwig.

Gewaltfreie Kommunikation muss man üben

Hilfe dazu gebe es auch durch Kurse an Volkshochschulen oder in Einzelberatungen bei Ludwig selbst. Ersteres habe sie ebenfalls schon angeboten. Ihr Tipp: Schon fünf Minuten üben am Tag seien ein guter Anfang. Außerdem solle man auch mal nach einem Streit reflektieren, wieso man etwas gesagt hat, was man im Nachhinein bereut und welches Bedürfnis sich dahinter verbirgt. Dann könne man überlegen, was man beim nächsten Mal anders machen könnte. Das könne man dann auch seinem Partner oder seiner Partnerin mitteilen. Aber nicht nur in Partnerschaften sei diese Weise des Redens fördernd. Auch Familien könnten so besser mit ihren Kindern sprechen.

Über die Expertin

Mehr über die Expertin lesen Sie hier: „Beziehungsberaterin Stefanie Ludwig: Über 300 ehrenamtliche Stunden im Jahr“
Stefanie Ludwig arbeitet ehrenamtlich für den Verein „Liebegesund“ in Landau. Wenn Sie selbst Fragen an unsere Expertin haben, schreiben Sie uns an liebe@rheinpfalz.de – Ihre Frage wird in einer der folgenden Kolumnen beantwortet.

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