LEO-THEMA Keschdezeit

Wandern im Zeichen der Edelkastanie: Wegmarkierung des „Pälzer Keschdewegs“.
Wandern im Zeichen der Edelkastanie: Wegmarkierung des »Pälzer Keschdewegs«.

Lange suchen muss man sie beim Wandern entlang des Haardtrands nicht. Und selbst wenn der Zweck der Tour ursprünglich nicht das Sammeln war, verlocken die nussigen Früchte dazu: Esskastanien fallen dieser Tage zuhauf auf die Wege und durch ihre unverwechselbare, stachelige Hülle auf. Jetzt im Herbst versprechen Haardtrand und südlicher Pfälzerwald reiche Ernte.

Maronen für Legionen

„Die Kastanie ist des südlichen Klimas bester Zeuge“, soll Bayernkönig Ludwig I. gesagt haben und Hunderte von Edelkastanien rund um seine Sommerresidenz Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben anpflanzen lassen. Doch die Baumart gibt es wohl schon viel länger in unseren Gefilden. Die Römer brachten nicht nur den Wein mit in die Pfalz, auch die Esskastanienwälder wurzeln in ihrer Siedlungsphase. Es wird vermutet, dass die Edelkastanien gezielt angebaut wurden, um die Legionen mit „dem Brot der Armen“ zu versorgen. Seither gedeiht die Baumart hier prächtig und wird von den Bewohnern gerne genutzt. Im 16. Jahrhundert sind die Pfälzer „Kästen“, in Fässern verpackt, bis nach England verschifft worden. Wie der Wein prägt Castanea sativa bis heute die „Toskana Deutschlands“. Und wie der Wein ist sie von großer touristischer Bedeutung für die Region.

Wanderungen zur „keuschen Frucht“

Nicht von ungefähr gibt es den Pfälzer Keschdeweg, der nicht nur eine eigene Markierung, sondern auch einen eigenen Internetauftritt hat: Unter www.keschdeweg.de findet man eine Tourenbeschreibung, die auch individuelle Tourenplanungen ermöglicht. Der Wanderweg führt aus dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bei Hauenstein zur Deutschen Weinstraße und durchquert dabei die ausgedehnten Esskastanienwälder. Die fast 60 Kilometer lange Route beginnt am Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein und endet in Neustadt. Und damit nicht genug der Ehre für die beliebte Frucht: Kastanienprinzessin Leonie I. residiert in Annweiler, Kastanienführungen gibt’s auf dem Hambacher Schloss (www.hambacher-schloss.de, ab 1.12. als Gruppenführungen), denn auch hier wachsen rundum Edelkastanien, weshalb die „Wiege der Deutschen Demokratie“ ursprünglich „Keschdeburg“ hieß. In der Führung sind allerlei interessante Geschichten rund um die „Keusche Frucht“ zu erfahren. Der Begriff soll übrigens einer alten römischen Sage entstammen, nach der Jupiter sich in eine Waldnymphe namens Nea verliebt und sie so lange bedrängt haben soll, bis sie sich, besorgt um ihre Unschuld, das Leben genommen habe. Daraufhin soll Jupiter sie in einen Baum namens „Casta - Nea“, die keusche Nea (lat. casta = keusch) verwandelt haben. Aus Casta Nea sei schließlich das Wort Kastanie entstanden.

Uralte Vertreter

Weniger des Sammelns als vielmehr des Staunens wegen lohnt der Weg nach Dannenfels am Donnersberg: Die Dicke Kastanie bei der Mittelstraße 11 dort ist als Wahrzeichen des Ortes stattliche acht Meter hoch bei neun Metern Stammumfang. Ihr Alter wird auf 400 bis 600 Jahre geschätzt. Ein schönes Plätzchen hat sie sich hier gesucht: Der Ausblick über die Landschaft ist herrlich. Ein weiterer uralter Vertreter der Art findet sich übrigens auch in der sonnenverwöhnten Südpfalz, was weniger verwundern dürfte: In Gleisweiler nahe dem Hinzlochbrunnen in der Bergstraße findet sich das Naturdenkmal, dessen Stammumfang ebenfalls rund acht Meter beträgt. Sie soll 500 Jahre alt sein. Die Edelkastanie war übrigens, wie bei den Tourist-Informationen am Keschdeweg zu erfahren ist, seit Römerzeiten in der Pfalz als Grundnahrungsmittel, also Brot- und später auch Kartoffelersatz, beliebt und wurde traditionell gleich nach der Weinlese eingebracht und dann, geschält und getrocknet, für die Winterzeit eingelagert. Auch das Holz der Bäume wird demnach seit Römertagen genutzt. Im sogenannten Kammertbau der Römer, einer Erziehungsform für Reben, fand Kastanienholz zunächst Verwendung. Später wurden die Holzpfähle für die Reben, die Stickel, aus Kastanienholz gefertigt. Auch beim Hausbau wurde Kastanienholz zusammen mit Eiche eingesetzt.

Rezept-Tipp: Kastanienbrot

Kastanien waren von jeher im Brot beliebt. Das Rezept von kochbar.de macht etwas Arbeit, die sich aber lohnt:

Zutaten:

250 g Dinkel-Vollkornmehl,

100 g Edelkastanien frisch gegart,

20 g frische Hefe, 165 g Dinkelmehl,

50 ml Milch, 30 g Sonnenblumenkerne,

20 g Kürbiskerne ohne Schale, je 10 g Leinsamen ganz und geschrotet, 1 TL Meersalz, 1 EL Olivenöl, 400 g Pizzatomaten, Butter für die Form, 1 Prise Zucker

Zubereitung:

Hefe mit zimmerwarmer Milch ansetzen, etwas Mehl dazu geben, 10 Minuten gehen lassen. Mehl mit Samen und Kernen vermischen, das Hefegemisch hineingeben und verrühren. Tomaten und Öl zufügen. Alles kräftig durchrühren, bis der Teig geschmeidig ist. Teig mit Tuch bedecken und gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat, nochmals kurz verrühren und in eine gefettete Brotbackform geben. Geschnittene Maronen darauf verteilen, leicht eindrücken. Zugedeckt weitere 15 Minuten gehen lassen. Brot ohne Vorheizen bei 200 Grad Umluft etwa 45 Minuten backen

Keschdeweg-Kontakte

  • Tourist-Info-Zentrum Pfälzerwald/Urlaubsregion Hauenstein, 06392 9233380, www.urlaubsregion-hauenstein.de
  • Südliche Weinstraße Annweiler, 06346 2200, www.trifelsland.de
  • Südliche Weinstraße Landau/Land,06345 3531, www.landauland.de
  • Südliche Weinstraße Edenkoben, 06323 959222, www.garten-eden-pfalz.de
  • Südliche Weinstraße Maikammer, www.maikammer-erlebnisland.de, 06321 952768
  • Tourist-Information St. Martin, 06323 5300, www.sankt-martin.de
  • Verein Südliche Weinstraße, 06341 940407, www.suedlicheweinstrasse.de
  • Tourist, Kongress und Saalbau GmbH Neustadt, www.neustadt.eu, 06321 926892
Herbstlich: Römerweg, Teil des Keschdewegs in Neustadt.
Herbstlich: Römerweg, Teil des Keschdewegs in Neustadt.
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