Reise
Aachen: Auf den Spuren Karls des Großen
Ohne Karl den Großen gäbe es Aachen nicht, und in Aachen ist der erste deutsche Kaiser auch heute noch allgegenwärtig. Was muss man tun, um schon zu Lebzeiten ehrfürchtig „der Große“ genannt zu werden? Zunächst war es praktisch, wenn man die passende Statur hatte – sein Skelett, das noch heute im Karlsschrein ruht, legt eine Größe von 1,84 Metern nahe, womit er dem Himmel einen Kopf näher als der Durchschnittsfranke war. In einem der karolingischen Hausgüter um oder in Aachen wurde Karl 747 oder 748 geboren, hier starb er 814. Er hatte sich nach einem Bad in den heiß geliebten Quellen erkältet.
Als Karl den Großteil der Kriege zur Reichseinigung gefochten, die germanischen Stämme geeint, die Sachsen massakriert und missioniert hatte, brauchte er ein symbolisches Zentrum seiner Macht und seines Riesenreichs. Und entschied sich für das kleine Dorf aquis villa mit römischer Badevergangenheit, um hier, ab den 760er Jahren, eine Königspfalz zu gründen. Für die Pfalzkapelle, ein Maria geweihtes Heiligtum, wählte er nicht die vorherrschende Bauform des Mittelalters, die längs gerichtete Basilika, sondern den Zentralbau. Die Hagia Sophia in Byzanz und die Kirche San Vitale in Ravenna, die er auf seinen Romzügen wohl kennengelernt hatte, dürften als Blaupause gedient haben.
Schlichter Thron mit Blick auf den Hochaltar
Vorbei an dem eleganten, meisterhaft in Bronze gegossenen karolingischen Löwenportal tritt man heute durch das massive Westwerk in die Pfalzkapelle. Deren Baumotiv ist die Veredelung und Verdichtung zur Mitte hin, alles höchst symbolisch. Im dem König vorbehaltenen Obergeschoss, dem Hochmünster, steht der schlichte Thron mit direktem Blick auf den Hochaltar, auf dem von 936 bis 1531 30 Könige und zwölf Königinnen gekrönt worden sind. Versteckt im Thron fand man ein einfaches hölzernes Sitzmöbel, vermutlich ein germanischer Holzthron. Im Thron vereint sind also die drei Grundsteine von Karls Reich: Christentum, römische Antike und Germanentum.
Um in Karls Herrschergeschoss zu gelangen – und in den Chor – muss man eine Führung in der Dom-Info buchen. Die bietet auch Gelegenheit, von hier oben die original karolingischen Eisengitter zwischen den Säulen und den gewaltigen, 4,20 Meter messenden Barbarossa-Leuchter zu bewundern, den der deutsche Kaiser mit dem roten Bart nach 1165 stiftete. Er stellt ein Abbild des himmlischen Jerusalem dar, ebenfalls pure Herrschaftssymbolik, die den sakralen Charakter des mittelalterlichen Kaisertums herausstellt. Alles andere, die marmorne Wandverkleidung, der Boden sowie die goldgrundigen Mosaiken, entstanden von 1880 bis 1913 im Zuge der Restaurierung. Karls Kapelle war wohl schlicht weiß gestrichen.
Golden funkelnde Ausstattungsstücke
Das „Glashaus“ des Chors, man sieht es sofort, ist nicht karolingisch, sondern spätgotisch. Nach 1355 wurde er mit seiner mehr als 1000 Quadratmeter umfassenden Fensterfläche angebaut – die Verglasung stammt von 1949. Golden funkelnde Ausstattungsstücke aus dem Mittelalter fesseln den Blick. In die Ambo, eine künstlerisch herausragende Stiftung König Heinrichs II. von 1024, sind unter anderem antike Kameen, Schachfiguren, Schalen und eine byzantinische Bergkristalltasse eingearbeitet. Von dieser Kanzel sang der König während der Krönungszeremonie das Evangelium.
Als nächstes fällt der Blick auf den Marienschrein, um 1220 in Aachen entstanden: Das reich verzierte Meisterwerk in der Form einer einschiffigen Kirche enthält die vier sogenannten Großen Heiligtümer des Aachener Doms: Windel und Lendentuch Christi, das Kleid Marias und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers werden hier vermutlich seit der Zeit Karls bis heute verehrt. Ein mittelalterliches Juwel im Chor ist auch der zwischen 1182 und 1215 geschmiedete Karlsschrein. Die Eiche, aus der der unter dem vergoldeten Silberblech versteckte Kasten stammt, wurde 1182 gefällt. Und den letzten Nagel schlug Friedrich II. von Hohenstaufen anlässlich seiner Krönung ein. In dieser Schatztruhe ruhen die Gebeine des heiligen Karl des Großen. Des Heiligen? Richtig, 1165 wurde er auf Betreiben Kaiser Barbarossas von einem Gegenpapst heiliggesprochen, ein rein politischer Akt.
