Grumbeer-Wissen Besuch im Deutschen Kartoffelmuseum in Ludwigshafen-Fußgönheim
Papa – so nannten die Inka einst ihre Urkartoffel. Papa, der Ernährer. „Es sind Grundsilben wie auch bei Mmm-Mama, die eng mit Essen und Genuss zusammenhängen“, sinniert Ernst Kaeshammer ergänzend zu der Infotafel, die die Ableitungen batata, patata und potato vom Begriff Papa listet. Wie treffend: Als Grundnahrungsmittel hat die Kartoffel von Südamerika aus längst die Welt erobert, auch die Pfalz, wo die „Pfälzer Grumbeere“ als Marke weithin ausstrahlen (www.pfaelzer-grumbeere.de). Kein Zufall also, dass hier, genauer in Fußgönheim, das bundesweit einzige Kartoffelmuseum beheimatet ist, durch das Kaeshammer sowie Michael Plumpe vom örtlichen Heimat- und Kulturkreis auf Anfrage gerne führen. Auch Johannes Zehfuß, Vorsitzender des Vereins Deutsches Kartoffelmuseum, bietet Führungen an.
Zwei Räume, viele Facetten
Gründer des Museums, das 1987 initiiert und 1988 eröffnet wurde und bis heute komplett im Ehrenamt betrieben wird, war Karl Freidel. Eine Aktion der „Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft“ (CMA) und der pfälzischen Kartoffelerzeugergemeinschaft, die 1980 erstmals gemeinsam im Fußgönheimer Schloss die Erntesaison mit einem offiziellen Akt eröffneten, gab den Ausschlag. „Das Interesse um die Geschichte der runden Knolle wuchs daraufhin“, informiert der Museumsflyer. „Die Idee wurde geboren, der Kartoffel als wichtigem Kulturgut in der Pfalz ein würdiges Denkmal einzurichten.“ Und so widmen sich in der ehemaligen Fußgönheimer Synagoge zwei Räume der Kartoffel in vielen Facetten – kulturhistorisch, botanisch und kulinarisch, in Wort, Bild und Kunst. Zum Thema passende Bilder füllen die hohen Wände, ergänzt von Schautafeln und zahlreichen Exponaten in Vitrinen, Regalen und auf Tischen.
Laut Kaeshammer – von Haus aus Geigenbauer – kommen Gruppen auch aus europäischen Nachbarländern zu Besichtigungen, darunter Schulklassen und Studierende. Sogar ein Fernsehteam aus Japan sei zu Gast gewesen, erzählt er. Zu entdecken gibt es aber auch viel in den hell getünchten Räumen, die selbst Geschichte atmen. „Die Synagoge wurde in der NS-Zeit nicht zerstört, weil die jüdische Gemeinde sich vor der Reichskristallnacht aufgelöst hat“, so Kaeshammer, der bei der Führung den Blick des Gastes auf manch vermeintlich unscheinbares Detail zu lenken weiß.
Auf ein Körbchen mit kieselsteinartigem Inhalt etwa. Ein Schild informiert, dass es sich um Chuños handelt, durch Wasserentzug haltbar gemachte Kartoffeln aus Peru. „Durch die großen Temperaturunterschiede dort zwischen Tag und Nacht werden sie auf natürliche Weise gefriergetrocknet“, erläutert Kaeshammer. Federleicht und knochentrocken liegen sie wie Styropor in der Hand. Daneben steht die lebensgroße Figur eines traditionellen Kartoffelbauern aus Peru in typischer, farbenfroher Kluft.
Bilder, Tafeln, Überlieferungen und Erläuterungen zur Herkunft der Kartoffel finden sich ebenso – Modelle der historischen Segelschiffe inklusive, die sie im frühen 17. Jahrhundert aus Übersee nach Europa mitbrachten. Der Import sei vermutlich das Verdienst von Sir Walter Raleigh gewesen. „Es war weder Kolumbus noch Sir Francis Drake“, räumt Kaeshammer einen verbreiteten Irrtum aus. Zunächst als exotische Speise Adelskreisen vorbehalten, sorgte Friedrich der Große schließlich mit seinem legendären „Kartoffelbefehl“ 1756 dafür, dass der Erdapfel als Grundnahrungsmittel in der breiten Bevölkerung Fuß fasste und manche Hungersnot verhinderte: Jeder Bauer musste unter Androhung von Strafe Kartoffeln anbauen. Umgekehrt waren in der Folge Kartoffelmissernten mit ursächlich für Auswanderungswellen in die neue Welt.
Aber auch die Neuzeit wird beleuchtet. Zum liebevoll bewahrten Sammelsurium gehört nicht zuletzt ein Hinweis auf den komplizierten, Jahre dauernden Zulassungsprozess neuer Kartoffelsorten. Rund 200 seien derzeit in Deutschland für den Markt zugelassen, weiß Kaeshammer, weltweit seien es geschätzt zwischen 5000 und 10.000. Die Lieblingssorte nicht nur der Pfälzer sei die längliche Annabelle aufgrund ihrer Kocheigenschaften und ihres Geschmacks. Er schätze sie als Zutat für Schweizer Rösti, verrät der Experte – womit sich der Kreis zu Essen und Genuss schließt.
Der zweite Raum des Museums spiegelt denn auch authentisch die traditionelle Küchenkultur: „Gequellte“ auf dem Tisch, Behältnisse, Gerätschaften und Kochutensilien neben dem Herd.
Ein Besuch des Museums lohnt also, und das Thema soll noch besser zugänglich werden. Laut Kaeshammer ist eine Museumspädagogin damit beschäftigt, die Sammlung aufzubereiten. Appetit auf „Gequellte“, Bratkartoffeln und Schweizer Rösti macht sie aber auch so.
Deutsches Kartoffelmuseum, Hauptstr. 62, Fußgönheim, Kontakt: info@deutscheskartoffelmuseum.de, 06237 929266, www.deutscheskartoffelmuseum.de, erster So im Monat, 14-18 Uhr, geöffnet, Führungen nach Absprache: Ernst Kaeshammer, 06237 8928, kaeshammer-violins@t-online.de; Michael Plumpe, 06237 1429, kplumpe@web.de
