LEO-Interview: SÄNGERIN SANDIE WOLLASCH „Musik gibt einem dermaßen viel Energie“
Sie stand mit Peter Kraus, Paul Carrack und vielen anderen Stars auf der Bühne, hat für Tina Turner eröffnet und mit einem Hellmut-Hattler-Album einen Echo ergattert. Aber Sandie Wollasch engagiert sich auch in ihrer Heimat, der Region Karlsruhe, sozusagen im „Kleinen“ für Musik und Kultur. Aktuell arbeitet sie an einem neuen Solo-Album, für das sie alle Songs selbst komponiert. Über ihre Erfahrungen im Musikgeschäft und ihre Pläne spricht sie im LEO-Interview.
Die Bühne hat dein Musikerleben geprägt. 2020 hast du in
Man geht durch Hochs und Tiefs. Ich war im ersten Lockdown zunächst in einer Art Schockstarre, aber dann kam der Wunsch, etwas zu bewegen, Künstlern eine Plattform zu geben. Mein Freund und Kollege Rolf Ableiter, die liebe Manuela Seith, Betreiberin des kleinen Bekleidungsgeschäfts „Laden 2“, und ich haben dann das Format aus der Taufe gehoben. Das war meine Rettungsinsel zu dieser Zeit. Aber ich vermisse die Bühne sehr. Das Miteinander mit den Kollegen und der Austausch mit dem Publikum fehlen mir extrem. Zum Glück hat die Krise aber auch schöne Seiten, ich kann viel Zeit mit meinem Sohn verbringen. Das ist wie eine zweite Elternzeit, die ich als großes Geschenk empfinde. Aber jetzt nach einem Jahr wünschen wir uns unser „normales“ Leben zurück. Unser Sohn vermisst seine Freunde und möchte so gerne wieder in die Schule, ich möchte singen für die Menschen.
Dein Mann ist ja auch Musiker. Wie funktioniert das mit der Familie, wenn man als Künstlerpaar laufend unterwegs ist?
Das funktioniert bei uns zum Glück sehr gut. Mein Mann und ich sind musikalisch unterschiedlich unterwegs, in verschiedenen Bands. Wir können uns gut abstimmen. Außerdem haben wir ein wunderbares Netzwerk von Unterstützern. Meine Eltern, meine Schwester und meine Tante, das ganze Dorf hilft mit, den kleinen Kerl aufzuziehen (lacht). Das macht ihm selbst auch unheimlich viel Spaß.
Aus deinen Antworten klingt durch, dass du eine erfolgreiche Netzwerkerin bist. Siehst du dich auch so?
Ja, ich glaube schon. Das hat sicher damit zu tun, dass ich ein kontaktfreudiger Mensch bin. Und ich habe vielleicht ein Händchen dafür, Leute für den Austausch zusammenzubringen, die sich gegenseitig inspirieren und bestärken können.
Aus deinem Netzwerk resultieren viele Projekte vom Duo mit Matthias Hautsch über das Kinder-Album „Mami und die Papperlapapis“ bis hin zur Zusammenarbeit mit der SWR-Bigband. Woher nimmst du die Energie für das alles?
Musik gibt einem dermaßen viel Kraft und Energie. Ich komme nach Konzerten immer ganz aufgeladen nach Hause. Aber das war ja nicht gleichzeitig. Alles hat seine Zeit. Ich hatte damals große Lust, Kinderlieder zu schreiben, weil ich gerade im Mama-Modus gewesen bin. Das habe ich als sehr erfüllend erlebt. Aber jetzt ist die Zeit für ein neues Solo-Album. Die Kompositionen sind von mir, die Texte habe ich zusammen mit meiner „Textschreiber-Seelenfreundin“ Inga Brock geschrieben. Wir treffen uns zum Schreiben immer bei ihr, und meistens komme ich mit einer fertiggeschriebenen Geschichte nach Hause. Das ist berauschend. (lacht)
Worauf dürfen wir uns genau freuen?