Büste mit Schädeldecke des Kaisers
Weitere liturgische Preziosen und Karls-Memorabilien kann man im Domschatz bewundern. Hier steht etwa der spätantike Proserpina-Sarkophag, in dem Karl 814 erstbestattet wurde. Auch das Jagdmesser Karls des Großen ist zu bewundern und das originale Brustkreuz Karls von 800. Die Karlsbüste von 1349 enthält die Schädeldecke Karls, ein Armreliquiar einen Teil seines Arms. Der Aachener Domschatz gilt als einer der reichsten, wenn nicht gar als der reichste nördlich der Alpen. Im Untergeschoss des Museums befindet sich unter den historistischen Goldschmiedearbeiten aus dem 19./20. Jahrhundert auch der Schrein der Heiligen Corona, die allerdings so gar nichts mit dem Virus zu tun hat.
Von Karls Pfalz ist wenig Sichtbares erhalten, doch das 1350 vollendete Rathaus, einer der prächtigsten Profanbauten jener Zeit, wurde auf den Fundamenten der ehemaligen Königshalle erbaut. Zur Besichtigung stehen opulente Barockräume und der Krönungssaal im Obergeschoss offen. Unter den weitgespannten spätgotischen Gewölben fanden bis 1531 die Krönungsmähler statt, heute wird hier der Karlspreis verliehen. Noch ganz karolingisch sind die vier Untergeschosse des nur von außen zu sehenden Granusturms.
Fußgängerzone zwischen Dom und Rathaus
In der Fußgängerzone zwischen Dom und Rathaus lässt es sich schön shoppen: bei Goldschmieden, Modeboutiquen, Souvenirläden, der Konditorei Van Den Daele mit Patisseriekunstwerken oder bei Drouven, Spezialist für Aachener Printen. Oder im „Meilen-Stein“ gegenüber vom Domeingang, wo Schmuck, Heilsteine und Mineralstufen für Sammler zur Auswahl stehen. Cafés und Bistros mit Tischen im Freien sorgen für eine fast mediterran entspannte Atmosphäre. Besonders gut schmeckt der Cappuccino am Hof, wo man unter der Kopie römischer Arkaden sitzt.
Wegweiser
Domführungen
Mo-Sa 11-19, So 13-17.45 Uhr, Führungen Mo-Fr 11-18, Sa 11-17, So 13-16 Uhr, zur vollen Stunde, 5 Euro; Infos: www.aachenerdom.de,
Rathaus
Besichtigung täglich 10-18 Uhr, 6 Euro Eintritt, mit Führung 10 Euro, Infos: http://rathaus-aachen.de
Rund um Aachen
Auf zahlreichen Rad- und Wanderwegen lässt sich das Umland Aachens erkunden, allen voran der Eifelsteig.
Er beginnt in Aachen-Kornelimünster und führt von dort aus in mehreren Etappen durch die Eifel bis nach Trier. Mit seinen 313 landschaftlich abwechslungsreichen Kilometern gehört der Fernwanderweg Eifelsteig zu den „Top Trails of Germany“. Info: www.eifelsteig.de
Im Herzen der „Euregio Maas-Rhein“ erstreckt sich auch der Weiße Weg. Verschiedene Routen erlauben einen Einblick in die unterschiedlichen Landschaften des Aachener und Herzogenrather Grenzraums und bieten allerlei botanische, kulturelle und geschichtliche Highlights. Weitere Infos auf: www.outdooractive.com (Themenweg/Eifel/Der weiße Weg)
Carolus-Thermen
Auch Wellnessfreunde kommen in Aachen auf ihre Kosten: Die Carolus-Thermen sind nach Renovierung wieder geöffnet. In der Thermalwelt gibt es verschiedene Innen- und Außenpools mit Aachener Mineral-Thermalwasser. Kostenfreie Zusatzangebote sind zum Beispiel Aquagymnastik, Meditationen und Yoga. Infos: https://carolus-thermen.de/tss/wig
Weitere Infos und Buchungen: www.aachen-tourismus.de
