Pfalz „Lied für Lautern“: Eine Stadt sucht eine Hymne

Die Stadt Kaiserslautern, aufgenommen während eines Hubschrauberflugs.
Die Stadt Kaiserslautern, aufgenommen während eines Hubschrauberflugs.

Es sind meistens Liebeslieder, und Klischees dürfen nicht fehlen: Stadthymnen fassen oft das Beste eines Ortes zusammen und sind eingängig zum Mitsingen. Sie schaffen auch ein Gemeinschaftsgefühl. Kaiserslautern sucht nun ein solches Lied. Gelingt der große Wurf?

Ob der Welterfolg „New York, New York“ oder der Stadionhit „Bochum“: Manchmal werden Songs über Städte nahezu Volkslieder. Und nun vielleicht sogar Kaiserslautern? Die pfälzische Stadt sucht eine Hymne - an diesem Montag können Komponisten, Musiker und Laien letztmals Vorschläge einsenden. Schon mehr als 20 Beiträge seien eingegangen, sagt Bürgermeisterin Beate Kimmel. „Die Resonanz macht mir persönlich große Freude, und ich sehe den Wettbewerb als vollen Erfolg an.“ Viele Menschen befassten sich intensiv mit der Idee - und damit auch mit Kaiserslautern.

Es wäre nicht das erste Lied über eine Stadt in Rheinland-Pfalz. In Mainz gilt zum Beispiel „Im Schatten des Doms“ als eine Art Hymne. Das Lied folge musikalisch den gleichen Schablonen wie eine Popballade, sagt der Mainzer Musikwissenschaftler Frank Wittmer. Es sei mit E-Piano, E-Gitarre, E-Bass und Drums instrumentiert, umfasse neben Strophen und Refrain eine sogenannte Bridge - eine pop-typische überleitende Zwischenpassage. „Und im Mitsingen des Textes können die Menschen ihre Verbundenheit zur Heimat ausdrücken.“

In Trier haben sich bereits zahlreiche Künstler an der wohl ältesten Stadt Deutschlands abgearbeitet - ob „Weihnachtsmoart en Trier“ von der Kultband Leiendecker Bloas, das Eintracht-Lied vom gebürtigen Trierer Entertainer Guildo Horn oder das Liebesgeständnis „Trier du bist mein Zuhause“ des Rap-Trios CaNo, Rebecca Kiefer, Rene Reissig.

In Koblenz hat unter anderem Mundart-Sänger Daniel Ferber die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel besungen - „Kowelenz“ wurde ein Überraschungshit. Populär ist auch das „Schängellied“. Der fröhliche Song wurde bereits 1914 im Karneval in Koblenz uraufgeführt.

„Lieder verbinden Menschen in besonderer Weise und können wunderbar Gefühle vermitteln“, meint Bürgermeisterin Kimmel. Über das Lied wolle die Verwaltung auch eine Auseinandersetzung mit der Kommune anregen. „Dieses Lautrer Lied soll den Einheimischen das Bekenntnis zur Stadt erleichtern und andere neugierig auf diese besondere Stadt mitten im Pfälzerwald machen.“ Als Vorbild für eine liebevolle Haltung zur eigenen Stadt sieht Kimmel das vielbesungene Köln.

Doch was braucht eine solche Stadthymne? „Musikalisch muss sie eingängig sein – das heißt nicht unbedingt simpel, aber auf jeden Fall wiedererkennbar, und man muss mitsingen können“, sagt Experte Wittmer. Inhaltlich sollte der Text spezifische Aspekte der Stadt thematisieren. „Etwas, was nur hier vorkommt, einen besonderen Stellenwert einnimmt oder besonders prägend ist. Allgemeine Formulierungen sind möglich, aber konkrete Punkte sind besser.“

Das gesuchte Lied dürfe alle denkbaren Stilrichtungen repräsentieren, von Rap über Rock bis Schlager, sagt Kimmel, die die Schirmherrschaft über das Projekt hält. Sie gehört auch der vierköpfigen Jury an, die am Ende über den Sieger entscheidet. Als erster Preis winken unter anderem eine Ton- und Videoproduktion im Wert von 2000 Euro.

Oft hört man in der Stadt: Eine Hymne habe Kaiserslautern doch schon. Vielkehlig wird etwa im Stadion des 1.FC Kaiserslautern „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ gesungen, wenn Bayern München gastiert. Das Lied entstand einst auf dem Betzenberg. Der Schlager-Evergreen „Wir sind die Tramps von der Pfalz“ erklingt ebenfalls immer wieder bei Volksfesten. Aber als echte Hymnen dürften sie nicht durchgehen.

„Die Hymne soll zum Beispiel bei offiziellen Anlässen wie dem Neujahrsempfang, der Langen Nacht der Kultur oder der Eröffnung von Festen gespielt werden“, erläutert Kimmel. Sie fände es toll, wenn Menschen das Lied auch im Privaten singen würden. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Einen Kassenschlager zur Sanierung der städtischen Finanzen erhoffen wir uns weniger.“ Allerdings wäre ein Lied toll, das Integration fördert und zur Identifikation einlade, meint sie.

Wenn ein Lied das Lebensgefühl einer Stadt treffe, sei dies ideal, sagt Musikwissenschaftler Wittmer. Auch ein gewisser Witz könne hilfreich sein, während zu große Ernsthaftigkeit oder Pathos eher abträglich seien. „Es ist ja interessant, dass Lieder wie „New York, New York“, „Bochum“ oder „Im Schatten des Doms“ nicht gezielt als Stadthymnen geschrieben, sondern erst nachträglich als solche akzeptiert wurden.“ Der Erfolg sei letztlich eben nicht kalkulierbar.

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