Beziehungstipp „Schwiegermonster“: Was, wenn die Familie den Partner nicht mag?

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Horrorgeschichten über Familienfeiern mit üblem Ausgang gibt es viele. Ein Konfliktpunkt: die neue Partnerin oder der neue Partner. Was tun, wenn die sich einfach nicht mögen?

Wenn der Partner die Familie nicht mag oder andersrum, ist das sehr anstrengend, findet Beziehungsberaterin Stefanie Ludwig. Allerdings für alle: „Auch ständig Ablehnung zeigen ist anstrengend“, sagt sie. Vor allem sei es für die Person, die „zwischen den Stühlen“ sitzt, besonders hart. Sie empfiehlt, zu versuchen, sich in eine „Forscherhaltung“ zu bringen und erstmal herausfinden zu wollen, warum das eigentlich so ist. Und nicht gleich zu verurteilen. „Klar, das ist leichter gesagt als getan, aber ein verständnisvoller Ton hilft wirklich“, sagt Ludwig.

„Wegen dir ist es so schlimm mit der Familie“

Die möglichen Gründe für eine Ablehnung seien dabei vielseitig: Sie höre beispielsweise immer wieder von Fragen nach unterschiedlichen Religionen, Fleischessen oder politischen Einstellungen. Es können aber auch ganz tief sitzende persönliche Themen sein: „Wenn jemand zum Beispiel die Mutter verloren hat und die Familie des Partners immer streitet, denkt man vielleicht: Ich würde die Zeit mit meiner Mama lieber genießen.“

Ihr Tipp: Gemeinsam Lösungen suchen und finden. Dafür muss man das Problem erst einmal ansprechen. Laut Ludwig am besten ohne Vorwürfe. „Also nicht sagen: Wegen dir läuft es so schlimm! Sondern: Ich finde das schade, dass ich die letzten drei Mal alleine zu meinen Eltern gefahren bin und würde das gerne gemeinsam machen. Wie finden wir eine Lösung?“ Da dürfe man aber auch fordernd sein, etwa: „Ich würde mir wünschen, dass du dir mehr Mühe gibst, dich am Gespräch zu beteiligen.“ Dabei könne man sich Ziele setzen, die nicht gleich morgen erreicht werden müssen. „Man kann ja auch sagen: in einem halben Jahr schaffen wir das.“

Konkrete Vorschläge

Wenn jemand aus der Familie und der Partner oder die Partnerin unterschiedliche politische Einstellungen haben, sei das häufig schwierig. Denn das habe oft mit persönlichen Werten und Grundhaltungen zu tun. Ludwig schlägt dennoch vor, Kompromisse zu schließen, beispielsweise Gesprächsregeln. Bei der Familienfeier nicht über Politik zu reden, könne eine solche Regel sein. Wenn das Thema dennoch angesprochen werde, müsse jemand die Moderation übernehmen. Man könne dann zum Beispiel sagen: „Wir wissen, dass wir unterschiedlich denken, das ist auch gut und wichtig für die Demokratie. Aber können wir bitte das Thema wechseln?“

Bei konkreten Terminen solle man rechtzeitig über mögliche Kompromisse sprechen: Wenn zum Beispiel Weihnachten immer im Streit ende, könne man schon im Herbst überlegen: Wie schaffen wir es, dass es nicht so schlimm wird? Dabei sei es wichtig, das Ganze erst einmal als Paar zu besprechen und dann erst die Vorschläge mit Familie oder Freunden zu teilen. Ideen für Weihnachten: eine neutrale Umgebung wählen, ein Restaurant oder den Weihnachtsmarkt. Oder man könne sich ganz andere Aktivitäten einfallen lassen, wie zu einer Hütte zu wandern. Dinge, die beide Parteien gerne machen.

„Jetzt verbringst du wieder Zeit mit denen“

Dass jemand Freunde oder Familie nicht mag – oder andersherum – sei auch bei ihr in der Beratung häufig Thema. Es sei sinnvoll, sich bei solchen Problemen externe Unterstützung zu holen, sagt Ludwig, da es oft sehr schwierig sei, das Thema neutral anzusprechen. „Wenn das Ganze zu verfahren ist, sollte man auch über Trennung nachdenken“, nennt Ludwig den letzten Ausweg. Gerade bei Menschen, denen Familie und Harmonie sehr wichtig seien, könne das ein Trennungsgrund sein. Doch davor gebe es andere Lösungen, beispielsweise könne man vorschlagen, sich häufiger alleine mit den jeweiligen Freunden oder der Familie zu treffen. Dann müsse aber sicher sein, dass es keine Vorwürfe gebe – nach dem Motto: „Jetzt verbringst du wieder Zeit mit denen.“

Auch wenn es anstrengend ist, klare Kommunikation sei wichtig: „Mein Kumpel mag dich nicht, was machen wir jetzt?“ Ludwig erlebe oft die Situation, dass Menschen in die Beratung kommen, die seit Jahren darunter leiden. „Es ist ein hin und her, sie müssen sich verstellen, erfinden Ausreden und lügen die verschiedenen Parteien an.“ E

s schmerze zwar, zu sagen, „Ihr könnt euch nicht leiden, finde ich schade, aber Lösung finden“, sei aber besser, als sich zu quälen.

Über die Expertin

Mehr über die Expertin lesen Sie hier: „Beziehungsberaterin Stefanie Ludwig: Über 300 ehrenamtliche Stunden im Jahr“
Stefanie Ludwig arbeitet ehrenamtlich für den Verein „Liebegesund“ in Landau. Wenn Sie selbst Fragen an unsere Expertin haben, schreiben Sie uns an liebe@rheinpfalz.de – Ihre Frage wird in einer der folgenden Kolumnen beantwortet.

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