krippeN RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Domkrippe bis zum Krippendorf

Der Pandemie wegen nicht im Gotteshaus zu sehen: einige der Figuren.
Der Pandemie wegen nicht im Gotteshaus zu sehen: einige der Figuren.

Weil als wahr nur gilt, was anschaulich vor Augen liegt, sind Krippen der Versuch, bildlich zu machen, was sich im Grunde niemand vorstellen kann: dass Gott in Gestalt eines kleinen Kindes Mensch wird. Beispiele aus der Pfalz und ein Buchtipp.

Im Dom sind sie pandemiebedingt in diesem Jahr nicht zu sehen. Aber Maria und Josef haben bei Händlern Obdach gefunden: Auch in diesem Jahr sind einige Krippe-Szenen in der Innenstadt von Speyer ausgestellt. Die Eltern des Jesuskinds ziehen wieder ins Schuhgeschäft ein: Zum zweiten Mal nach 2020 wurden Teile der Speyerer Domkrippe nicht im Innern des Gotteshauses aufgebaut, sondern haben bei Händlern, genauer gesagt in deren Schaufenstern, Obdach gefunden. Ein Hirte wartet etwa beim Hörgeräteakustiker.

„Mehrere Tausend Menschen an den Weihnachtstagen, die sich zeitweise auf relativ kleiner Fläche vor der Krippenlandschaft bewegen, das ist angesichts von Corona zu gefährlich“, erläutert Domdekan Christoph Kohl schriftlich, warum auch in diesem Jahr die Heilige Familie in die Stadt zieht. Drei Tage benötigten die Domsakristane Markus Belz und Michael Flörchinger im Schuhgeschäft Bödeker für ihre Arbeit hinter Glas. Der Stall stand bereits Tage vor Heiligabend an seinem Platz, Maria und das Jesuskind vervollständigen das Bild traditionell am 24. Dezember.

Ziel: Freude und Zuversicht verbreiten

Kohl zeigt sich sicher, dass die Krippe für viele Menschen eine große Bedeutung hat und die Szenen Freude und Zuversicht verbreiten. Außer bei Bödeker (Maximilianstraße 64-66) sind Figuren in der Auslage der schräg gegenüber gelegenen Sonnen-Apotheke, im Modehaus Schmitt (Maximilianstraße 15, Richtung Dom) sowie beim Hörgeräteakustiker Leist (Landauer Straße 1, neben der Gedächtniskirche) zu sehen.

In jedem Schaufenster erläutert ein Plakat die Herkunft und Bedeutung der Figuren. In den Geschäften seien zudem Flyer zur Krippe erhältlich. Wer ein Smartphone dabei hat: Über QR-Codes sind ebenfalls Informationen zur Krippe abrufbar.

Actionbound: Rallye durch Bornheim

Ein Actionbound ermöglicht es mittels der gleichnamigen App, eine Gegend spielerisch zu erkunden. Nach der guten Resonanz auf die Storchenrallye im Sommer bietet das Storchenzentrum in Bornheim derzeit eine Krippenrallye an. Im Winter wirbt der südpfälzische Ort nämlich für sich als Krippendorf.

Mehr als 90 Stall-Szenen werden präsentiert, die Schau ist bis 9. Januar geplant. Das Team des Storchenzentrums erläutert, dass der Laufweg für den Actionbound 2,2 Kilometer betrage und an mehr als 45 der Krippen vorbeiführe. „Um die Rallye zu starten, fotografiert man den QR-Code am Krippenfenster des Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrums oder scannt diesen per QR-Code-Scanner ab. Es öffnet sich automatisch die Actionbound-App.“ Vor einzelnen Krippen gebe es kleine Aufgaben oder Aktionen. Wer die App nicht kennt, kann sich vor dem Besuch online informieren.

