Kunsttipp
Erdschollenskulpturen: Betty Beier in Annweiler
Bodenproben entnehmen – das ist gemeinhin ein Job für Geologen und Biologen. Oder auch für Ingenieure von Erdölkonzernen. Betty Beier indes hat daraus eine Kunstform gemacht, die sich an der Schwelle zum Öko-Aktivismus bewegt. Als Forensikerin verlorener Landschaften und Böden betrachtet sich Beier selbst.
Bodenproben werden zum Kunstobjekt
Seit Mitte der 1990er-Jahre reist die in Rohrbach bei Landau lebende Künstlerin durch die Welt, um immer dort mindestens einen Quadratmeter Boden zu sichern, wo eine Landschaft durch menschliches Zutun im Schwinden begriffen oder von der irreversiblen Zerstörung bedroht ist. Diese Bodenstücke verwandelt Beier in einem aufwendigen Konservierungsprozess in skulpturale Dokumente der Auslöschung und des Klimawandels. So finden sich in ihrem „Erdschollenarchiv“ zum Beispiel Platten aus einem Teil des Regenwalds, der dem Belo-Monte-Staudamm geopfert wurde. Oder Reliefs vom Zugspitzengletscher, der wegen der globalen Erderwärmung jedes Jahr um einen Meter schrumpft.
Auch Fotos und Aquarelle aus Wörth und Island
In Annweiler, im Kabinett des Museums unterm Trifels, zeigt Beier unter dem Titel „Bodenlos“ Erdschollenskulpturen, Fotografien und Aquarelle aus Island und Wörth am Rhein. Die Arbeiten künden davon, wie dort jeweils Böden und Landschaften infolge industrieller Projekte verloren gingen. Am 15. Mai, dem Internationalen Museumstag, wird Betty Beier für Gespräche mit Besuchern vor Ort sein.
Betty Beier: „Bodenlos“ – bis 30.9., Annweiler, Museum unterm Trifels, Am Schipkapass 4, geöffnet: Mi-Sa 13-17 Uhr, So 10-17 Uhr; Info: 06346 9659760 und 301118
