Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schwangerschaftsdiabetes: Eine Rheinland-Pfälzerin erzählt

Wichtig bei Schwangerschaftsdiabetes: regelmäßig den Blutzuckerwert messen.
Wichtig bei Schwangerschaftsdiabetes: regelmäßig den Blutzuckerwert messen.

Immer mehr Frauen in Rheinland-Pfalz erkranken während der Schwangerschaft an Diabetes. Auch wenn die Erkrankung oft ohne Beschwerden verläuft, kann sie große Risiken für Mutter und Kind mit sich bringen.

Dass sie an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt war, merkte Alina Michel erst bei einer Routineuntersuchung während ihrer ersten Schwangerschaft. „Bis dahin hatte ich keine Probleme“, sagt die 37-Jährige aus Nieder-Olm (Kreis Mainz-Bingen). Mit der Diagnose ist sie nicht allein. Nach Angaben des Krankenversicherers IKK Südwest ist die Anzahl der Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes erkranken, seit 2016 gestiegen.

Im Jahr 2022 habe ein Viertel der Schwangeren, die bei der IKK versichert sind, diese Diagnose erhalten. Diese Tendenz sieht auch Zoltan Takacs, Gynäkologe und Pränataldiagnostiker aus Landstuhl (Kreis Kaiserslautern), der zudem stellvertretender Bezirksvorsitzender für die Pfalz im Berufsverband der Frauenärzte ist. Ihm zufolge ist Rheinland-Pfalz eines der Bundesländer mit dem höchsten Anteil an Menschen, die von Übergewicht betroffen sind. Das kann Schwangerschaftsdiabetes begünstigen.

Folgen für Mutter und Kind

Dass Patientinnen so wie Alina Michel keine Beschwerden spüren, ist ihm zufolge normal – zu unterschätzen ist die Krankheit deshalb aber nicht. „Je höher der Blutzuckerwert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der Geburt zu Komplikationen kommt“, sagt der Arzt. Auch eine Frühgeburt werde durch den Diabetes wahrscheinlicher. Auf lange Sicht steigt dadurch auch das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Für das Kind könne die Erkrankung ebenso Folgen haben. Der erhöhte Blutzuckerspiegel der Mutter rege die Insulinproduktion bei dem Ungeborenen an. „Insulin fördert das Wachstum von Fettgewebe“, sagt Takacs. Das Hormon wirkt blutzuckersenkend. Dadurch seien Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes oft überdurchschnittlich groß und schwer. Und sie müssten nach der Geburt vergleichsweise häufiger auf der Intensivstation versorgt werden, da es auch zu Atemproblemen kommen kann.

Ob eine Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, wird in der Regel mit einem Blutzucker-Belastungstest zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche festgestellt. „Wenn Risikofaktoren vorliegen, macht man den Test am Anfang der Schwangerschaft“, sagt Takacs. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem Übergewicht oder bestehende Fälle von Diabetes in der Familie. Auch das Alter der Frau kann eine Rolle spielen. „Mit zunehmendem Alter und zunehmender Anzahl vorausgegangener Schwangerschaften steigt das Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln“, sagt Takacs. Das Risiko reduzieren könne man, in dem man schon vor einer geplanten Schwangerschaft Gewicht abnimmt.

Behandelt wird die Erkrankung teils mit künstlichem Insulin, „manchmal reicht es aber auch, die Ernährung umzustellen“, sagt Takacs. Um herauszufinden, ob eine Ernährungsumstellung ausreichend ist, müssten die Zuckerwerte der Mutter und die Entwicklung des Kindes genau beobachtet werden.

Alle drei Stunden essen

„Ich wollte mir auf keinen Fall Insulin spritzen“, sagt Alina Michel. Sie habe stattdessen weniger Weißmehl und Süßigkeiten, dafür mehr Vollkornprodukte und Obst zu sich genommen. Dazu kam, dass sie statt weniger großer Mahlzeiten am Tag alle drei Stunden etwas essen musste – und davor und danach den Blutzuckerwert messen. „Das war sehr umständlich, weil ich während der Schwangerschaft auch noch Vollzeit als Verkäuferin in einer Bäckerei gearbeitet habe“, erinnert sie sich. Ihre beiden Kinder, die heute sieben und zwei Jahre alt sind, seien aber ohne Komplikationen und ohne Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Auch mit Langzeitfolgen habe sie bislang nicht zu kämpfen gehabt: „Drei Monate nach der Geburt war mein Zuckerwert wieder normal“, sagt sie.

Auch wenn bei den meisten Müttern, die an Schwangerschaftsdiabetes erkranken, die Symptome nach der Entbindung wieder verschwinden, findet Takacs es „wichtig, dass die Betreuung nicht aufhört“. Deshalb müsse nach der Geburt überprüft werden, dass sich die Blutzuckerwerte wieder normalisieren.

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