Besucher bedenken bitte, dass sie in einer besonderen Zeit im Dorf zu Gast sind. Wenn Anstands- und Abstandsregeln gewahrt bleiben, dürfte dem Frischluft-Vergnügen nichts mehr im Wege stehen.

Das Storchenzentrum selbst ist bis einschließlich 4. Januar geschlossen. Die Actionbound-Rallye kann davon unabhängig genutzt werden. Dauer: etwa 90 Min.; der QR-Code befindet sich am »Krippenfenster« des Storchenzentrums in der Kirchstraße 1. Weitere Info: www.pfalzstorch.de, www.bornheim.de

Buchtipp

Christen in der ganzen Welt feiern in diesen Tagen die Menschwerdung Gottes – und nicht nur unzählige Kinderaugen werden wieder durch große oder kleine Krippenlandschaften schweifen. Ausgewählten Weihnachtskrippen in der Pfalz sowie im saarländischen Blieskastel hat Helmuth Bischoff ein reich bebildertes Buch gewidmet. „Weihnachtskrippen in der Pfalz“ sei eine „Einladung zum freudigen Staunen“ über die so unterschiedlich gestalteten Szenerien, schreibt der Autor aus Heidelberg.

Gut verständlich erläutert Bischoff die Geschichte sowie Besonderheiten dieser Darstellungen der Heiligen Familie im Stall zu Bethlehem und vergisst auch nicht, die Besichtigungszeiten zu erwähnen, wobei die aktuellen Öffnungszeiten und Besuchsmodalitäten pandemiebedingt sicherlich aktuell erfragt werden müssen.

Kulturhistorische Bedeutung der Klosterkrippe

Die „Oggersheimer Klosterkrippe“ etwa, die wohl 1845 mit den Franziskanern in die Pfalz kam, hat wegen ihrer kulturhistorischen Bedeutung Eingang ins Buch gefunden: Die beeindruckende Landschaft in der Schloss- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (Oggersheim ist ein Stadtteil von Ludwigshafen) erstreckt sich über mehr als zehn Quadratmeter. Bischoff geht auch auf das Hintergrundbild ein, das Besucher angesichts der Detailfülle im Vordergrund möglicherweise weniger beachten.

Weitere Krippen, die vorgestellt werden, stehen beispielsweise in Speyer (Domkrippe), Hettenleidelheim, Schaidt und in Deidesheim. Hier sei die am besten erhaltene Osterrieder-Krippe der Pfalz zu sehen, so Bischoff. Sebastian Osterrieder (1864-1932) war ein bedeutender Bildhauer und Krippenbauer. Eine schöne Idee: Auch Menschen, die sich heutzutage um die Erhaltung und Pflege verdient machen, finden im Buch Erwähnung.

Geleitwort von Bischof Karl-Heinz Wiesemann

Das Geleitwort zu Bischoffs Werk kommt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Dieser führt aus: „Eine Krippe stellt stumm die Frage: Wenn der allmächtige Gott sich so klein macht, sich der Armut dieses Stalls aussetzt, kann ich dann unbeteiligt bleiben?“ Und einige Sätze weiter: Die Krippe sei mehr als ein nostalgisches Kleinod. Wiesemann betont: „Sie ist seit vielen Jahrhunderten ein Zeugnis lebendigen Glaubens und ein wertvolles und anschauliches Instrument der Glaubensverkündigung.“

Info

Helmuth Bischoff: »Weihnachtskrippen in der Pfalz. Stimmungsvolle Entdeckungen«, Kurpfälzischer Verlag, Heidelberg 2021, gebunden, 148 Seiten, 22 Euro

Die Eltern betrachten andächtig ihr Kind: das Jesuskind in der Kirche St. Leo im pfälzischen Schaidt.
Die Eltern betrachten andächtig ihr Kind: das Jesuskind in der Kirche St. Leo im pfälzischen Schaidt.
Actionbound: Impression vom Bornheimer Krippenweg.
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Kein Titel (3000 x 2000 px)

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