Es wird ein Pop-Album, gespickt mit vielen Jazzelementen. Begleitet und arrangiert werden die Stücke vom wunderbaren Klaus Wagenleiter Trio. Klaus Wagenleiter (p.), Decebal Badila (b.) und Guido Jöris (d.) sind die Rhythmusgruppe der legendären SWR-Bigband. Für mich haben sie einen unverwechselbaren Sound. Aber zur Veröffentlichung gehören für mich Live-Konzerte. Ich hoffe so sehr, dass das bald wieder möglich ist!
„Believer“ hatte 2013 ja eine besondere Release. Es wurde als „Begehbares Album“ in einer Galerie vorgestellt. Was kann man sich darunter vorstellen?
Das war wirklich eine witzige, sehr wirkungsvolle Idee. Es gab einen Raum, der wie meine CD gestaltet war. Drinnen hingen die Liedtexte in der Handschrift meines Vaters, es gab Making-of-Videos auf einem alten Fernseher und die Musik vom Plattenspieler. Ich gab auch spontan Konzerte im Schaufenster.
Du hast deine Karriere vor ziemlich genau 30 Jahren nach dem Abi gestartet. Wie blickst du auf die drei Jahrzehnte zurück?
Es gibt überall gute und schlechte Erfahrungen, aber wenn ich zurückblicke, würde ich nichts anders machen. Eigentlich wollte ich ja Sonderpädagogik studieren. Nach dem Abitur hatte ich aber das Glück, einen Produzentenvertrag in München zu bekommen und stellte das Studium hinten an. Dann ging es Schlag auf Schlag wie bei einem Domino-Spiel. Ich wurde Chorsängerin bei „Six was Nine“ und war mit den Jungs als Support für Tina Turner auf Europa-Tour. Dadurch wurden Joo Kraus und Hellmut Hattler (Tab Two) auf mich aufmerksam. So landete ich in der Elektro-Jazz-Szene und erhielt mit „Hattler“ den Jazz-Echo für das Album „No eates Yes“. Mit der Band „Triband“ entstanden vier Alben, und wir ernteten den Musikpreis des Verbandes der deutschen Konzertdirektionen. Ich habe mich immer treiben lassen und war offen für Neues auch quer über die Genregrenzen hinweg. Wichtig ist mir, mich weiterzuentwickeln und mir gleichzeitig treu zu bleiben.
Die BNN hat dich mal „erfolgreiche Popsängerin mit kleiner Jazzseele“. Klingt das nicht irgendwie nach „zu wenig“?
Überhaupt nicht. Ich habe mich in einem Interview mal selbst so bezeichnet. Und das stimmt. Ich bin eine Pop-Sängerin, aber meine Jazz-Seele darf auch nach draußen dringen. Ich will in viele Richtungen offen sein und bleiben.
Dazu passt, dass Tina Turner dein Vorbild ist. Was fasziniert dich an ihr?
Ich habe sie mit 14 in München live gesehen. Diese Frau hat mich fasziniert. Mit 24 stand ich dann selbst in ihrer Vorgruppe auf genau der gleichen Bühne im Olympiastadion.
Ihr Können und ihre Power sind für mich vorbildhaft. Sie hat mich sehr geprägt und ich höre sie immer wieder gerne.
Du bist auch Sängerin in der Band von Peter Kraus. Das ist ja schon ganz anders ...
Wenn man genau hinschaut, passt das musikalisch auch sehr gut zu mir. Ich bin mit der Musik von Elvis aufgewachsen und habe als Kind Peters Filme geliebt. Die Duette, die er mit Conny Froboess sang, sang ich mit meinem Vater. Heute darf ich sie mit Peter singen. Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk, ein toller Entertainer. In seiner Band sind die besten Musiker, die man sich wünschen kann. Die Show ist weit weg von ollen Schlagerkamellen. Für mich hat es etwas Magisches, mit ihm auf der Bühne zu stehen. Da kommen viele Kindheitserinnerungen hoch. Peter ist einfach eine Legende.