Pfalz Missbrauchsskandal: Ausschuss fragt nach „Kultur des Wegschauens“ in Homburg
Zu seinem Auftakt hat der Untersuchungsausschuss am Saar-Landtag, der den Missbrauchsskandal am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg aufarbeitet, am Dienstagnachmittag beschlossen, wer zunächst im Fokus der Untersuchung stehen soll: vier Verantwortliche des Klinikums. Darüber informierte auf RHEINPFALZ-Nachfrage Jürgen Renner, der für die SPD im Untersuchungsausschuss sitzt. Die vier Betroffenen könnten bereits in der nächsten Sitzung, am 13. November, Auskunft darüber geben, ob es aus ihrer Sicht zwischen 2010 und 2014 zu mutmaßlichen sexuellen Übergriffen eines 2016 verstorbenen Assistenzarztes auf zahlreiche Kinder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum gekommen sein könnte und warum der Mann zunächst unbehelligt weiterarbeiten konnte – trotz seiner offenbar bekannten pädophilen Neigung.
„Wer wusste wann was?“
Dem SPD-Mann zufolge konzentriert sich der Ausschuss zunächst hauptsächlich auf die Vorgänge am Klinikum, aber auch auf die erfolgte Information beziehungsweise Nichtinformation zwischen Klinikum und Landesregierung sowie den Ministerien. Das UKS ist eine staatliche Einrichtung. Dazu würden zwei Vorgesetzte des beschuldigten Assistenzarztes, der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, und eine Oberärztin gehört sowie die Justiziarin des UKS und dessen kaufmännischer Leiter. Es gehe bei dem Skandal um die Frage, „wer wusste wann was“, aber auch darum, ob es ein „System der Vertuschung“ gegeben habe oder eine „Kultur des Wegschauens“. Erst in einem zweiten Schritt, so Renner, werde die politische Dimension in Angriff genommen. Dann würde der Kreis der Zeugen voraussichtlich erweitert. Schon jetzt werde der U-Ausschuss umfangreiches Aktenmaterial anfordern: unter anderem vom Klinikum, der Staatsanwaltschaft und von zwei Jugendämtern. In einer weiteren Ausschussitzung vor Jahresende könnte die Opferanwältin Claudia Willger zu Wort kommen, die seit Aufdeckung des Skandals durch das WDR-Magazin „Monitor“ schwere Vorwürfe gegen die Klinikleitung, aber auch gegen die Staatsanwaltschaft erhoben hat.